VG-Wort Pixel

Bastian Pastewka "Manchmal denke ich: Ich bin gerade Teil meiner Sitcom"

Bastian Pastewka
Seit mehr als zwölf Jahren ist Bastian Pastewka Hauptdarsteller der nach ihm benannten Sitcom "Pastewka".
© Britta Pedersen/DPA
Heute startet die letzte Staffel der beliebten Sitcom "Pastewka". 2018 sprach Bastian Pastewka mit dem stern über die Ähnlichkeiten zwischen der Rolle und seiner Person - und brach eine Lanze für deutsche Serien.

Das Interview wurde Anfang 2018 anlässlich des Starts der achten Staffel von "Pastewka" geführt. Am 7. Februar 2020 startet nun die zehnte und letzte Staffel der Sitcom.

Die Serie "Pastewka" beschäftigt Sie seit mehr als 13 Jahren und trägt auch Ihren Namen. Ist sie so etwas wie Ihr Lebenswerk?
Ja, damit haben Sie alles zusammengefasst. Die Serie ist über die Jahre zu meiner kreativen Heimat geworden. Den lustigen Schnack, von dem ich glaube, dass ich ihn in mir trage, kann ich nirgendwo so gut veräußern wie dort. Das ist auch der Grund, warum ich im Comedy-Bereich kaum etwas anderes gemacht habe.

Die Hauptfigur heißt wie Sie Bastian Pastewka. Welche Auswirkung hat das auf Ihr privates Leben?
Die Rolle Bastian Pastewka hat mich über die Jahre von innen infiltriert, und irgendwann bin ich es aus Versehen dann doch geworden. Ich erkenne an mir unglaublich viele Wesenszüge der Rolle. Und wenn ich die Rolle entwickle, leihe ich mir Wesenszüge von mir selber. Beides ist nicht zielführend, denn eine Rolle ist eine Rolle und das Private ist das Private. Aber es gibt Tage in meinem Leben, wo ich morgens aufstehe und es geht so viel schief, dass ich denke: Ich bin gerade Teil meiner Sitcom.

Passiert es Ihnen oft, dass Sie mit Ihrer Rollenfigur verwechselt werden?
Zu allen Zeiten haben die Leute zu mir seltsame Sachen gesagt. Eine Frau sagte mal zu mir: Ach, der Herr Fernseher. In Hamburg nannte man mich Herr Pocher. Am häufigsten werde ich Pilawa genannt - wegen der Namensähnlichkeit. Aber in der Tat ziehen die Leute oft von der Rolle Rückschlüsse auf meine Person. So will von mir mit Sicherheit niemand Beziehungstipps. Aber man fragt mich sehr häufig privat, welche guten Serien es gibt. Freunde nutzen mich als Kummerkasten, nachdem sie einen schlechten "Tatort" gesehen haben.

Vier Jahre sind seit der letzten Staffel vergangen. Wie ging es Ihnen mit der langen Pause - hatten Sie Phantomschmerzen?
Das ist ein guter Begriff - Phantomschmerz trifft es. Für mich war die Serie nach der siebten Staffel nicht beendet. Den Ausschlag haben aber letztlich die Fans gegeben, die unbedingt wollten, dass es weitergeht. Zum Glück sitzen auch bei Amazon Fans: Die haben sich bei uns gemeldet und gefragt, ob noch was kommt. Und so stehen wir demnächst bei Amazon Prime Video zwischen all den anderen tollen Serien.

"Pastewka"
Die siebte Staffel von "Pastewka" liegt mehr als drei Jahre zurück, und der Protagonist inzwischen in der Midlife-Crisis angekommen: Er stellt Beruf und Beziehung infrage - mit katastrophalen Folgen. 
© Brainpool/Frank Dicks

Die neue Staffel von "Pastewka" ist erstmals horizontal erzählt, also mit einem staffelübergreifenden Handlungsbogen. Liegt das daran, dass die Serie für Amazon Video produziert wird?
Wir wollten in der neuen Staffel nach vier Jahren Pause nicht einfach so weitermachen, sondern eine neue Geschichte für unser leicht gealtertes Ensemble erzählen. Als wir angefangen haben, waren wir alle noch so jung. Die Figur Bastian ist mit Anfang 30 in die ganze Geschichte reingeraten. Und jetzt muss er sich den Veränderungen des Lebens und der Fernsehwelt stellen. Das macht die Geschichte spannend für das Jahr 2018.

Die Welt von Pastewka hat sich im Laufe der zurückliegenden vier Jahre stark verändert. Inzwischen hat jeder ein Smartphone, es gibt Streaming-Portale. Wie hat sich diese Entwicklung auf das Drehbuch ausgewirkt?
Das Mobiltelefon wandert mit der Zeit, aber der Klingelton bleibt gleich, genau wie der rote Saab. Grundsätzlich stellen wir uns immer die Frage: Was passt in die Zeit - und was passt zur Figur? Donald Trump kommt bei uns nicht vor. Weil das nichts ist, was die Familie Pastewka betrifft. Diese Familie beschäftigt sich nicht damit, was die Großen da oben tun. Aus diesem Grund haben wir für die neue Staffel das Thema Midlife-Crisis gewählt. Weil ich mit meinem 45 Jahren - und die Figur war immer so alt wie ich - jetzt punktgenau in der Mitte meines Lebens stecke.

Wie beeinflusst die technische Entwicklung und insbesondere soziale Medien Ihr Leben?
Es ist sehr schwer, mit den Fans auf Social Media Kontakt zu halten. Da spielen sich seltsame Ereignisse ab, und es treffen seltsame Meinungen aufeinander. So wurden wir ständig gefragt, wann es denn endlich mit "Pastewka" weitergeht. Die Meldung, dass es eine neue Staffel bei Amazon Prime Video geben wird, löste jedoch ein Gewitter aus: Amazon - das ist doch Elitenfernsehen. Besänftigt waren unsere Fans dann mit der Versicherung, dass das komplette alte Ensemble wieder mit dabei ist. Das heißt: Unsere beinharten Fans haben Angst vor Veränderung.

Haben Sie auch positive Erfahrungen mit sozialen Medien gemacht?
Ja, ich erlebe auch immer wieder Überraschungen. 2016 habe ich fürs ZDF die Serie "Morgen hör ich auf" gedreht. Nach der Ausstrahlung stand sie ein halbes Jahr in der ZDF-Mediathek. Kurz darauf wanderte die Serie zu Amazon. Es ist unglaublich, was dann passierte: Ein großer Teil der Fans rief erst dann begeistert: "Habt ihr schon diese neue Amazon-Serie mit Pastewka gesehen?" Andere schrieben: "Sowas würde bei den Öffentlich-Rechtlichen nie laufen; dafür lohnt es sich, Geld zu zahlen." Dabei gab es die Serie ja lange Zeit kostenlos in der ZDF-Mediathek! Die Moral von der Geschichte lautet: Leute, gebt fein Acht, es tut sich gerade viel bei deutschen Serien.

Die komplette 10. Staffel von "Pastewka" ist ab dem 7. Februar 2020 auf Amazon Video verfügbar.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker