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"Ich bin ein Star": Barbapapa und Venusfalle

Dschungelcamp, Tag 11: Einen Tag nach Peter Bonds Bye-Bye steht Nico Schwanz am "Fels des Grauens" seinen Mann. Im Camp macht sich derweil einschläfernde Ödnis breit - da können auch Dirk Bachs Verkleidungskunst und Sonja Zietlows offenherziges Dekolleté nur wenig retten.

Von Ingo Scheel

Das lernt man schon im Grundkurs "Dramaturgie": Den Höhepunkt spart man sich für den Schluss auf. Im australischen Dschungel scheint man davon noch nichts gehört zu haben, dort packte man die Klimax gleich an den Anfang. Und das mit Folgen! In ganz Deutschland fielen gegen 22.17 Uhr die Fernbedienungen auf den Fußboden, brachen Biergläser in zittrigen Händen, wurden pyjamabekleidete Kinder vorzeitig ins Bett geschickt. Der Grund: Sonja Zietlow. Oder besser: ihr Outfit. Oder noch besser: das, was einmal ihr Outfit werden sollte.

Als wäre sie soeben dem Werbespot für einen Webcam-Sexanbieter entsprungen, stakste die blondierte Bonnerin über die Brücke, das lilafarbene Oberteil weit aufgerissen, darunter einen knappen Sport-BH. Was war denn da nur los? Wurde sie mit einer Tafel Schokolade von einer verfrühten Springbreak-Orgie irgendwo in der Nähe des Camps weggelockt oder hatte die Kostümfrau von RTL, den frühen Morgenstunden sei es geschuldet, einfach nur nachlässig gearbeitet? Obwohl: Bei Dirk Bach hatte sie doch auch gewohnt gründlich gewerkelt. Der sah aus wie immer: ein Alptraum in Flieder, wie Barbapapa auf LSD nach der Dschungelprüfung.

Was auch immer der Grund gewesen sein mag, dem Zuschauer erging es fortan wie Kevin Spacey in "American Beauty": Dem frühen Höhepunkt des Tages - wir erinnern uns an die zweitberühmteste Duschszene der Filmgeschichte - folgte nur noch Langeweile. Gähnende, nervenzersetzende Langeweile. Lorielle schweigt, Norbert auch. Gundis vermisst den Peter, Giulia liefert sich ein wenig Alibigezicke mit Mausi und Günther hängt in Gedanken dem Schaumbad vom Vortage nach. Zumindest Ingrid bewährt sich an der Seite von Giulia "Ach, ihr seid so oberflächlich" Siegel bei der Schatzsuche und Nico Schwanz eiert ebenfalls nicht lang herum, sondern liefert am "Fels des Grauens" eine solide Dschungelprüfung ab. Gegen Spinnen, Skorpione, Schlangen und Ameisen bringt er es immerhin auf fünf von acht Sternen. Eine respektable Leistung und damit ein Niveau, dass Barbapapa Bach und Venusfalle Zietlow an diesem australischen Morgen nicht einmal annähernd erreichen.

Im Gegenteil: Bringen die beiden Moderatoren-Darsteller ihre ach so bösen Scripts sonst zumindest ansatzweise so, als wäre der quotenkompatible Verbalschlamm auf ihrem eigenen Mist gewachsen, gelingt an Tag 11 nicht einmal mehr das. Die Gags zünden nicht, aus "Norbert" wird mal eben "Robert" und als Bach mit einer der Handpuppen spielt, durchzieht für einen kurzen Moment eine unaussprechliche Traurigkeit sein Gesicht. Was war geschehen? Ein kurzer Moment schmerzhafter Klarsicht? Hier sitze ich, ein kleiner, dicker Typ, beschmiere eine Barbiepuppe mit Schleim und brülle den Namen einer grenzdebilen Sendung in den Dschungel? So kann es nicht weitergehen, liebes RTL-Team. Hier bricht sich Sattheit Bahn, hier schleicht sich Routine ein oder noch schlimmer: Die Moderatoren werden beim Denken erwischt.

Vielleicht sollte man das ehemals dynamische Duo auf einen der angeschlossenen Shopping-Channels strafversetzen. Ein paar Wochen amerikanische Allzweck-Küchengeräte anpreisen und die beiden würden hüpfend vor Freude in den Dschungel zurückkehren. Vielleicht war das ganze aber auch nur ein Zwischentief, ein Innehalten. Das retardierende Moment, bevor die Dinge, und das müssen sie, erst so richtig Fahrt aufnehmen. Das tat am Ende der Sendung lediglich Norbert Schramm, der durfte nämlich nach Hause. Richtig vermissen wird ihn wohl niemand, weder das Camp noch die Zuschauer. Bleibt also die Hoffnung auf Besserung, auf Bewegung, auf das Ende der Langeweile. Dass die auf sieben Insassen dezimierte Busch-Bande ihren Teil dazu beitragen möchte, belegten am Ende ihre Sprechzimmer-Auftritte, die den Titel dieser Show ganz traditionell ad absurdum führten: Ich war ein Star – bitte, bitte lasst mich hier drin!

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