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Stern Logo "Bauer sucht Frau" - Landwirte suchen ihr Liebesglück

TV-Kritik zu "Bauer sucht Frau": Große Liebe im Grisu-T-Shirt

Zum zehnten Mal will RTL liebeshungrige Landwirte verkuppeln. "Bauer sucht Frau" ist mittlerweile fester Bestandteil der Popkultur. Unsere Kritikerin ist auch von der neuen Staffel nicht enttäuscht.

Von Simone Deckner

Da half kein Scheunenfest: Jungbauer Rolf, 27, blieb damenlos. Da fehlten selbst Inka Bause die Worte

Da half kein Scheunenfest: Jungbauer Rolf, 27, blieb damenlos. Da fehlten selbst Inka Bause die Worte

Seit zehn Jahren gibt es "Bauer sucht Frau". War die Nation anfangs noch verstört, haben Inka Bauses Alliterationen mittlerweile einen festen Platz im Fernsehgedächtnis der Nation. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Staffel.

Ist ein neues Kult-Paar in Sicht?

Darauf kann es nur eine Antwort geben: Heike und Rainer. Er: Schäfer, wie der gute Heinrich. Sie: "selbsternannte Krankenschwester", was immer das bedeuten mag. Rainer punktet durch klare Ansagen wie "Ich brauch 'ne Frau mit Führerschein, weil wo I leb, des is a Kaff, da kommste sonst nicht weit."

Heike verfügt nicht nur über eine gültige Fahrerlaubnis, sie ist auch sonst recht pragmatisch unterwegs. Zum Kennenlernen beim Scheunenfest bringt sie direkt eine Flasche Sekt mit, vergisst aber (hoppla!) die Gläser. Die Wahl fällt dem liebestrunkenen Rainer nach dieser subtilen Überzeugungsarbeit nicht mehr schwer. Noch größer aber ist Heikes Auftritt im Dachgeschosszimmer des Zukünftigen: Leider hat sie schon wieder etwas vergessen. "Du, hast Du einen Schlafanzug?", fragt sie und grinst dabei leicht grenzdebil. Rainer wühlt daraufhin umständlich ein Drache-Grisu-Shirt aus seiner Kiefern-Kommode. Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass er ihr nächste Woche einen Heiratsantrag macht: mit Sekt im Kopf und Pinocchio-Shirt am Leib.

Ist Inka Bause immer noch so gut drauf?

Was für eine Frage. Auch in dieser Staffel fungiert die quietschfidele Quasselstrippe wieder als Amors Gehilfin. Die 45-Jährige – selbst übrigens überzeugter Single – überrumpelt die anfangs arg hüftsteifen Bauern mit Wagenküsschen und flockigen Anreden wie: "Hallo, mein Schatz, lernen wir uns endlich mal persönlich kennen." Bause übermittelt zudem womöglich Geheimbotschaften mit ihren Rot-Grün-Kleidungs-Ensembles, aber das ist nur so ein Gefühl. Sie hat sichtlich Spaß daran, die scheuen Bauern zu foppen ("Es geht hier jetzt nicht ums wursten, sondern um die Wurst") und berlinert dabei doller als ein Pankower Bierkutscher.

Was war der Aufreger der ersten Folge?

Es gab viel zu wenig alberne Alliterationen! Also ehrlich, RTL – was sollte das denn, bitte? "Attraktiver Mittelfranke", "schüchterner Hühnerbauer"? Wo sind sie hin, all die "zärtlichen Ziegenwirte", "lebenslustigen Landwirte" und "grenzdebilen Grisu-T-Shirt-Trägerinnen"? Da ist aber noch reichlich frische Landluft nach oben. Schon einmal hatte RTL die Alliterationen zurückgefahren – daraufhin hagelte es Zuschauerproteste. Und womit? Mit Recht.

Außerdem ziemlich daneben: Die Kandidatin, die das Stottern von Per-Mertesacker-Double Rolf (hatte noch nie eine längere Beziehung) erst als "total niedlich" abfeierte, ihm dann aber, nachdem er sie auserkoren hatte, erklärte, sie wolle doch lieber nicht mit auf seinen Hof kommen, "weil es eh nicht klappen würde." Nee, klar. Die zweite Wahl wollte dann aber auch nicht das fünfte Rad am Wagen sein, so dass Rolf sich unter den ebenfalls Verschmähten umgucken musste. Eine Cover-Band spielte dazu "Ein Stern (der deinen Namen trägt)", wobei "Zweimal zweite Wahl" von Bernd Begemann in dieser Situation eindeutig die bessere Wahl gewesen wäre.

Wer stach sonst noch heraus?

Gunther, 29, der Adonis, das Manuel Neuer-Double, noch dazu Hobby-DJ. Was macht der Mann in dieser Sendung? Antwort: Der "attraktive Mittelfranke" hat in seiner Lebenslauf schon ein Kreuzchen bei a) Baum gepflanzt und b) Haus gebaut, gemacht, jetzt fehlt halt nur noch c) die Sache mit der Familie. Die Wahl trifft auf Jenny mit den "großen, blitzenden Augen." Die hatte ihre Konkurrentin zuvor beim Scheunenfest argwöhnisch beäugt, dann aber beruhigt festgestellt: "Gott sei Dank hat sie nicht mehr Oberweite als ich." Gunther wünscht sich eine "Frau mit Feuer", scheint aber der schlagfertigen Jenny bereits jetzt hoffnungslos unterlegen.

Gab es wieder ulkige Situationen?

Derer gab es viele. Biobauer Karlheinz, 62, sagte: "Ich nehme alles mit, was ich kriegen kann." Ausgenommen nur die siegesgewisse Kandidatin, die ihre Chancen mit "50:70" einschätzte. Karlheinz nahm Louise, 63 Jahre, am Dekolleté tätowiert – wie zwei andere Damen der Runde auch. Kurze Nachfrage einer Unwissenden: Kam dieser Trend direkt nach den Arschgeweihen oder noch vor den Unterarm-Tattoos?

Bei einer anderen pocherte das Herz so sehr, "dass das Kleid schon fast a bisserl eng wird." Eine bullige Blondine schwafelte von Sternzeichen ("Was meinste, was ich bin?") und wurde trotzdem gewählt. Die Herren Landwirte verschenkten Lammfelle, Würstel aus Hirsch-Salami und Lampen, die aus Straußeneiern gezimmert wurden. Außerdem stellten sie nicht ganz unwichtige Fragen wie "Bist du solo?" Andere setzen Komplimente noch wie Holzpfähle: "Du hast auch ein schönes Kleid an! Wie ein Papagei."

Highlights der Hofwoche

Kennwort: Matratze. Karlheinz hat für Louise gleich in eine neue Bettstatt investiert. Die Prinzessin auf der Erbse ist sichtlich gerührt. "Erst holt er mich mit der Kutsche ab und nun das." Ganz geheuer scheint ihr die Matratzen-Nummer dennoch nicht zu sein. "Woher wusstest Du denn meinen Härtegrad?" fragt sie ihren Gönner. Später druckst die 63-Jährige Aug' in Aug' mit der Kamera herum: "Auch wir sind in unserem Alter nicht vor körperlicher Liebe gefeit." Herrschaftszeiten, aber mit nem Tattoo auf der Brust rumlaufen, Louise! Derweil knutschen Heike und Rainer schon mit Zunge.

Wieso tun wir uns den Quatsch so gern an?

Fremdschämen alleine kann es nicht sein. Eine These: Die Bauern sind so etwas wie die letzten Einhörner in einer Welt, die nicht mehr an Wunder glaubt. Es sind scheinbar unverdorbene Seelen. Ihr Lebensziel: so klar, so unkompliziert. Männer suchen Frauen, zum kuscheln, heiraten und Familie gründen. Den Begriff Bindungsphobie haben diese Kerle noch nie gehört. Vice versa bei den Frauen. Gesucht wird: ein Prinz, der Haus, Hof und Herz hat. Es ist diese Naivität, die den tendenziell überforderten Weltbürger fasziniert und abschreckt zugleich. Eine Welt, in die das Internet noch nicht vorgedrungen ist – eine seltsame, faszinierende Welt, in der die Helden Grisu-T-Shirts tragen und in der Straußeneierlampen den Weg weisen. Eine Welt, von der man sich vortrefflich unterhalten lassen kann.

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