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"Babylon Berlin" Deutschlands Frontalangriff auf den internationalen Serienmarkt


Mit viel Mut und verdammt viel Geld soll eine deutsche TV-Serie entstehen, die es mit dem internationalen Markt aufnehmen kann: "Babylon Berlin". Vorlage sind die Berlin-Krimis von Volker Kutscher.
Von Sophie Albers Ben Chamo

"Unter 40 Millionen Euro." BÄÄÄM! So viel sollen zwei Staffeln à acht Folgen "Babylon Berlin" kosten, die neue deutsche TV-Serie, die 2017 antritt, den internationalen Serienmarkt aufzumischen. Das sei die obere Kostenklasse, so Produzent Jan Mojto, das sei "internationales Produktionsniveau".

Die Stimmung war gut, und die Erwartungen stiegen sekündlich am Mittwochvormittag, als in Berlin auf einer Pressekonferenz Details über das bisher größte und mutigste TV-Serien-Unternehmen in diesem Lande bekanntgegeben wurden. "Mad Men"? "Breaking Bad"? "Six Feet Under"? Hier kommt Kommissar Gereon Rath, der im März 1929 im Polizeipräsidium Berlin Alexanderplatz seinen Dienst antritt und fortan Verbrecher jagt durch eine brodelnde Stadt. Vorlage sind die erfolgreichen Polizeikrimis von Volker Kutscher

Babylon Berlin: Völlig neue Koproduktion

Um dem hohen Anspruch an sich selbst gerecht zu werden, mischen sich erstmals privat und öffentlich, Kino und Fernsehen: X-Filme, ARD, Sky und Beta Film haben die Finanzierung zusammengeworfen - oder wie Produzent Stefan Arndt es ausdrückt: "fair" geteilt. Es wird in Deutschland auf Deutsch gedreht. Im April geht es los. Es gibt 300 Sprechrollen, und in Potsdam-Babelsberg entsteht gerade ein ganzer Häuserblock aus dem Berlin der Endzwanziger-Jahre. Es sind noch nicht alle Rollen besetzt, aber natürlich die des Kommissars und zwar mit Volker Bruch, bekannt aus "Unsere Mütter, unsere Väter" und "Fack Ju Göthe 2". An seiner Seite wird Liv Lisa Fries ("Und morgen bin ich tot") zu sehen sein. Ausgestrahlt wird zuerst 2017 beim Bezahlsender Sky und dann 2018 im Free TV bei der ARD. 

Für Regie und Buch sind Tom Tykwer ("Lola rennt", "Das Parfum", "Cloud Atlas"), Achim von Borries ("Was nützt die Liebe in Gedanken") und Hendrik Handloegten ("Ein spätes Mädchen") zuständig. Vor zweieinhalb Jahren seien Tykwer und X-Filme-Produzent Stefan Arndt zur ARD gegangen, um für ihre Idee einer großen deutschen Serie zu werben. Und Programmdirektor Volker Herres ließ sich von der "vulkanischen Qualität des Stoffes" überzeugen. Tykwer habe "gesprüht", sagt er. Weil man das "nur opulent machen kann", habe man sich auf die Suche nach Partnern begeben - und sie bei Beta-Film und Sky gefunden. Um neue Wege zu gehen, müsse man eben neue Formen suchen.

Die Stadt zwischen den Weltkriegen

Die Geschichte des Gereon Rath mache die Stadt Berlin in dieser Zeit erlebbar, sagt Tykwer, der immer noch Begeisterung versprüht. "Da rennt ein Straßenbulle über den Alex", denn um die Straße soll es gehen, um die Stimmung in der Stadt zwischen den Weltkriegen. Vor der Herrschaft der Nazis - die zu dieser Zeit gar nicht zu spüren gewesen sei. Nach all den Recherchen sei ihnen klar geworden: Hätte man den Menschen damals gesagt, dass Hitler in dreieinhalb Jahren Kanzler würde, wäre das so gewesen, als würde man heute sagen: In dreieinhalb Jahren ist Frauke Petry Bundeskanzlerin. "Keiner wusste, was kommt." Das sei ein Polizeifilm im Gewand eines Sittengemäldes, fügt Handloegten hinzu. Das sei die Generation, aus der später die Nazis wurden - und ihre Opfer. "Aber wir wollen uns nicht darauf fokussieren, sondern aus den Menschen heraus erzählen." Von diesem Tanz auf dem Vulkan, wie Tykwer später sagt. Denn "was uns so anspringt, ist die Akutheit."

"Babylon Berlin" kommt 2017 zuerst bei Sky ins Fernsehen, 2018 dann in der ARD.


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