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9. Staffel der RTL-Show "Es war nicht nötig": "Das Supertalent" lohnt sich nicht


Die neue Staffel "Das Supertalent" ist auf RTL gestartet. Wenn nicht bald echte Talente kommen, dann wird wohl niemand mehr zuschauen.
Von Andrea Zschocher

Es gibt Sendungen im deutschen Fernsehen, da hat man danach das Gefühl, dass man was gelernt hat, dass man gut unterhalten wurde, dass man Spaß hatte. Es gibt auch die, bei denen man sich vielleicht langweilt, aber der eine oder andere lichte Moment dann doch dafür sorgt, dass man zufrieden die Flimmerkiste ausschaltet. Und dann gibt es "Das Supertalent". Jedenfalls die gestrige Ausgabe auf RTL. Es mag natürlich sein, dass im weiteren Verlauf und mit Hinblick aufs Finale diese Schnarchsendung an Fahrt aufnimmt, dass Menschen mit erstaunlichen, verblüffenden oder auch nur lustigen Talenten gefunden werden, aber bis das soweit ist möchte man rufen: Schaut das nicht!

Leicht zu unterhalten: Inka Bause und Bruce Darnell

Gestern startete das "Supertalent“ in die neunte Runde. Wie immer, seit Staffel eins dabei war Juror Dieter Bohlen. Immer-mal-wieder-Juror Bruce Darnell konnte ebenfalls gewonnen werden. Neu im Team ist Inka Bause. Die "Bauer sucht Frau" Moderatorin macht sich nun also auf die Talentsuche, was sie oder Model und Modelcoach Darnell dazu befähigt, bleibt im Dunkeln. Vielleicht, dass sie sehr einfach zu erheitern sind. Ob schlechte Pantomime, nackte Männer mit Bratpfannen oder fünfjährige Sänger, die Zwei klatschten und lachten und freuten sich, dass das Zugucken schwer fiel. Wer so einfach zu erheitern ist, der vergibt natürlich auch großzügig Tickets für die nächste Runde.

Bohlen gab sich da ungleich zurückhaltender, er ließ lediglich in seiner Begründung erkennen, wenn ihm ein Beitrag gefallen hatte. "Dreimal ja, wunderbar" richtete er den zwei Nackten aus, denen es während ihres Auftritts gelang ihr Gemächt stets mit Bratpfannen zu bedecken. Welches ganz besondere Talent dieser Auftritt beweisen sollte, blieb offen.

Fraglich auch der Auftritt des kleinen Yunis. Der Fünfjährige interpretierte "Papaoutai" von Stromae, ein Song über die Suche eines Sohnes nach seinem Vater. Selbstverständlich kann Yunis in seinem zarten Alter das noch nicht erfassen und sicher war es niedlich mitanzusehen, wie der Fünfjährige das Lied in einer Art Phantasiefranzösisch vortrug, dazu tanzte und sich freute. Vor so vielen Menschen auf einer Bühne zu stehen, erfordert von einem kleinen Knirps unweit mehr Mut als von Erwachsenen. Und vielleicht ist das sein Talent. Aber der Auftritt war nichts anderes als das, was sich täglich in den Kindergärten der Nation abspielt. Kinder singen und tanzen und lachen. Befremdlich wirkte Yunis' Mutter. Ihr Sohn wollte vor seinem Auftritt die Toilette aufsuchen, seine Mutter bat ihn einzuhalten und an etwas anderes zu denken. Das fiel dem Jungen, wie vermutlich auch den meisten Erwachsenen, ziemlich schwer, ein Mitarbeiter erlaubte dann den Toilettengang. Wer aber kam auf die Idee dieses Kind überhaupt in der Show auftreten zu lassen? An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, ob das "Supertalent" so kleine Kinder überhaupt vorstellen sollte oder das nicht besser der Kids-Variante, die vor Jahren bereits einmal lief, überlassen müsste.

Tragische Geschichten, viele persönliche Informationen

"Das Supertalent“ wäre nicht eine Bohlen-Show, wenn nicht auch jede Menge Sängerinnen und Sänger hier antreten würden. Und, das gehört mittlerweile ja zum schlechten Ton der Castingshows, viele der Talente haben eine tragische Geschichte, die sie mit der breiten Öffentlichkeit teilen. Der fünfzehnjährige Alessio, der von Bohlen für seine Sangeskunst direkt ins Finale geschickt wurde, war früher mal 15 Kilogramm schwerer, Carolina verzieh sich lange Zeit den Streit mit ihrem Großvater nicht. So schlimm wie diese Schicksale für den Einzelnen auch sein mögen, von RTL vor die Kamera gezerrt, werden diese schnell austauschbar.

Irritierend auch, dass die Kandidaten sich beim "Supertalent" so vollkommen offenbaren müssen. Da werden Vor- und Zunamen abgefragt, Berufe und Wohnorte. Hoch im Kurs standen bei dieser Ausgabe auch die Arbeitsstätten. Ob nun Ernst, 67 Jahre alt und "Deutschlands ältester Table-Dancer", den Namen seiner Disco verriet, oder Tarkan über seine Ausbildung bei "Aldi Süd" und "nahkauf" erzählte - all diese Angaben dienen den Zuschauern nicht. Weder werden Kandidaten dadurch nahbarer, noch wird es ihnen im Berufsleben helfen. Gleiches gilt für Nina, einer Hotelangestellten, die sich barbusig zur Musik bewegte. Die beherrschende Frage an diesem Abend war: Wieso machen Menschen das?

"Das Supertalent" ohne Talente

Aber es war nicht alles schlecht, zwei Schweden traten mit einer "Schleuderbrett"-Show auf und machten ihre Sache wirklich gut. Auch Tänzer aus der Schweiz, die eine Choreografie am Barren zeigten, waren sehenswert, genauso wie Erwin und seine zwei kalifonischen Seelöwen. Drei gute Auftritte in knapp drei Stunden Show, das ist aber zu wenig, um auch nur ansatzweise dem Titel "Supertalent" gerecht zu werden. "Es war nicht nötig", sagte Bruce Darnell  zum Publikum. Während er damit den Auftritt vom Disco-Opa meinte, passte es leider für die gesamte Show.


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