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Aaron Troschke gewinnt "Promi Big Brother": Kreisliga triumphiert über den FC Bayern

Der größte Skandal bei "Promi Big Brother - das Experiment"? Mit Aaron Troschke hat der nette Junge von nebenan gewonnen - der sich gegen deutlich berühmtere Mitbewerber durchsetzen konnte.

Von Andrea Zschocher

Der Titelsong von "Promi Big Brother - das Expriment" verspricht "Sex, Drugs and Rock'n'Roll". Bekommen haben die Zuschauer den "boy next door", dessen größtes Vergehen es laut eigener Aussage ist, die nachts auf DVD "Batman" im Dolby Digital Surround Sound zu schauen und damit die Nachbarn zu nerven. Aaron Troschke hat die Promishow gewonnen. "Das toppt sogar Jauch!", freut sich der Berliner Bäcker, der seine spärliche Prominenz einem Auftritt bei "Wer wird Millionär?" verdankt. In seiner anschließenden Dankesrede lobt er die "tollen Menschen" und die "tolle Zeit", die er dort erleben durfte. Was nach über drei Stunden Livesendung bleibt? Eigentlich nur Langeweile.

Fünf der insgesamt zwölf Prominenten haben es ins Finale geschafft. In der letzten Sendung durften die Zuschauer den Gewinner von "Promi Big Brother - das Experiment" bestimmen. Bis dahin war es ein langer Weg, den die Kandidaten auch in getrennten Bereichen der "Big Brother"-Welt gehen mussten. Es gab einen großzügigen Luxusbereich, "oben" genannt, in dem es gutes Essen, gute Betten, Duschen, einen Pool und jede Menge Annehmlichkeiten gab. Und dann war da noch der Keller, "unten", ein einzelner Raum in dem die Bewohner essen, schlafen und duschen mussten. Hier war das Essen rationiert und von Tageslicht keine Spur. Das war dann aber eigentlich auch das gesamte Experiment. Die weniger berühmten Menschen mussten zwei Tage früher in den Keller ziehen und durften, wenn die Bewohner oben es wünschten und die Zuschauer zustimmten, einzelne Kandidaten in den Luxusbereich wählen.

Die Finalisten kamen aus beiden Bereichen, Aaron Troschke und Paul Janke von unten, Ronald Schill, Michael Wendler und Claudia Effenberg von oben. Das Finale bestritten sie im Kellerverlies, in Secondhandklamotten, angestoßen wurde mit Wasser. Nach und nach wurde die Runde kleiner. Erst ging der Wendler, dann Paul Janke, schließlich der als "Richter Gnadenlos" bekannte Ronald Schill.

Die Effenberg sieht sich rehabilitiert

Bei jedem Promi-Rauswurf zog sich das Geplänkel von Moderation, Live-Schalte ins Haus und belanglosen Gesprächen unter den Finalisten länger und länger hin. Hatte Sat.1 da zu viel Zeit für die ereignislose Liveshow eingeplant und musste nun den Sendungsverlauf künstlich strecken? Die Stimme, für die "Big Brother" steht, machte bei jeder Ansage sehr lange Pausen, die verdeutlichen, dass eigentlich schon alles gesagt ist. Teure Sendeminuten wurden mit Schweigen gefüllt.

Einzig Claudia Effenberg gibt keine Ruhe. Sie wurde nicht müde zu betonen, wie sehr sie sich bei "Promi Big Brother" doch geändert hätte. "Ich habe gezeigt, ich bin kein Luxusweib und auch nicht selbstverliebt", sprach sie. Das würde den Sieg für sie also durchaus rechtfertigen, diese Wandlung einer Promidame. Davon mag sie überzeugt sein, aber die Zuschauer sehen in ihr wohl auch weiterhin die selbstverliebte Exfußballergattin, die die roten Teppiche der Nation unsicher macht. Das wird nicht noch mit 100.000 Euro Siegerprämie belohnt.

Mit Aaron Troschke hat ein Teilnehmer gewonnen, der im eigentlichen Sinn gar kein Promi ist. Aber wer ist das schon, in diesem TV-Überwachungsstaat? Er hat sich nicht so in den Vordergrund gedrängt wie seine Mitstreiter. Auch dann nicht, als er gefragt wurde, wieso seine Fans für ihn anrufen sollen. Er kontert geschickt: "Die Zuschauer sollen nicht für mich anrufen, aber sie können es gern tun." Authentisch bleiben weckt eben doch Sympathien.

Aaron Troschke, der Normalo unter den Promis

Alle im "Promi Big Brother"-Haus und auch der Moderator Jochen Schropp betonen in der Sendung immerfort, dass der Gewinner eine große Berliner Schnauze habe, die nicht immer gut ankommt. Daran merkt man auch, dass die meisten Promis zwar in Berlin wohnen, aber nicht dort geboren sind. Denn das, was Troschke da so von sich gibt ist der viel gerühmte Berliner Charme. Vermutlich sind Promis, die oft das immer gleiche PR-Gewäsch von sich geben, es einfach nicht gewohnt, dass mal jemand redet, wie es ihm in den Sinn kommt. Ganz ohne Zensur im Kopf, ganz ohne permanent auf sein Image zu schielen. Oder dieser Troschke ist ein ganz schlauer Fuchs. Dann aber ist diese Masche gut gemacht und er hat das Preisgeld auch verdient.

Verwunderlich ist nur, dass es Troschke überhaupt in diese Sendung geschafft hat. Er gilt als Kultkandidat von "Wer wird Millionär?", wo er vor zwei Jahren mit genau dem heute gezeigten Wortwitz zum Publikumsliebling wurde. 125.000 Euro erspielte er damals. Am heutigen Abend kamen noch einmal 100.00 Euro dazu. Soviel bekommt der Sieger von "Promi Big Brother". Ein stolzes Sümmchen, was Troschke sich in knapp zwei Jahren mit nur zwei Sendungen im TV verdient hat.

Abgründe im Frauenbild - bei Promimännern und -frauen

Allein, es darf die Frage erlaubt sein: Wie prominent sind die Teilnehmer, wenn sie wegen der 100.000 Euro bei dieser Show mitmachen? Bei einigen Kandidaten ist klar, dass sie diese Summe gut gebrauchen könnten. Aber bei Claudia Effenberg möchte man doch hoffen, dass all die Jahre auf Promiveranstaltungen sich ausgezahlt haben und sie auf das Preisgeld nicht angewiesen ist.

Allerdings versucht sie noch vor dem Finale den Gewinn in der Familie zu halten. Ihre Tochter Lucia könne ja in zwei, drei Jahren mal mit Aaron ausgehen. "Er ist lieb und wenn er hier gewinnt ist er auch reich", macht sie Lucia den jungen Mann schmackhaft. So läuft der Hase also, irgendwie auch ein eher antiquiertes Frauenbild. Da passt sie hervorragend zu Ronald Schill. Der muss als Dritter das Haus verlassen und in der Zusammenfassung seiner Highlights schwärmt er davon, dass seine Traumfrau vier Dinge haben sollte, die sich allesamt um Sex drehen. Kaum dem "Big Brother"-Container entkommen schleimt er dann auch Mia Julia, die ihm Süßigkeiten gegen den Hunger anbietet, voll. "Die größte Süßigkeit bist du", balzt er die halb so alte Nacktsängerin an.

Der genügsame Gewinner

Die Siegerprämie und viele tolle Erfahrungen mit neuen Freunden hat nun Aaron Troschke gewonnen, der Mann, der von sich selbst sagt: "Wenn Claudia Effenberg Bayern München ist, dann bin ich ein Kreisliga-B-Verein."

Vermutlich hat er auch wegen solcher Sprüche die anderen elf Promis auf die Plätze verwiesen. Im Gegensatz zu den Kandidaten, die aus der Presse hinlänglich bekannt und eine gewisse Komfortabilität gewöhnt sind, war für ihn die Zeit im Keller kein Problem. Er war am längsten dort, 12 der insgesamt 16 1/2 Tage, die das Experiment dauerte, hat er im kargen Ein-Zimmer-Appartment gelebt. Ohne Tageslicht, ohne jeden Luxus. Dabei hat er, anders als Claudia Effenberg, nie betont, dass ihm irgendetwas fehlt. Troschke machte eine gute Figur. Ein bisschen so wie die Fußballer der Kreisliga, die oft unterschätzt werden, aber genau deswegen auch die meisten Aufstiegschancen haben.