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Christiansen-Nachfolge: Einer wird gewinnen

Maischberger, Will oder Plasberg? Nach der spektakulären Absage Günther Jauchs sind für die Nachfolge von Sabine Christiansen noch drei Kandidaten im Rennen. Hinter den Kulissen ist das Gerangel zwischen NDR, WDR und ARD in vollem Gang.

Mit seinem Verzicht auf die Nachfolge von Sabine Christiansen am Sonntagabend schockierte Günther Jauch vor drei Wochen weite Kreise in der ARD. Die anschließenden Diskussionen über den Rückzieher des RTL-Vorzeigemoderators machten die innere Zerklüftung der ARD deutlich und zeigten, wie schwer es ist, zwischen den einzelnen Landesrundfunkanstalten eine Übereinstimmung zu erzielen. Nun wird ein Kraftakt zu Wochenbeginn unter Beweis stellen müssen, dass die ARD und ihre verschiedenen Häuser doch an einem Strang ziehen können.

Maischberger, Will oder Plasberg

Zuletzt verständigten sich die Fernsehdirektoren am 16. Januar darauf, drei Konzepte für den Polit-Talk am Sonntagabend um 21.45 Uhr zu entwickeln. Der überzeugendste Vorschlag soll den Intendanten zur Abstimmung am 5. und 6. Februar vorgelegt werden. Nach verschiedenen Darstellungen sind noch drei Namen im Rennen: Dienstagstalkerin Sandra Maischberger (40), die nach ihrer Babypause ab Februar im September wieder bereit stehen könnte, WDR-Moderator Frank Plasberg (49, "Hart, aber fair"), der bereits seinen Hut in den Ring geworfen hat, und "Tagesthemen"-Lady Anne Will (40), die nach Presseberichten sogar als Favoritin gilt.

Der WDR steht hinter seinem Mann Plasberg, will es aber laut Intendant Fritz Pleitgen ("Da rasen keine zwei Züge aufeinander zu.") nicht auf einen Konflikt ankommen lassen. Vorstellbar ist, dass auch der WDR dem Modell Will beipflichtet, aber für Plasberg einen ARD- Sendeplatz einfordert. Will müsste ihren Job bei den "Tagesthemen" quittieren, für die sie bis 2009 unter Vertrag steht. Für diesen Fall kämen zwei Varianten in Frage: Der NDR könnte Wills Vorgängerin Gabi Bauer, derzeit beim "Nachtmagazin" vor der Kamera, reaktivieren. Oder Maischberger würde zu den "Tagesthemen" wechseln, somit den Dienstag- Sendeplatz verlassen und damit vielleicht für Plasberg freimachen.

Ihr Favorit für die Christiansen-Nachfolge?

Es gibt ein Leben nach Jauch

Auch von Machtspielen hinter den Kulissen ist jedoch vor der personellen Entscheidung die Rede, die eigentlich nur einen Sendeplatz betrifft. Der scheidende Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Fritz Pleitgen, ARD-Programmdirektor Günter Struve und der Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Jobst Plog, alle Wegbereiter von Jauchs Verpflichtung, sahen sich zuletzt interner Kritik ausgesetzt. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sprach davon, dass die Welt ohne Jauch nicht untergehe. In verschiedenen Medien wurde spekuliert, dass Struve, bis Ende 2008 noch im Amt, vielleicht vorzeitig seinen Hut nimmt.

Der Machtkampf geht nicht nur um Personen, sondern auch um Sendeplätze. Sollte der NDR nicht seinen Personalvorschlag durchbringen, sondern dann vielleicht doch der WDR, könnte der NDR den von ihm verantworteten Sendeplatz um 21.45 Uhr verlieren und würde im Gegenzug möglicherweise einen unbedeutenderen als Ersatz bekommen. Die Sendung fällt zudem künftig unter die Aufsicht der Chefredakteure und nicht mehr in die Zuständigkeit der Unterhaltung, die gerne auch den Montagabend wieder zurückgewinnen möchte. Doch am Montag hatte die Chefredaktion im Januar gute Erfolge mit den informationsgeprägten Abenden.

Jauch hat seinen Rückzug unter anderem mit zu vielen Gegenstimmen innerhalb der ARD begründet. Außerdem hatte er beklagt, dass er mit dem Wechsel der Zuständigkeiten (Unterhaltung gibt an Chefredaktion ab) zum Spielball der politischen "Farbenlehre" würde, was seinem Verständnis von "innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit" widerspreche. Die ARD-Entscheidung zu Wochenbeginn ist derzeit offen. Fest steht bisher nur: Einen Polit-Talk soll es nach dem festen ARD- Willen auch weiterhin am Sonntagabend um 21.45 Uhr geben.

Carsten Rave/DPA / DPA