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Tv-Kritik

"Der Bachelor": Gefühle und nochmals Gefühle: Bei der Geister-Schamanin flossen heiße Tränen

Eine Folge voller Emotionen: Bachelor Andrej besucht seine Verehrerinnen zu Hause, knutscht sich die Seele aus dem Leib, bekommt romantische Briefe vorgelesen. Und dann fängt er an, uns ganz ernsthaft zu nerven.

Die Bachelore Finalistinnen

"Es fühlt sich richtig an." "Ich fühle mich wohl bei dir." "Es fühlt sich besonders an." Das sind die Sätze, die in der aktuellen "Bachelor"-Folge am häufigsten Fallen. Ganz viel Gefühl also? "Feelings ohne Ende!", stellt Andrej klar, nachdem er mit seinen verbliebenen Damen im Bus von der Villa am mexikanischen Strand … an den mexikanischen Strand gefahren ist. Also einen anderen Strand. Dort wird gepicknickt und in den Wellen geplanscht. Für die Damen natürlich ein schöner Anlass, Andrej unter und über Wasser näher zu kommen. Nathalia hat dabei besonders viel Erfolg: Sie quiekt ängstlich und darf dann wie eine Dreijährige auf den Schultern des Bachelors hocken.

Nicht alle haben allerdings gute Laune: Vanessa beäugt das Getätschel eifersüchtig und zieht eine säuerliche Schnute. Und Jade zieht sich gleich ganz an den Strand zurück, weil sie berechtigterweise nach wie vor nicht das Gefühl hat, dass Andrej sich irgendwie für sie interessiert.

Der Bachelor

Bachelor Andrej macht mit den Mädels einen Abstecher zur Schamanin

Tiefgründige Zweiergespräche in lauschigen Ecken

Genächtigt wird an diesem Tag in luxuriösen Zelten. "Ich hab noch nie gezeltet", gesteht Vanessa ihrer Mitcamperin Jennifer. Die reagiert genau so erstaunt wie wir. Gibt es wirklich Menschen, die noch NIE in einem Zelt genächtigt haben? Nicht als Kind, im Ferienlager, auf einem Festival? "Ich hab‘ auch noch nie gezeltet", lässt Andrej unsere Gedankenblase platzen, als beim gemeinschaftlichen Abendessen das Thema noch mal aufkommt. Sachen gibt’s!

Zwei Dinge müssen wir anmerken, während das Grüppchen auf dem Campingplatz beisammensitzt: Aus irgendeinem Grund läuft dort ein wirklich sehr süßer Hund herum, der unsere Aufmerksamkeit immer mal wieder vom amourösen Geschehen drumherum ablenkt. Und zweitens: Während alle in den üblichen kurzen Klamöttchen herumlümmeln, hockt Steffi da in einem gemütlichen, grauen Hoodie in Größe riesig. Herrje, ist das ein sympathisches und vernünftiges Mädchen!

Es folgen ein paar tiefgründige Zweiergespräche in einer lauschigen Ecke des Camps. Zuerst mit der verstimmten Vanessa. "Dich bedrückt doch was?", hat Andrej nämlich messerscharf erkannt. Blitzbirne. Die hübsche Blondine erklärt ihm daraufhin, dass sie es nur mittelcool findet, wenn er sich vor ihren Augen von anderen betatschen lässt. Andrej schulterzuckt ein charmantes: "Da kann ich ja nichts für", was großer Blödsinn ist. Natürlich könnte er handgreiflichen Kandidatinnen einfach höflich abwehren – wenn ihn die Nähe denn wirklich störe würde.

Andrej kann prinzipiell für nichts irgendetwas

Vielleicht ahnt Vanessa, dass Andrej die anderen Mädels auch alle nicht unscharf findet. Jedenfalls weint sie und Andrej tröstet sie eher ungelenk. Er tröstet sie vor allem eher deshalb, weil sie weint, nicht weil er sie eifersüchtig gemacht hat. Dann versucht er auch noch, sie zu befummeln. Zum Glück kommt da der niedliche Hund vorbei und überschüttet die weinende Vanessa mit Liebe. So macht man das!

Das nächste Gespräch steht dann mit Jade an. Sie habe sich "komplett unwohl gefühlt. Ganz schlimm", eröffnet sie Andrej kurz und schmerzlos. "Krass", sagt der. Und dann schiebt er die Gründe für Jades Missmut schon wieder auf die äußeren Umstände: Er sei einfach "nie in die Situation gekommen, dass wir viel Zeit füreinander hatten". Andrej, der alte Scherzkeks. Ist ja nicht so, dass er sich die Frauen, die er zu Einzeldates einlud, hätte aussuchen können … Jade hat ihrerseits genug von seinen charmanten Ausflüchten und macht ihm klar, dass sie gehen will. Die beiden sind sehr höflich miteinander und benutzen in den kommenden paar Minuten sehr oft das Wort "schätzen". Als dann doch Tränen fließen, ist es, weil Jade ihre Mitstreiterinnen so vermissen wird. "Wir sind wie eine Familie geworden", schluchzt sie.

Der Bachelor besucht eine mexikanische Schamanin

Nach so viel – Achtung – Gefühl hat Andrej eine tolle Idee für den nächsten Tag. Zusammen mit Eva, Jenni, Steffi, Nathalia und Vanessa besucht er eine Schamanin. Die hat ihre Open-Air-Praxis offenbar vor einem riesigen Kaktus und sieht aus, als ob sie schwanger wäre. Ein "Energy Cleansing" möchte sie bei ihren Besuchern vornehmen. Dringend nötig, würden wir sagen!

Nachdem sie alle mit einem qualmenden Ding bewedelt hat, setzt man sich im Kreis hin und jeder soll seine größten Wünsche in ein Blütenblatt sprechen und es dann anpusten. Eva macht den Anfang und wünscht ihrer Oma nur das Beste. Andrej seiner ganzen Familie. Vanessa wünscht ihren ungeborenen Kindern ein tolles Leben. Nathalia muss schlucken und sagt, dass sie gerade nicht sprechen kann. Und Jenni fängt bitterlich an zu weinen. Sie muss an ihren Vater denken, der gestorben ist. Und obwohl sowohl bei Nathalia als auch bei Jenni die Tränen fließen, eilt der Bachelor sofort zu Jenni und tröstet sie. Kein Wort, kein Schulterklopfer für die arme Konkurrentin. Dabei denkt die vermutlich an ihre Familie in Brasilien, die sich – wir erinnern uns an ihre Erzählungen – jeden Tag in Lebensgefahr befindet.

Die süße Nathalia bekommt keine Rose

Und so gibt’s später für Jenni auch noch eine lange Extra-Umarmung. Eine extra enge Umarmung. Ganz nah an der Grenze zum Genitalienaneinanderpressen. Für die süße Nathalia hingegen gibt es einen Rauswurf, da Andrej nur vier Damen bei den "Homedates" in Deutschland besuchen darf. Wir sind ein bisschen überrascht, ja. Hatten Andrej und Nathalia nicht gerade erst dieses Super-Shoppingdate? Und haben sie im Meer nicht gestern noch engen Körperkontakt gesucht?

Wir müssen gestehen: In dieser Folge wird uns Andrej plötzlich ziemlich unsympathisch. Nathalia ist in einer Position, in der eine Yeliz-Reaktion auf den Rauswurf beinahe berechtigt wäre. Sie wissen schon.

Nach dieser harten Entscheidung düsen alle zurück nach Deutschland. Es ist Zeit für die Homedates! Wir nehmen es vorweg: Die sind genauso nichtssagend wie immer. Und genauso unangenehm auch. Immerhin fängt es mit dem Besuch bei Steffi noch einigermaßen nett an. Deren Mutter ist nämlich wirklich herzig und sieht gar nicht ein, ihre Tochter wie wild anzupreisen. Statt dessen beobachtet sie Andrej ganz genau. Mit am Kaffeetisch sitzt auch Steffis Mitbewohnerin, die irritierendesweise ebenfalls Stephy heißt (sich aber offenbar komplizierter schreibt) und für unseren Geschmack etwas sehr forsch und launig rüberkommt. Andrej ist aber irritierter davon, dass die beiden Steffis offenbar in einem Bett in der – sehr stylisch eingerichteten – WG nächtigen. "Da passt kein Andrej dazwischen", fürchtet er.

Klassiker: Knutschen auf dem Ecksofa

Dann wird es seltsam. Andrej und Steffi hocken auf der omnipräsenten Eck-Couch. Da setzt Andrej auf einmal seinen nachdenklichen Blick auf, seufzt, und schwafelt wirres, pseudo-emotionales Zeug vor sich hin. Steffi versucht, ihn zu deuten, hat aber keine Chance. Ob er nicht glaube, dass es bei den beiden passe, will sie wissen. Andrej druckst herum, sagt dann aber: "Das fühlt sich richtig an bei dir", während sein Blick sagt: Neeeeeee. "Was willst du mir sagen?", fragt Steffi völlig ratlos. Sehr gut, Steffi, solche Typen muss man zu klaren Aussagen drängen! Klappt nur leider nicht wirklich, stattdessen knutschen die beiden einfach. Natürlich.

Als nächstes klingelt Andrej bei Eva, die ja genau wie Steffi in Düsseldorf lebt. Mit dabei sind Evas Mutter und ihr kleiner Bruder. Während die griechische Mama schon die Hochzeit plant und von Enkelkindern träumt ("den Segen habt ihr"), betätscheln die beiden Turteltauben sich unter dem Tischtuch ganz unauffällig die Händchen und gucken sich dabei so auffällig an, dass sie eigentlich auch gleich offen rumknutschen könnten. (Spoiler: Machen sie später noch.)

Während wir noch denken, dass die Wohnung aber erstaunlich normal und gemütlich wirkt und gar nicht so nach Espresso auf der Kö aussieht, erfahren wir: Hier wohnt nur Evas Familie. Sie selbst hat eine eigene Wohnung. Dahin entführt sie nun Andrej und das RTL-Kamerateam – und dort sieht es genauso aus, wie wir es uns vorgestellt haben. Schlimm, schlimm kitschig. Mit einer silbernen Flügelskulptur über dem Bett. Puh. Aber Andrej hat eh nur Augen für Eva. "Ich merke, da tut sich was in mir", philosophiert er. Und ja, wir verkneifen uns hämische Witze über diesen Satz. Die hübsche Griechin versichert dem Bachelor, dass sie für ihn sogar nach Hannover ziehen würde, und dann wird sich gegenseitig abgeleckt.

Jenni hat Andrej einen Brief geschrieben

Bei Jenni trifft Andrej dann nur auf deren beste Freundin Sarah. Vermutlich, weil ihre Mutter nach dem Tod des Vaters so gar keinen Nerv auf solchen Blödsinn wie den "Bachelor" hat. Sarah fragt ihn alsdann nach seinem ersten Eindruck von Jenni. "Aus der ersten Nacht hab ich so wenige Erinnerungen", gesteht er. Und schon wieder machen wir keinen witzigen Witz.

Dann folgt das Sofagekuschel, und Jenni hat noch ein Highlight für uns: Sie hat Andrej einen Brief geschrieben, den sie nun vorlesen möchte. Es ist ziemlich belangloser Kram, aber uns gefiel die Zeile "als wir zwischen den mit Lichterketten befestigten Luftballons saßen". Irgendwie so überraschend technisch. Andrej ist aber völlig begeistert. "Sowas hat auch noch nie jemand für mich gemacht", schwärmt er. Und knutscht deshalb mit Jenni.

Tja, und dann ist nur noch eine Frau übrig. Vanessa wartet aufgeregt mit ihrer attraktiven Mutter und ihrer sehr aufgedrehten Schwester Valerie auf den Bachelor-Besuch. Valerie lacht sehr viel und laut, und oft ohne erkennbaren Grund. "Ist es nicht seltsam, wenn man vor so vielen Mädels steht", will die Schwester später von Andrej wissen. Der wird verlegen. Und noch mehr, als die Frage kommt, ob er schon mit Vanessa geknutscht habe (Nein) oder mit anderen Frauen (Oh ja). Er habe aber das Gefühl, dass das nicht mehr lange dauern werde.

Der Kopf, das Herz und die leidigen Gefühle

Na sowas, da hat er recht. Kaum haben die beiden "Zeit zu zweit, vor allem in einer normalen Umgebung endlich mal", so Andrej (und er denkt dabei vermutlich an Evas vier Wände), kommen sich die beiden ganz nahe. It’s Knutsch-Time, Baby! "Ich hab ein unglaublich gutes Gefühl", kommentiert Andrej das später. "Es fühlt sich schon alles gut und richtig an", sagt Vanessa.

Und damit wären wir durch mit den romantischen Hausbesuchen. Ein bisschen erleichtert sind wir, das müssen wir zugeben. Aber umso gespannter, wen der Bachelor nun nach Hause schicken wird. Darüber grübelt auch Andrej nach, während er in einem Helikopter irgendwo in die Pampa geflogen wird. "Darum lass ich jetzt das Herz entscheiden, da wo’s am meisten für schlägt", beschließt er poetisch. Warum ein Helikopter? Warum irgendeine Einöde im niedersächsischen Flachland? Wir wissen es nicht.

Die letzten drei Rosen vor den Dream-Dates

Am Hubschrauberlandeplatz warten bereits die vier Damen in warmen Mänteln. So richtig fesch sehen sie alle nicht aus. Steffi, sonst so unkompliziert hübsch, hat sich geschminkt wie eine 60-Jährige. Vanessa trägt eine merkwürdige grüne Glanzbluse. "Ich glaube natürlich, dass wir alle Konkurrentinnen sind", vermutet Eva messerscharf, während auf den Bachelor gewartet wird.

Und der verteilt dieses Mal besonders dramatisch die Rosen. Aber nach seinem Rumgestammel bei Steffi auf der Eck-Couch war uns eigentlich schon klar, wer am Ende leer ausgehen wird. Leider, leider ist es Steffi, die wir tatsächlich sehr liebgewonnen haben. Wir hoffen, dass sie jemand Cooleres und Ehrlicheres finden wird. Und ansonsten hat sie ja immer noch ihre Stephy.

Vanessa, die ebenfalls gezittert hatte, ist heilfroh, eine Schnittblume bekommen zu haben: "Die Rose ist ja nur die Bestätigung, dass ich mit meinen Gefühlen recht hatte", strahlt sie. Ach ja, die Gefühle. Mannomann, wie sehr die uns inzwischen auf den Senkel gehen.

Sehen Sie alle Kandidatinnen der diesjährigen Bachelor-Staffel im Video:

Der Bachelor-Kandidatinnen