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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 8: Hängebrüste wie traurige Hundeaugen

Der eine kann nichts, die andere ist keine Granate im Bett: Bescheidenheit ist auch im Dschungel eine Zier. Nur Honey propagiert weiter sein hässliches Ego - und Gina Lisa geht ihm voll auf den Leim.

Von Mark Stöhr

Dschungelcamp, Tag 8: Warum die reife Kader Loth auf haarige Affen steht

Selbsteinschätzung ist das Stichwort. Die kann gesund sein oder eben halt nicht. Jens Büchner, unser Bierbauch-Beauftragter auf Mallorca, zum Beispiel macht sich über sich keine übertriebenen Illusionen. Er ist einer von der Sorte voller Einsatz, null Ertrag. Ein Leben so aus dem Leim geraten wie sein Body-Mass-Index. Jens weiß das. Was er kann? "Ich kann nichts."

Der 47-Jährige hat ein Gespür für Grenzen. Wenn er zum Beispiel keinen Bock hat, dann hat er halt "Kniebeschwerden". Es ging um eine Schluck-Prüfung - der übliche Bullshit mit Schweine-Sperma und Kotzfrucht -, und Jens blieb im Basislager. Während sich alle anderen Männer  shotweise den abartigsten Stoff reinkübelten, den man sich vorstellen kann, dass der pürierte Selbstrespekt nur so durch die Gegend spritzte. Das war Jens dann auch nicht recht. Und als die Mädchen ihm zuriefen "Hey Jens, kannst du uns Zöpfe flechten?", war er plötzlich wieder der dicke Junge von früher, das unförmige Neutrum mit dem Sex-Faktor von minus zehn.

Honey schluckt alles - außer Kuh-Urin

Wir mögen Jens. Er ist einer von uns, seit acht Tagen dauerverstopft. Wenn er so auf seiner Pritsche sitzt, und uns seine Hängebrüste wie traurige Hundeaugen angucken, dann sitzt da ein Mensch. Vor ihm keuchen und schwitzen die Körperoptimierer beim Training. Jens schwitzt einfach nur so. Die größte Kontrastfigur zu ihm im Dschungelcamp, sozusagen die Antithese zum teigigen, breitärschigen Menschsein, ist Alexander Keen. Wir hassen Alexander Keen.

"Ich bin froh, dass ich hier so sein kann, wie ich bin", sagte er gestern. Wer baut ihm die Brücke, von der er sich auf der Stelle stürzen kann? Wer pflanzt ihm den Baum, der ihn unter sich begräbt? Ein Heuchler, Blender und Schleimer, an grinsender Fiesheit nicht zu überbieten. In zwei Sekunden vom netten Schwiegersohn zu Martin Shkreli, dem irren Pharma-Investor, das geht bei "Honey" ganz schnell. "Für das Team schlucke ich alles!", posaunte er beim Trinkspiel durch den Dschungel. Alles außer Kuh-Urin, wie sich dann herausstellte. Als das Klopapier mal kurz knapp wurde, verwandelte sich der Bachelor in eine zickige Pussy, die rumkrähte: "Bei Toilettenpapier hört bei mir das Spiel auf!"

Dschungelcamp 2017, Tag 8: Schlucken, Männer, schlucken!
Dschungelcamp 2017

Schock für die Dschungelcamper: Fräulein Menke hat am wenigsten Anrufe bekommen und muss das Lager verlassen. Ihre Mitbewohner reagieren bestürzt. Florian Wess drückt die 56-Jährige fest an seine Brust.

Es passt zur schon tragischen Dimension von Gina-Lisas Treudoofheit, dass sie sein falsches Spiel ganz offenbar nicht durchschaut. Gina-Lisa ist zu jedem nett, der nett zu ihr ist, da reicht schon eine Umarmung oder ein Blendax-Gebiss, das sie angrient, Honeys Kernkompetenz. Die beiden bekamen von der RTL-Regie ein romantisches Diner spendiert, um ihre Paarungswilligkeit anzufeuern. Das läuft im Dschungel nicht anders als im Panda-Gehege. Den Plan durchkreuzte zwar ein schweres Unwetter, im Dschungeltelefon kam es dennoch zu einer denkwürdigen Eloge - von Gina-Lisa auf Horny-Honey. Selten wurden im deutschen Fernsehen größere Abwegigkeiten verbreitet.

Marc wurde "over the Tisch" gezogen

"Du bist ein ganz toller Mensch", so ging es schon mal los. Der erste Witz. Dann folgte eine Kakophonie von Quatsch: "Du bist ehrlich, siehst gut aus, bist intelligent, du hast alles, was man braucht." Wäre Gina-Lisa ein Tretboot, hätte sie nicht mal die Einfahrt in den Panamakanal geschafft, so weit lag sie daneben. Dabei glänzte ihr Gesicht auch noch wie eine Weihnachtskugel. Kann man die Unglückselige nicht zwischendurch wenigstens mal abpudern?
Andere Camper haben da einen viel besseren Riecher für die Realität. Marc Terenzi zum Beispiel, der von seinem Management "over the Tisch" gezogen wurde und "Influenza" anmelden musste. Pleite als Krankheit. Er hat mittlerweile mit der Therapie begonnen. Und natürlich Hanka Rackwitz, unsere Lieblingsverrückte. Sie löste nicht nur das ewige Mysterium auf, wie Sperma schmeckt ("recht neutral, im Abgang wie Rhabarber") - sondern gab auch eine sehr gesunde Selbsteinschätzung ihrer sexuellen Fähigkeiten: "Ich bin keine Granate im Bett, aber ich bin nicht schlecht."

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