"Extrem beengt, wahnsinnig laut" - so fühlt es sich im Inneren eines Panzers an. Wer den Film "Der Tiger" schaut, sollte sich darauf einstellen. Denn diese Atmosphäre war dem deutschen Regisseur Dennis Gansel wichtig. Er erzählt in dem Streifen von einer Panzerbesatzung im Zweiten Weltkrieg - aber ist dabei kein typischer Kriegsfilm, sondern ein psychologisches Drama. Seit heute (2. Januar) kann "Der Tiger" bei Prime Video gestreamt werden.
Der Film war im vergangenen Herbst schon in ausgewählten Kinos zu sehen - ungewöhnlich für eine Produktion des Streamingdienstes Amazon. Es war seine erste deutsche Produktion, die es auf die große Leinwand schaffte, bevor sie online zu sehen ist.
Es ist 1943. Acht Monate nach der verheerenden Niederlage in Stalingrad befindet sich die Wehrmacht an der Ostfront auf dem Rückzug. Die Panzerbesatzung fordert vom Leutnant (David Schütter), man müsse sich ebenfalls zurückziehen - doch der reagiert nicht. Er hält einen Zettel in den Händen, schaut auf ein Familienfoto. Die Brücke soll gesprengt werden. Es bleiben fünf Minuten.
Zwischenmenschliches in einer unmenschlichen Situation
"Der Tiger" spielt mit den Grenzen zum Surrealen und gerät zur Auseinandersetzung mit Ängsten und Schuldgefühlen. Es wird erzählt von den Gräueltaten eines Krieges, vom Umgang mit Befehlen und den zwischenmenschlichen Beziehungen, die zwischen den Soldaten in einer unmenschlichen Situation entstehen.
Wenn die Männer eine Sprengfalle entschärfen, sich mit Methamphetamin ("Panzerschokolade") aufputschen und der Roten Armee gegenüberstehen, dann haben manche Szenen etwas von der Faszination fürs Militärische. Doch spätestens ab der Hälfte wendet sich das.
"Only the dead have seen the end of war" - nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. Dieses Zitat des spanisch-amerikanischen Schriftstellers George Santayana (1863-1952) ist dem Film vorangestellt. Dass der Plot ausgerechnet am Dnepr spielt - einem Fluss, der auch durch die Ukraine fließt - gibt dem Film viel Aktualität.
Warum der Regisseur diesen Film machen wollte
Für den Hamburger Regisseur Gansel ist die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ein Lebensthema; die Frage, warum Menschen mitgemacht haben und die komplexe Antwort darauf. Seine Großeltern konfrontierte er als Kind mit ihrer eigenen Geschichte. Und der beste Freund seines Großvaters sei Kommandant eines Tiger-Panzers gewesen, erzählte Gansel zum Kinostart des Films im Herbst 2025.
Als Kind habe er lustige Geschichten erzählt bekommen, wie in Nordafrika Spiegeleier auf dem Panzer gebraten worden seien. An einem Abend aber hätten sich die Männer zum Kegeln getroffen und betrunken. Dann seien andere Geschichten ans Licht gekommen. "Die waren sehr düster."
Es sei nicht nur darum gegangen, was der Krieg mit ihnen gemacht habe, sondern auch, was sie selbst anderen Menschen angetan hätten. "Das hat mich völlig desillusioniert zurückgelassen", sagt Gansel. Und es habe ihn bestärkt, dazu einen Film machen zu wollen.