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Trauer Show-Talent, genialer Gastgeber, unfreiwilliger Schwulen-Pionier – Alfred Biolek ist tot

Alfred Biolek am Set der TV-Show "Bio's Bahnhof". Die Sendung war 1978 sein Durchbruch als Moderator und Produzent.
Alfred Biolek am Set der TV-Show "Bio's Bahnhof". Die Sendung war 1978 sein Durchbruch als Moderator und Produzent.
© United Archives / ZIK Images/ / Picture Alliance
Er war einer der beliebtesten Fernsehmoderatoren der 80er und 90er Jahre: Alfred Biolek ist tot. Der Entertainer starb mit 87 Jahren in seiner Kölner Wohnung.

Der Entertainer Alfred Biolek ist tot. Er starb am Freitagmorgen. Der frühere Fernsehmoderator und Talkmaster sei in seiner Kölner Wohnung friedlich eingeschlafen, sagte sein Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie der Deutschen Presse-Agentur. Der ehemalige Showmaster war seit längerem gesundheitlich angeschlagen gewesen. Er wurde 87 Jahre alt.

Der in Freistadt in der damaligen Tschechoslowakei geborene Biolek wurde als Sudetendeutscher zusammen mit seinen Eltern am Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben und zog nach Stuttgart. Mit 24 Jahren beendete er sein Jurastudium und wurde Justitiar beim ZDF. Dort entdeckte er bald seine Talente vor und hinter der Kamera. Einer seiner großen Förderer war Rudi Carrell, dessen Show "Am laufenden Band" Biolek ab 1974 produzierte. Der Beginn einer steilen Fernsehkarriere.

Biolek wurde durch TV-Shows wie "Kölner Treff", "Bios Bahnhof" und "Boulevard Bio" bekannt. Er produzierte viele seiner Sendungen selbst und förderte neue und junge Talente. Der Entertainer brachte "Monthy Python" nach Deutschland und unterstütze die damals noch junge Anke Engelke. Er machte Stars wie Kate Bush, Herman van Veen oder Helen Schneider durch Auftritte in seinen Shows in Deutschland bekannt.

Seine Sendung "Mensch Meier" erreichte ab 1985 ein Millionenpublikum. Außerdem war er ab 1994 mit "Alfredissimo" der Wegbereiter erfolgreicher Kochshows in Deutschland. Gedreht wurde in seiner eigenen Küche in Köln. Er lud prominente Schauspieler und Sänger, aber auch Politiker wie Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Kochsendung. 2006 verabschiedete sich Biolek aus dem Fernsehen, war aber weiterhin am Theater aktiv.

Alfred Biolek im Fernsehen als schwul geoutet

1991 wurde Biolek von Rosa von Praunheim in der RTL-Sendung "Der heiße Stuhl" als homosexuell geoutet. Im damals noch prüden Deutschland sorgte das Zwangsouting für einen Skandal. "Ich habe einen Schlag bekommen, der sehr weh getan hat, aber irgendwo hat dieser Schlag eine Verspanntheit gelöst, die danach weg war", sagte er danach. Biolek war wütend auf Schwulenaktivist von Praunheim, verzieh ihm aber später. Auch Hape Kerkeling wurde damals geoutet.

Biolek lebte mit seinem Freund Scott Biolek-Ritchie in Köln zusammen, den er adoptiert hatte. Nach einem Sturz 2010 auf einer Wendeltreppe lag Biolek im Koma, war seitdem auf Hilfe angewiesen. Noch im vergangenen Juni hatte Biolek dem stern ein Interview gegeben. "Was ich war? Schwer zu sagen", sagt er im Gespräch. "Gastgeber – trifft es am besten."

mai

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