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ARD und ZDF: Zu viel Aufwand für zu wenig Programm

Unglaubliche 700 Mitarbeiter haben unsere gebührenfinanzierten Sender zu den Olympischen Spielen geschickt. Die ebenfalls zwangsfinanzierte BBC kommt mit deutlich weniger aus und sendet trotzdem mehr Programm. ARD und ZDF könnten also noch kräftig sparen.

Von Daniel Bouhs

Um es vorweg zu nehmen: Ja, auch unsere gebührenfinanzierten Sender sind auf dem Spartrip. Nicht nur jüngst bei der Fußball-EM in Österreich und der Schweiz, auch in Peking teilen sich ARD und ZDF wieder eine riesige so genannte mobile Produktionseinheit - quasi Bildtechnik, Regie und Satellitenausspielung in einem. Aus China senden die beiden Schwergewichte sogar aus einem gemeinsamen Studio.

650 Mitarbeiter eingeflogen

Trotzdem: Die Öffentlich-Rechtlichen haben gut 700 Mitarbeiter in Peking stationiert. Neben einigen angeheuerten lokalen Kräften, die übersetzen, Reisen organisieren und die Autos der Sender auf Straßen mit chinesischen Verkehrsschildern fahren, sind für die Spiele etwa 650 Mitarbeiter von ARD und ZDF eingeflogen. Ein Mammut-Projekt: Sie alle brauchen Tickets, Hotelzimmer, Verpflegung.

Nun aber kam heraus: Die BBC, das ebenfalls gebührenfinanzierte Pendant von ARD und ZDF in Großbritannien, kommt nach eigenen Angaben mit viel weniger Personal aus. Knapp 650 Leuten aus Deutschland stehen keine 450 aus dem Vereinigten Königreich gegenüber.

BBC sendet das Dreifache

Wirklich beeindruckend wird dieser Vergleich, wenn man folgendes dazustellt: Während ARD und ZDF inklusive vier zu Olympia-Sendern umfunktionierter Digitalkanäle auf 900 olympische Sendestunden kommen, bedienen die Briten satte 2750 Stunden. Das ist etwas mehr als das Dreifache. Und auch wenn die BBC in dieser Zeit auch die wichtigsten Wettkämpfe wiederholt, stellen sie mit weniger Personal noch immer deutlich mehr Programm auf die Beine als die Deutschen.

Dieser Unterschied hat natürlich damit zu tun, dass das Mediensystem hierzulande historisch anders gewachsen ist als anderorts auf der Welt. Während sich ARD und ZDF inzwischen Technik samt Technikern teilen, hat das redaktionelle Konkurrenzgebaren zur Folge, dass beide Sender im International Broadcasting Center (IBC) ihre eigenen Redaktionen aufgebaut haben.

Ein Blick in die Besetzungsliste zeigt: Die ARD hat für 25, das ZDF sogar für 34 Sportarten Fachreporter im Gepäck. Für viele Disziplinen haben die Sender gleich mehrere Reporter benannt. Dazu kommen noch viele Helfer im Hintergrund, die Statistiken raussuchen, Stimmen sammeln und für die Kommentatoren Biografien zurechtlegen.

Weil sich die Sender tageweise abwechseln, müssen sie in Peking gleich mit zwei solcher kompletten Redaktionen aufwarten. So sieht es freilich auch mit den Moderatoren aus. Und genau hier ließe sich eigentlich noch einiges einsparen, wenn ARD und ZDF ihre strikte Trennung der Programme streckenweise einmal aufbrechen würden.

Die damit erzielten Einsparungen wären ein Schritt auf dem richtigen Weg, langfristig Gebühren zu sparen. In Großbritannien etwa, bei der offensichtlich effizienteren BBC, sinken die Gelder der Zuschauer ohnehin längst. Das hatte die dortige Medienregulierung beschlossen, als sie erkannte, dass immer weniger die von ihnen direkt bezahlten Programme einschalten und sich lieber der neuen Medienvielfalt im Internet und auf Digitalkanälen bedienen. Hier wird die GEZ hingegen von 2009 an sehr wahrscheinlich nicht mehr monatlich 17,03 sondern bereits 17,98 Euro abbuchen.

In den Sendern finden sie diese Idee natürlich völlig abwegig. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte stern.de: "Die Zuschauer hätten dadurch nicht besseres Fernsehen sondern weniger vom Guten." Dabei könnten sie für ein gemeinsames ARD/ZDF-Olympia-Programm doch gerade von allen Kommentatoren, Moderatoren und Reportern die Besten zusammenziehen – und so auch die Heimatredaktionen entlasten, die jetzt die Bundesliga mit ausgedünnter Mannschaft abdecken müssen.

ARD und ZDF wollen Autonomie verteidigen

Die Verantwortlichen streiten übrigens gänzlich ab, dass eine inhaltliche Zusammenarbeit noch Sparpotenzial in sich berge. Das ist natürlich nur Strategie. Im Kern wollen ARD und ZDF ihre Autonomie verteidigen, wäre eine Zusammenarbeit bei einem Ereignis doch für Kritiker ein willkommener Anlass um eine Debatte zu starten, ob in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch ein Nebeneinander zweier öffentlich-rechtlicher TV-Vollprogramme gerechtfertigt ist.

So klammern sich die Verantwortlichen an die systeminterne Dauer-Konkurrenz. Der Programmdirektor des in der ARD für Peking 2008 federführenden NDR, Volker Herres, entgegnete einer Anfrage von stern.de zu einer möglichen Zusammenarbeit beider Sender: "Der journalistische Wettstreit zwischen ARD und ZDF ist einer der Stärken des öffentlich-rechtlichen Systems."

Es gibt keinen Wettstreit

Stimmt grundsätzlich, im Fall Olympia aber nur bedingt. Denn einen Wettstreit gäbe es ja nur, wenn beide Sender parallel ausstrahlen würden - von wenigen hintergründigen Themen wie Doping-Recherchen abgesehen. Und genau dafür könnten ARD und ZDF ja für einige wenige gemeinsame Programmwochen die besten Rechercheure zusammenziehen.Und überhaupt: Wurde etwa der BBC mit ihrem singulären System je nachgesagt, nicht journalistisch genug zu sein?

Bemerkenswert ist übrigens auch folgender Vergleich: Während die BBC offen sagt, ihr Olympia-Einsatz koste knapp vier Millionen Euro, mauern ARD und ZDF. Wie viel den Gebührenzahler der Peking-Einsatz denn nun kostet? Die kühle Abfuhr vom NDR: "Zu Kosten geben wir keine Auskunft." Und ZDF-Chefredakteur Brender sagt: "Am Schluss wird abgerechnet."