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Harald Schmidt spottet über Absetzung: Ich bin raus. Ich gehe bei ZDFneo putzen

Was für eine Abrechnung: Harald Schmidt ätzt nach der Kündigung gegen Sat.1 und zeigt, warum die Absetzung der "Harald Schmidt Show" die vermutlich größte Fehlentscheidung des Jahres ist.

Von Katharina Miklis

Das schaffen nicht mal die Bayern: Zwei Finale innerhalb von einem Jahr". Es war klar, dass Harald Schmidt sich keine Spitze verkneifen können würde. Im besten Sinne arrogant und bösartig holte er in seiner ersten Show nach Bekanntgabe seiner Absetzung zum kompletten Rundumschlag aus. Gegen Sat.1, gegen die ARD, gegen die gesamte Branche. "Es ist das zweite Finale für mich, nachdem ich das in der ARD schon gewonnen hatte", giftete er gleich zu Beginn der "Harald Schmidt Show" am Mittwochabend kurz nach dem 2:0-Sieg der Bayern gegen Marseille, und spielte auf seinen Abgang bei der ARD im Sommer 2011 an. "Jetzt am 3. Mai das sogenannte Double. Zwei Senderfinale in einer Spielzeit, das schaffen nur ganz wenige!"

Das war jedoch nur das Warm-up. Es folgte eine Abrechnung mit dem aktuellen Arbeitgeber, der am Dienstag bekanntgegeben hatte, dass es aus Quotengründen ab Mai keine "Harald Schmidt Show" mehr geben wird. "Mit der Champions League ist hier bei Sat.1 im Mai Schluss", stichelte Schmidt gegen den Sender, der die TV-Rechte an das ZDF verloren hatte. "Die Spiele sollen gut gewesen sein, aber die Quoten waren schlecht." So ähnlich hatte Fred Kogel am selben Tag die Absetzung Schmidts kommentiert. Schmidts humorvolle Reaktion untermauerte einmal mehr, warum der Verlust der Marke Schmidt nach der verlorenen Champions League den endgültigen Imageverlust eines Senders perfekt macht, dem nicht mehr zu helfen zu sein scheint. Es ist vermutlich die größte Fehlentscheidung der Senders, der es bereits verfehlt hatte, große Namen wie Kerner und Pocher erfolgreich im Programm zu platzieren und als Sendergesichter zu etablieren. Einen wie Schmidt jedoch, den misst man nicht an Quoten. ProSiebenSat.1-Vorstand Andreas Bartl, der Schmidt zu Sat.1 geholt hatte, wusste das - und hatte an ihm festgehalten. Doch Anfang des Jahres musste Bartl selbst gehen.

Auf Knien um Kündigung gebettelt

Mit Gottschalk und Schmidt scheitern zurzeit zwei Großmeister der Fernsehunterhaltung vor den Augen der Zuschauer. Im Umgang mit den katastrophalen Entwicklungen könnten sie kaum unterschiedlicher umgehen. Während Gottschalk mit seiner Krise und dem drohenden Aus in der ARD reichlich unbeholfen umgeht und verzweifelt wirkt, ist Schmidt schon einen Schritt weiter und legt einen souveränen Abgang hin. "Ich habe mich heute von meinem Sender getrennt", erzählte Harald Schmidt in seiner Show.

"Ich war im Großen und Ganzen zufrieden mit ihm über all die Jahre. Für mich ist er einer der großen unter den deutschen Sendern", spottete Schmidt über den Krisensender. Die Quoten in seinem Umfeld seien allerdings derart mies gewesen, dass er sich das habe nicht länger antun wollen.

Es folgte Schmidts detaillierte Sicht der Dinge: "Um es offen zu sagen: Man hat mich gefeuert." Am Montagabend um 17.41 Uhr soll das Aus der Late Night Show beschlossen worden sein. Er habe vorab einen befreundeten Juristen gefragt, ob er den ganzen Sender rausschmeißen dürfe, witzelte der gefeuerte Moderator. Der hatte ihm jedoch geraten, den Sender zu bitten, ihn rauszuschmeißen. "Ich hab gesagt: Das machen die doch nie! Ich bin seit Ewigkeiten bei diesem Sender, man ist mit mir zufrieden, die Quoten sind okay." Auf Knien habe er um seine Kündigung betteln müssen. "Ich habe noch nie harte Fernsehmanager so heulen sehen."

Ein Sender für arbeitslose Spätpubertierende

In der Tat dürften Sat.1 und Harald Schmidt nicht im Guten auseinander gegangen sein. Das Ende kam plötzlich. Schmidt und Show-Produzent Fred Kogel hätten gerne weiter gemacht. Der Sender wollte jedoch weder die entsprechenden Rahmenbedingungen noch die nötige Zeit gewähren. Dass Schmidt angefressen ist, merkte man an der grandiosen Show, die er am Mittwoch ablieferte. Mit Gift und Galle lief er stilvoll zu Höchstform auf. Nicht verbittert sondern über den Dingen. "Ich möchte frei sein," verhöhnte er seine eigene Situation. Seit gestern sei er wieder dem freien europäischen Arbeitsmarkt für Frührenter zugeführt.

Tatsächlich wird es nun die große Frage sein, wie es mit dem 54-Jährigen weitergeht. Late Night und Harald Schmidt sei endgültig Geschichte, sagte Ex-Sat.1-Chef Roger Schawinski gestern stern.de. Es bleibt die Theaterbühne, oder das "Traumschiff" im ZDF, mit dem Schmidt locker in seinen Karriereabend schippern könnte. "Und komm' mir nicht mit ZDFneo!" ätzte der Gefeuerte gestern seine Zukunft betreffend. "Das ist ein Sender für arbeitslose Spätpubertierende, die den Kapitalismus nicht begriffen haben."

Nicht völlig frei von Häme schlug Schmidt sich auf die Seite seines im Vorabend der ARD scheiternden Kollegen Thomas Gottschalk. Seine schlechten Quoten hatten Schmidt in den vergangenen Wochen immer wieder Steilvorlagen geliefert. Nun will er sich in Solidarität üben - "eine Seltenheit in dieser Branche". "Ich bin raus. Ich gehe bei ZDFneo putzen. Aber mein Freund Thommy kämpft", sagte Schmidt und lästerte weiter über die täglichen Diskussionen um Gottschalks miserablen Quoten. "Das ist ja wie beim D-Day: Alle gucken mit dem Fernrohr, wann der Gottschalk gefeuert wird und dann komme ich zuvor. So war das damals in der Normandie auch, man hat vorne geguckt und von hinten kamen die Amerikaner."

Ich hätte es gemacht. Aber mich fragt ja keiner

Und dann bekommt auch noch der alte Arbeitgeber ARD den Spott Schmidts zu spüren. Bei dem öffentlich-rechtlichen Sender hatte Schmidt von 2004 bis 2011 Late Night gemacht – zwischenzeitlich mit Oliver Pocher als Sidekick. Über die Unart der ARD, jemandem wie Thomas Gottschalk das Kinderformat "Frag doch mal die Maus" anzubieten, lästerte er: "Thommy hat abgesagt. Ich hätte es gemacht. Aber mich fragt ja keiner". Dabei sei er damals im Guten von der ARD weggegangen, spottete Schmidt. "Damals, vor sechs Monaten. Ach, ist das auch schon wieder so lange her?" Um seine brillante Lästertirade abzuschließen, gab er zum Schluss auch noch Günther Jauch und RTL einen mit: "RTL, das ist kein Sender für mich. Wie da mit Menschen umgegangen wird...".

In die Nacht verabschiedete sich Harald Schmidt mit einem Programmhinweis im Anschluss an die "Harald Schmidt Show": "Shark Attac 3" - "zum siebten Mal in dieser Woche". Es ist ein Jammer: Nicht nur Sat.1 wird dieser Biss fehlen.