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"Bares für Rares": Meisterwerk oder Scheußlichkeit? Dieses russische Gemälde sorgt für Diskussionen

Ein toter Storch sorgt bei "Bares für Rares" für Diskussionen: Moderator Horst Lichter vergleicht das Motiv eines Gemäldes mit einem Unfall. Doch die Geschichte dahinter macht es interessant.

Bares für Rares: Moderator Horst Lichter

Jahrelang musste das Gemälde ein trauriges Dasein in der Ecke fristen: Daniela Wegner und Rolf Jenichen kommen mit einem Bild eines russischen Künstlers zu "Bares für Rares". "Es drückt den Tod aus, es ist sehr negativ und passt nicht zu meiner Lebenseinstellung", sagt die Tochter über das Ölgemälde, das einen toten Storch zeigt. "Oh mein Gott", sagt auch Moderator Horst Lichter, als er die Darstellung erblickt. "Es sieht aus wie ein Unfall." Doch das Gemälde hat einen interessanten historischen Hintergrund.

Gruppenbild mit Storch: "Bares für Rares"-Experte Albert Maier und Moderator Horst Lichter bestaunen das Gemälde von Daniela Wegner und Rolf Jenichen.

Gruppenbild mit Storch: "Bares für Rares"-Experte Albert Maier und Moderator Horst Lichter bestaunen das Gemälde von Daniela Wegner und Rolf Jenichen.

ZDF

"Ich habe das Bild 1984 in der Sowjetunion gekauft", erklärt Jenichen, der jahrelang für das Auswärtige Amt tätig war. Der Künstler sei in Ungnade gefallen, weil er Karikaturen von Breschnew gezeichnet und daraufhin keine Malutensilien mehr erhielt. "Wir haben ihn dann immer aus Finnland mit Sachen versorgt und ihm auch das ein oder andere Bild abgekauft." Doch was ist das Werk heute wert?

"Der Künstler ist Anatoly Pavlovich Belkin", erklärt "Bares für Rares"-Experte Albert Maier, der das Motiv für "wahnsinnig schwierig" hält. Es handle sich um ein Stillleben. "Der Vogel ist schon fast am verwesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Menschen das ins Wohnzimmer hängen." Da der Maler nicht mit der Sowjetführung konform gewesen sei, habe er es sehr schwer gehabt, seine Kunst zu veräußern.

"Bares für Rares"-Experte: "Da muss ich erstmal schlucken"

Die Preisvorstellung von Verkäufer Jenichen sind ziemlich hoch. Er habe im Internet eine Schweizer Galerie gefunden, die Bilder von Belkin zu Preisen bis zu 5500 Euro anbiete. "Ich hätte gerne 3500 Euro dafür", sagt er. Doch Experte Maier widerspricht. "Da muss ich erstmal Luft holen." Der Maler werde zwar hoch angeboten, doch in den vergangen zehn Jahren wurde kein einziges Bild verkauft. Sein Schätzpreis liegt deshalb nur bei 1000 bis 1500 Euro. Jenichen will sein Glück bei den Händlern trotzdem probieren. "Bevor es wieder in der Ecke steht."

Das ist total verrückt", sagt Fabian Kahl über den toten Storch. "Der freie Vogel, der jetzt am Boden liegt", interpretiert Susanne Steiger das Motiv. Kahl startet mit einem Gebot von 500 Euro. Er bleibt zunächst der einzige Bieter, doch Verkäufer Jenichen zögert. "Ich wollte schon möglichst nah an die Expertise rankommen." Kahl bietet noch 1000 Euro, doch der Verkäufer bleibt hart. "Bei 1300 Euro kommen wir zusammen", sagt er. Die bietet Susanne Steiger. Nach dem ersten Schreck findet sie Gefallen an dem Bild. Es entsteht ein Bietergefecht zwischen ihr und Kahl. Bei 1500 Euro erhält er den Zuschlag.

Daniela Wegner ist stolz auf ihren Vater. "Er hat sehr viel Verhandlungsgeschick bewiesen", sagt sie." Beide sind froh, das Gemälde los zu sein.

mai