"Wetten, dass..?" Wenn der Thomas mit dem Boris...


Boris Becker will seine Lebensgefährtin Lilly Kerssenberg heiraten. Das verkündete der Ex-Tennisstar am Samstag Abend auf der Couch von Thomas Gottschalk. Doch das konnte eine ganz schwache "Wetten, dass..?"-Sendung auch nicht retten. Gottschalk verteilte Hundekuchen und verschrottete am Schluss ein Auto - ausgerechnet einen Opel.
Von Björn Erichsen

"Wir werden am 12. Juni in St. Moritz heiraten" - Bum-Bum-Boris, da war es raus! Was für eine Nachricht. Endlich mal Neuigkeiten auf Gottschalks Werbecouch: Boris Becker, Ex-Tennisstar und besenkammererprobter Lebemann, verspricht seiner alten und neuen Lebensgefährtin Lilly Kerssenberg den Bund fürs Leben. Das verkündeten die beiden am Samstag Abend bei "Wetten, dass..?" in Düsseldorf. Thomas Gottschalk, mit lila Anzug, Silberstiefeln und D'Artagnan-Bärtchen ausstaffiert war hocherfreut. Er spielte erst den Überraschten ("Warum hast du ausgerechnet diese Dame für würdig befunden, hier Platz zu nehmen?"), dann den Zeremonienmeister, stellte höchst selbst den holländischen Model im blauen Schulterfreien die entscheidende Frage. Und die antwortete mit einem langen, lauten "Jaaaa!"

Natürlich wäre das Ganze noch überraschender gewesen, wenn sich die komplette Samstagspresse nicht schon mit Andeutungen über Beckers "besondere Ankündigung" überschlagen hätte. Na klar: Die Nachricht wurde lanciert, was nützt so ein Trumpf im Quotenkampf mit Bohlens "Superstars", wenn die Zuschauer nicht vorher erfahren, dass es bei Gottschalk mal was Besonderes zu sehen gibt. Einen Tick romantischer wäre es sicherlich auch gewesen, hätte Becker nicht erst vor wenigen Monaten angekündigt, eine Eheschließung live in Gottschalks Wettshow bekannt zu geben - nur dass die damalige Auserwählte Sandy Meyer-Wölden hieß. "Ich habe mich letzten Sommer mal verlaufen"; überspielte Becker diesen kleinen Schönheitsfehler. "Aber Lilly hat mich wieder aufgenommen im trauten Heim. Und ich will sie nicht mehr loslassen."

Terminprobleme und Abwrackprämie

Gottschalk nutzte das Gespräch, um sich selbst mal schnell zur Hochzeitsfeier einzuladen. Und grübelte dann vor laufender Kamera über seine Terminschwierigkeiten, weil einen Tag später die Sommerausgabe von "Wetten, dass..?" auf Mallorca ansteht. "Da müssen wir die Proben verlegen", ließ er die Zuschauer hautnah an seinen persönlichen Problemen teilhaben. Wie man einen (trotz allem) besonderen TV-Moment vollständig an die Wand fährt, bewies dann die ZDF-Regie: Keine drei Minuten nach dem Beckerschen Bekenntnis wurde der spannendste Teil des Abends unterbrochen, damit eine Zuschauerin einmal mit ihrem alten Ford über die Bühne fahren konnte. Nur zum Vorzeigen, später sollte der Wagen im Rahmen der Stadtwette verschrottet werden, gegen doppelte "Abwrackprämie". "Die einen heiraten, die anderen wracken ab", versuchte ein sichtlich genervter Gottschalk die Dramaturgiepanne zu überspielen. "Das hier ist 'Wetten, dass..?', hier geht es auf und ab."

Es ging eher abwärts: "Deutscher Hundekuchen schmeckt besser als amerikanische Torte", witzelte Gottschalk etwa, als er Jennifer Aniston und Owen Wilson nach verlorener Wette aufforderte, Tiernahrung zu essen. Die Schauspielerin - die mit ihrem Tipp eigentlich richtig gelegen hatte, aber dennoch widerwillig mitmachte - warf Gottschalk einem Blick zu, als habe sich soeben Brad Pitt frisch von ihr getrennt. "Der saugt mir alle Feuchtigkeit aus dem Mund", meinte Aniston, während sie am Hundekuchen knabberte und ihren Ekel professionell weglächelte. Man erfuhr von den US-Stars noch, dass mit "Marley & Ich" bald ein neuer Film mit ihnen anläuft, dass Wilson seine Stunts nicht selbst dreht, sich aber - im Gegensatz zu Anistion - für vier Millionen Dollar ausziehen würde.

Betteln, borgen, Oscar

Für Lichtblicke sorgte die deutsche Prominenz: Schön anzuschauen, wie sich Heino Ferch und Andrea Sawatzki nach verlorener Wette mit ihren Sportgeräten herumschlagen mussten: Die Tatort-Kommissarin quietsche und lachte vergnügt bei ihrer Rhönrad-Premiere ("Kommt da so ein schwarzer Balken, wenn mir der Rock hochfliegt?"), Ferch dagegen quetsche sich in einen hautengen rot-schwarzen Turndress und legte einen elegante Radwende auf dem Schwebebalken hin. Ebenfalls sympathisch der Regisseur Jochen Alexander Freydank, der mit seinem Kurzfilm "Spielzeugland" am vergangenen Wochenende den Oscar gewonnen und diesen gleich mitgebracht hatte. "Zweieinhalb Jahre betteln und borgen, fünf Tage drehen", beschrieb der Berliner die Produktionsbedingungen für seinen preisgekrönten Streifen.

Die beste Wette kam von einem Pärchen aus Goch am Niederrhein dem es in voller Fahrt auf dem Hinterrad gelang, den Vorderreifen ihres Motorrades zu wechseln. Dafür wurde eigens eine Landebahn des Düsseldorfer Flughafens zweckentfremdet. Leider dauerte der Nervenkitzel "bei der spannendsten Wette seit langer Zeit" (Gottschalk) nicht mal eine Minute, zum Wettkönig reichte es dennoch. Originell war noch die Dame aus Kleinhabersdorf in Franken, die jeden einzelnen Hund ihrer Husky-Meute, allein an dessen Trink-Geschlabber erkennen konnte. Dank des zwölfjährigen Maximilan aus Feldkirchen, der 30 verschiedene Fußballschuhe durch Reinbeißen auseinanderhalten kann, wissen wir auch noch das: "Die Treter von Puma schmecken am ekligsten von allen."

Küsse unter Kollegen

Im Showprogramm waren mit den Britpop-Veteranen von Oasis ("I'm Outta Time") und der gerade frisch gekürten dreifachen "Brit Award"-Siegerin Duffy ("Rain on Your Parade") echte Schwergewichte. Owen Wilson staunte ungläubig auf das Kleid der walisischen Sängerin, dass tatsächlich noch mal ein Stück kürzer war, als das schon unanständig kurze Faltenröckchen von Jennifer Aniston. Den meisten Jubel des Abends erntete jedoch Hape Kerkeling. Der wirbelte als "Uschi Blum" in Latex-Robe und feuerroter Lockenperücke über die Bühne und krächzte seinen Erotik-Hit "Sklavin der Liebe." Am Ende der Nummer küsste er Gottschalk auf den Mund - und ließ ihn dann stehen. Er müsse schnell weg, angeblich wegen eines Auftritts im Schlagerparadies Dormagen: "Gibt 800 Euro steuerfrei, die nehme ich noch mit." Es war einer der wenigen Momente, in denen in der Halle mal wirklich Stimmung aufkam.

Die lang angekündigte Auto-Verschrottung am Schluss konnte eine ganz schwache "Wetten, dass..?"-Shows auch nicht mehr retten. Nach dem Ford schnappte sich der eigens herbeigekarrte Kran den alten Kadett Kombi eines anderen Zuschauers. Unbarmherzig bohrten sich die Greifzähne in die blaue Metallic-Lackierung und hievten den Wagen in einen großen Müllcontainer. So war eines der letzten Bilder der Sendung ein zerdepperter Opel im Schrott. ZDF-Unterhaltungsabteilung grüßt Rüsselsheim! So kann man dem jungen Glück von Becker und Kerssenberg nur wünschen, dass ihre Ehe ein besser läuft als die Show, in der sie ihre Heirat bekannt gaben. Oder sollte man doch schon mal eine Wette wagen, wie lange die Becker-Ehe diesmal halten wird?


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