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Datendebakel bei "Deutschlands Beste!": ZDF-Unterhaltungschef Fuchs geht, der Skandal bleibt

Das ZDF zieht erste Konsequenzen aus den Manipulationen bei der Show "Deutschlands Beste!": Unterhaltungschef Oliver Fuchs ist zurückgetreten. Ganz aufgeklärt ist der Skandal damit noch nicht.

Von Dagmar Gassen

Gäbe es ein Ranking für Deutschlands nervöseste Medienmacher, dürfte die ZDF-Führungsriege in den vergangenen Tagen sämtliche vorderen Plätze eingenommen haben. Auf Platz 1 hätte wahrscheinlich gestanden: Unterhaltungschef Oliver Fuchs. Mit hohem Druck suchte der Mainzer Sender nach Erklärungen für die Datenmanipulationen bei seinem Show-Zweiteiler "Deutschlands Beste!". Nach einem Schuldigen. Oder wenigstens einem Verantwortlichen. Die Produktionsfirma Riverside Entertainment hat nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen von nichts gewusst. Ebenso wenig Programmdirektor Norbert Himmler. Und wie der Sender nun mitteilt, war auch Unterhaltungschef Fuchs nicht in die Vorgänge verwickelt. Trotzdem hat er seinen Rücktritt angeboten, und das ZDF nahm an. Gleichzeitig wurde die für die Sendung zuständige Teamleiterin ihres Postens enthoben und abgemahnt. Auch eine weitere Redakteurin bekam eine Abmahnung.

Damit wären drei verantwortlich gemacht. Aber: Der Fall "Deutschlands Beste!" ist mehr als das Versagen Einzelner. Wie kann es sein, dass eine Redaktion ein im Kern unrealisierbares Konzept für eine neue Show entwickelt, ohne dass irgendjemand im Sender etwas bemerkt? Genau dies ist aber geschehen - lange, bevor von Datenmanipulationen die Rede war. Da machte sich die zuständige ZDF-Redaktion Gedanken über eine Neuauflage von "Unsere Besten" - einer Sendereihe, die von 2003 bis 2008 zu sehen war. Damals hatte das ZDF Hitlisten von bedeutenden Menschen, Orten und Augenblicken präsentiert. Die Jury in allen Fällen: eine nicht repräsentative Heerschar von Deutschen, die via Postkarte, Telefon oder online abgestimmt hatten.

"Das hat keiner gemerkt"

Nun also sollte eine Neuauflage her, und das Konzept sah eine nie dagewesene Art der Datenbeschaffung vor: die repräsentative Umfrage. Allerdings in Kombination mit dem bekannten Online-Abstimmungsmodul und der Möglichkeit, Zeitschriftenleser mitstimmen zu lassen. Repräsentative Umfragedaten plus nicht repräsentative Klicks und Postkarten - wie soll das zusammengehen? "Das hat keiner gemerkt, der es gesehen oder gelesen hat", sagt der ZDF-Sprecher Alexander Stock. Unfassbar in einem Apparat, der Dank Gebührengeldern über reichlich qualifiziertes Personal verfügt.

Ebenso unfassbar: Nachdem die Ergebnisse aus allen drei Quellen eingetroffen waren, galt es, passende Gäste für die Show einzuladen - und die Redaktion hielt sich an kein einziges ihrer drei Rankings. Das ZDF räumt ein: Alle Ergebnisse lagen vor, ehe man die Sendung mit Promis bestückte. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Bestplatzierten der repräsentativen Umfrage ins Studio zu bitten. "Die Redaktion hatte aber offenbar vor, Leute einzuladen, die auf einer niedrigeren Position waren", sagt der ZDF-Sprecher. Und sie glaubte offenbar, dass die nur kämen, wenn sie sehr weit oben stehen. Oder dass es dann besser aussehen würde. Fakt ist: Die Redaktion passte die Datenpräsentation ihrer Promi-Wunschliste an: Beckenbauer nach oben, RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel nach unten - gemessen an den repräsentativen Ergebnissen, die das Forsa-Institut geliefert hatte.

Johannes B. Kerner wusste offenbar von nichts

Von den anderen beiden Datenquellen, der Onlineumfrage und der Leserumfrage der "Hörzu", hatte man sich da schon klammheimlich verabschiedet - und offenbar nicht einmal den Moderator informiert. Noch am Tag der ersten Sendung erklärte Johannes B. Kerner auf die Frage, wie denn die Rankings zustanden gekommen seien, ganz unbedarft in der ZDF-Morgensendung "Volle Kanne": "Die Basis ist eine Forsa-Umfrage, also ein Meinungsforschungs-Institut, das das im Auftrag des ZDF gemacht hat, und dann konnte man online und mit der 'Hörzu' mit voten, und daraus ist eine 50er-Liste geworden."

Wie all das im Detail geschehen, und vor allem, wie es so lange komplett unbemerkt bleiben konnte, muss das ZDF sicher noch weiter untersuchen. Am 25. Juli trifft sich dazu der Programmausschuss des ZDF-Fernsehrats. Er will auch in die Zukunft schauen. Überlegen, wie der Sender aufgestellt sein muss, damit sich so etwas nicht wiederholt. Schon jetzt steht immerhin fest: Bei "Deutschlands Beste!" kann nichts mehr passieren. Die Reihe wird nicht fortgesetzt.