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TV-Urgestein: Was macht eigentlich ... Alfred Biolek?

Mit seinem Talk "Boulevard Bio" und seiner Kochshow "Alfredissimo" war Alfred Biolek prägend für das deutsche Fernsehen.

Alfred Biolek: Was macht das TV-Urgestein eigentlich heute?

Alfred Biolek, 84, beim Treffen mit dem stern im Restaurant "Acht" in Köln

Herr Biolek, was gibt es heute bei Ihnen zu essen?

Mittags esse ich immer etwas Kaltes. Heute habe ich mir eine Zitronenrolle vom Bäcker geholt. Die reicht mir. Abends gehe ich oft in ein Restaurant oder helfe beim Kochen zu Hause, zusammen mit Freunden oder meinem Adoptivsohn Scott.

Kochen Sie nicht mehr selbst?

Ich schneide die Zwiebeln und rühre mal um. Alles andere ist mir zu anstrengend. Mit 84 Jahren kann ich nicht mehr so lang am Herd stehen, und Kochen ist eine Sache, auf die man sich konzentrieren muss. Mein letztes Gericht habe ich zu meinem 80. Geburtstag zubereitet.

Ihren geliebten Weißwein gönnen Sie sich noch?

Der ist mittlerweile alkoholfrei. Mein Arzt hat mir dazu geraten. Er schmeckt genauso wie der Wein mit Alkohol. Ich besorge die Flasche im Biomarkt und nehme sie mit ins Restaurant. Die Kellner wissen und akzeptieren das.

Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Das Gulasch meiner Mutter mag ich sehr. Das ist auch in meinem Kochbuch "Die Rezepte meines Lebens".

Ist das Ihr kulinarisches Vermächtnis?

Mein letztes Buch ist es auf jeden Fall. Mir fehlt die Kraft, noch etwas zu produzieren. Ich bin einfach zu alt und vielleicht schon bald nicht mehr da.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Wovor soll ich Angst haben? Sterben ist eine wunderbare Sache – dann ist man weg. Doch darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Wenn der Tod kommt, dann ist er da.

Bei einem Treppensturz zogen Sie sich 2010 schwere Schädelverletzungen zu, fielen ins Koma und hatten Erinnerungslücken. Wie haben Sie Ihr Gedächtnis zurückbekommen?

Ich habe viel gelesen, in Büchern, die mit mir zu tun haben. Mein Adoptivsohn hat mir auch aus meiner Autobiografie vorgelesen. So kam die Erinnerung zurück.

Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Ich schlafe länger als früher, bis etwa halb zehn. Danach frühstücke ich ausgiebig. Jeden Tag gibt es eine Tasse Kaffee und ein Brot mit Butter und Marmelade. Mittags lege ich mich noch einmal kurz aufs Ohr. Anschließend schalte ich den Fernseher an, lese die Zeitung oder gehe im Park spazieren – allein mit dem Rollator, oder mein Adoptivsohn stützt mich.

Was sehen Sie sich heute im Fernsehen an?

Ich schaue keine Sendung zu Ende, sondern zappe hin und her. Ab und zu bleibe ich bei den Talkshows hängen, aber ich möchte die heutigen Sendungen nicht mit meinen von damals vergleichen. Ist die Sendung besser, ärgere ich mich, dass ich sie nicht gemacht habe; ist sie schlecht, denke ich mir, das hätte ich besser hinbekommen.

Sie moderierten rund 30 Jahre. Ihr schönster Moment?

Den gibt es nicht. Ich erinnere mich an jeden Auftritt gern. Meine Gäste habe ich alle gleich geschätzt und willkommen geheißen. Ein Journalist bin ich nie gewesen, sondern immer ein Gastgeber.

Sie reisten viel, gingen ins Theater und auf Konzerte. Vermissen Sie das?

Nein, ich akzeptiere, dass ich das nicht mehr kann. Ich habe mich entschieden, in Köln zu bleiben. In die Oper nach Düsseldorf war das Weiteste in letzter Zeit. Ich denke gern an die Zeit zurück, in der ich gereist und ausgegangen bin.

Was wünschen Sie sich noch?

Ich habe im Leben nichts mehr vor. Was ich gemacht habe, hat mich beglückt und genügt mir.

Collage aus einer jungen Frau und einer Ceviche mit Tomate, Zwiebeln, Mozzarella, usw.
Interview: Tobias Ott