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Dschungelcamp 2011, Tag 8: Eine Woche mit der Anti-Heldin

Halbzeit im Dschungelcamp: Nervensäge Sarah ist mit den Nerven runter und scheitert schon wieder furios bei einer Dschungelprüfung. Nach seiner ersten und letzten Woche im Busch muss sich Hochzeitsplaner "Froonck" Matthée dagegen auf eine grundlegende Veränderung einstellen.

Von Björn Erichsen

Die Zuschauer wollten sie noch einmal leiden sehen. Und da steht Sarah Knappik - blass, den Kopf gesenkt, sechsfach nominiert zur Ekel-Prüfung, absoluter Rekord. Sie weint schon, als sie sich dem Parcours aus Behältnissen voller Schleim, Ungeziefer und Fischabfällen nähert. Zu gern würde man an dieser Stelle eine Heldengeschichte schreiben, vom unterschätzten Underdog, der sich überwindet. Von einer Sarah etwa, die sich mutig die Schutzbrille aufsetzt, einmal durchpustet und dann mit beherztem Sprung in den Schleimbottich den Sternen entgegen hechtet. Doch leider ergattert sie selbst nur einen einzigen Stern, kneift beim Kakerlakendrink, und auch noch mal bei den Spinnen und den Ameisen - zum Entsetzen der anderen Camp-Insassen. Am Schluss weint sie dann wieder. Egal, ob man Mitleid mit ihr hat, oder sie nicht ausstehen kann. Sarah taugt nicht zur Heldin, immer nur zum Gegenteil.

Halbzeit im Dschungelcamp, die erste Woche ist vorbei. Und darüber freut sich Sarah ganz besonders, legen von nun an doch die Kandidaten selber fest, wer zur Dschungelprüfung muss und nicht mehr die Zuschauer. Sie ist die große Verliererin der ersten Woche im Camp. Vor allem das Tempo ihrer Demontage beeindruckt, ermöglicht durch eine Kombination aus persönlicher Wahrnehmungsstörung und des unvorteilhaften RTL-Bildschnitts. Vielleicht mal positiv formuliert: Die bis dahin nur eingefleischten Topmodel-Fans bekannte 24-Jährige hat innerhalb kürzester Zeit nationale Bekanntheit erlangt. Doch für wen soll sie eigentlich noch werben, wenn sie wieder draußen ist? Sagrotan? Den örtlichen Kammerjäger?

Wetten auf den Dschungelkönig

Bereits zur Halbzeit der Show lässt sich sagen: Das Camp wird für RTL ein Erfolg, und natürlich hängen die guten Quoten vor allem mit Sarah zusammen. Zwischen sechs und acht Millionen Zuschauer sehen sich die täglichen Zusammenschnitte aus Australien an. Die Sache mit dem "Unterschichtenfernsehen" stimmt auch bei der fünften Staffel nicht: Jeder Dritte mit Abitur schaut die Kakerlaken-Show, jeder vierte Akademiker. Skandale sucht man im Dschungelcamp 2011 vergebens, zum mittäglichen Streitgespräch in der Kantine taugt die Show aber noch immer. Wer nicht einschaltet, hält die Show für "Vollschrott", beteuert "das tue ich mir doch nicht an". Wer dagegen hinschaut, neigt dazu sich zu rechtfertigen, hat dafür aber auch ordentlich was zu lachen, wenn der andere ebenfalls die "schwerste Dschungelprüfung aller Zeiten" miterlebt hat.

Anders als Sarah hatten Indira Weis und Jay Khan eine richtig angenehme Woche im Dschungelcamp. Die halb vergessenen Castingstars zeigen häufiger mal ihre schönen Körper, ein bisschen Kontrastprogramm zum Sarah-Drama, bei der gemeinsamen "Schatzsuche" am Freitag mussten sie sich sogar aneinander ketten. Egal, ob echt oder PR: Beide werden als heiße Kandidaten auf die Dschungelkrone gehandelt. Bei den Buchmachern liegt Jay vorn mit einer Quote von 4.00, dahinter mit 1:6 Indira und Katy Karrenbauer.

Weg mit dem Doppel-O!

Als Gewinner kann sich jetzt schon Rainer Langhans fühlen. Der Camp-Guru schläft und meditiert die meiste Zeit, viel unbequemer als in seiner Einzimmerwohnung daheim in München ist es dem Vernehmen nach auch nicht. Der große Unterschied: Der 70-Jährige hat in den letzten sieben Tagen 25.000 Euro verdient, und hat sich dafür nur ein einziges Mal in einen Kakerlakensarg legen müssen. Dass sich der ewige Hippie dabei aus seinem Körper entfernte, führte nicht zum Vertragsbruch mit RTL und wundert nach dieser ersten Woche mit ihm auch niemanden so richtig. Schon eher, dass der Typ, dem Mick Jagger und Keith Richards einst die Freundin ausspannten, weiß, wer Justin Bieber ist.

"Die Stars werden nicht als die herauskommen, als sie hinein gegangen sind", hatte Moderator Dirk Bach in der ersten Sendung angekündigt. Und das stimmt natürlich, und zwar nicht allein für Anti-Heldin Sarah. Als erster musste sich nun Weddingplaner Frank Matthée verabschieden. "Froonck" aus Olpe im Sauerland, der einst die Hochzeit von Sarah Connor und Marc Terenzi verbrochen hat, fiel im Camp nur durch morgendliche Aqua-Gymnastik und Schlafbrille auf. Seine erste Veränderung nach einer Woche im Dschungelcamp sollte diese hier sein: Schnell weg mit Doppel-O im Vornamen!