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Absetzung eines TV-Stars Gottschalk gibt kampflos auf


Er soll sofort hinschmeißen, fordert Anke Engelke, aber Thomas Gottschalk will zumindest noch bis Juni weitermachen wie bisher. Eine Bedingung stellt der TV-Veteran allerdings für seinen Abtritt.
Von Katharina Miklis

Im Abgang zeigt sich der Unterschied zwischen Thomas Gottschalk und Harald Schmidt. Jeder geht mit der Niederlage anders um. Als Harald Schmidt vor drei Wochen bei Sat.1 seine Kündigung erhielt, lieferte er am selben Abend eine überragende Show ab und ätzte gegen seinen Arbeitgeber. Thomas Gottschalk dagegen macht weiter wie bisher. Und das bedeutet im Fall von "Gottschalk Live" nichts Gutes.

"Hier bin ich mit meiner kleinen Vorabendshow", aufrecht und mit breiter Brust steht er am Mittwochabend vor seinem Publikum. Kurz vor der Aufzeichnung wurde bekannt, dass "Gottschalk Live" im Juni abgesetzt wird. Als der "letzte König im Ersten" lässt Thomas Gottschalk sich ansagen. Seine Verbitterung ist zwischen den Zeilen zu lesen: Ich wollte doch nur ein bisschen Show machen. Warum ist das hier denn so schwer?

Aber nein, Gottschalk teilt nicht aus. Kein Wort zur Absetzung seiner Show, kein Egotrip in eigener Sache, kein Wort zu seinem Sender, dessen Intendanten in den letzten Tagen nach und nach von seiner Seite gewichen waren. Nur mit sich selbst, da ist er streng, schielt zur Sat.1-Quote vom Dienstagabend: elf Millionen Zuschauer sahen das Champions-League-Spiel Bayern gegen Real Madrid. "Dafür muss ich zwei Wochen senden."

"Ich gehe nur, wenn an diesen Platz eine Frau kommt"

Es folgt das, was viele Zuschauer in den letzten Wochen vom Einschalten abgehalten hat: Belanglose Gespräche mit Studiogästen. Anke Engelke und Gloria von Thurn und Taxis sind da. Der Gastgeber fragt die Frauen zu den Themen Herdprämie und Frauenquote ab - und wirkt gefangen in seinem eigenen Desinteresse. Erst als Engelke moniert, dass die Männer an ihren Posten kleben, gibt der Moderator trocken zu: "Ich gebe meinen demnächst frei. Ich gehe mit gutem Beispiel voran."

Mit gutem Beispiel hat das natürlich nichts zu tun. Die Intendanten der ARD hatten am Mittwochabend beschlossen, dass "Gottschalk Live" diesen Sommer nicht überleben wird. Zu katastrophal waren die Auswirkungen der schlechten Quoten auf das gesamte ARD-Programm. Die ARD zieht die Notbremse und steigt aus dem Vertrag aus. Am 7. Juni ist Schluss.

Engelke setzt nach: "Weißt du was, du solltest den Intendanten zuvorkommen und hinschmeißen!". Doch der Abschied von der Bühne fällt Gottschalk schwer - mag sie auch noch so klein sein: "Jetzt einfach heimgehen? Nein". Und dann wird er doch etwas aufmüpfig: "Ich gehe nur, wenn an diesen Platz eine Frau kommt." Aber natürlich weiß er selbst, dass er das nicht zu entscheiden hat. So wie es auch nicht er war, der aus eigenem Willen einen Schlussstrich unter dieses Katastrophenformat zog.

"Wir machen es uns jetzt gemütlich"

"Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es nicht der schönste Job ist, sich dann da hinzusetzen", sagt Anke Engelke und spielt auf ihr Late-Night-Desaster aus dem Jahr 2004 an, in dem sie den Sendeplatz von Harald Schmidt übernahm und ähnlich wie Gottschalk scheiterte - weil einfach nichts passte. Aber das versteht Gottschalk in gewohnter Planlosigkeit nicht: "Wir machen es uns jetzt gemütlich", sagt er, "ab jetzt machen wir hier Taliban-Fernsehen. Heute noch mit Fliege, morgen komme ich schon ohne Krawatte. Dann geht's aber los".

Dass es losgeht, ist natürlich nur ein leeres Versprechen. Es ist vorbei: Und Thomas Gottschalk scheint gehen zu wollen, wie man es in der ARD von ihm gewohnt war: ohne Getöse, ohne Kampf - und ohne Quote.


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