HOME

Stern Logo Dschungelcamp

Dschungelcamp 2015 - Aus für Walter: Die Wahrheit war ich

Walter Freiwald muss gehen. Wie schade. Die Zuschauer hatten offenbar die Nase voll von seinem ewigen Querulantentum. Wir sagen: Applaus Applaus, Walter, für deine Art, uns zu entgeistern!

Von Mark Stöhr

Doch kein Dschungelkönig: Walter Freiwald muss sich jetzt einen anderen Job suchen.

Doch kein Dschungelkönig: Walter Freiwald muss sich jetzt einen anderen Job suchen.

Der Präsident nahm die Abwahl an. Gefasst. Ohne äußere Regung. Die Ruhe selbst. Ganz Staatsmann. Ein echter Demokrat. Ein Erster unter Gleichen. Das Volk hatte entschieden. So ist das in der freien Welt. Völlig durchgeknallt. Ein Volk von Volltrotteln. So viel Doofheit auf einem Haufen. Respektlos. Blöd. Einfach nur dumm. Die gehen einem so was von auf die Eier mit ihrem Scheißgetue. Ist das hier das Asi-Land, oder was?

"Die Wahrheit bin ich", schrieb der selbsternannte König zum Abschluss seiner großen Never-Comeback-Tour ins Goldene Buch des Dschungels. Walter war der Weg, die Wahrheit und das Beben. Jetzt ist er nur noch weg. Mit ihm verließ der Troll das Dschungelcamp, der ewige Querulant, der Flitzpiepen-Fitzcarraldo, der zwei Wochen lang seine Vision von einer besseren Walter-Welt in den Urwald gezimmert hatte. Seine Raserei des kleinen Mannes hatte sich am Ende erschöpft. Sie war irgendwann nur noch die immergleiche Shownummer. Jetzt hat der irre Vertreter nach dem Urteil der Zuschauer seine Schuldigkeit getan. Das werden stille letzte Tage.

Tiefsinn heißt bei Aurelio Sodbrennen

Denn zurück bleiben nur Langweiler und Angepasste. Sie sind bessere Strategen als Amok-Walter, aber ohne Dynamit. Die nette Maren etwa, eine patente Person, letztlich jedoch nur ausgerüstet mit dem Spirit einer besseren Sekretärin. Oder Jörn, Mamis Bester. Er ist das blasse Kind, das jeder Schularzt sofort zum Aufpäppeln an die Nordsee schicken würde. Auch Rolfe hat null Zorn und Zunder. Er ist der Typ lustiger Patenonkel, der auf dem Rummel alles mitmacht, auch die "Wilde Maus".

Von diesen Busch-Bürgerlichen sind keine Überraschungen zu erwarten. Der Rest des Personals ist nur komplett hirnverbrannt. Aurelio, dieser Provinz-Rocky, kann das Wort Ironie nicht mal buchstabieren. Er sorgt sich vornehmlich um seinen aufgepumpten Body, dem allmählich die Luft ausgeht. Tiefsinn heißt bei ihm Sodbrennen. Richtig lecker. Das britzelt im Rachen wie saure Limonade. Damit geht man doch gerne hausieren. Vor allem, wenn man weiß, woher's kommt: von zu vielen Tofustangen am Vorabend. Der Typ ist so sexy wie Seitan.

Gestern fuhr ihm Walter wieder wunderbar in die Parade. Aurelio erzählte eine seiner atemberaubend öden Geschichten. Es ging um warmes Bananenbrot, offenbar seine Leibspeise. Walter leise zu Tanja: "Was ist warm und riecht nach Banane? Affenkotze." 1A Walter-Humor, richtig schön 80er. Aurelio hatte nur den letzten Teil verstanden, "Affenkotze", und wandte sich Walter zu: “Was meinst du damit?" Walter: "Bananenbrot." Aurelio: "Willst du mich verarschen?" Walter: "Das war ein Scherz." Aurelio: "Versteh ich nicht." Walter: "Ich habe gerade einen Witz gemacht!“ Aurelio: "Ich verstehe deine Ironie nicht. Sorry, da muss ich noch mal neu studieren." Walter: "Ja, würde ich dir auch raten."

Tanjas "Busenschläue"

Allein für solche Wortgefechte werden wir den alten Griesgram vermissen. Die neue Realität hört sich dagegen so an: "Weißt du, wie ich immer meine Brüste nenne? Bacon, also Speck. Bacon One und Bacon Two." Tanja Tischewitsch ist ganz unten in der Geschmacksskala. Aber sie verfügt über eine gewisse Bauernschläue. Seit gestern muss man vielleicht besser sagen: Busenschläue. Unter dem Vorwand, sie habe "Bacon verloren" – frei übersetzt: die Brüste sind kleiner geworden –, hielt sie ihre Oberweite in die Kameras und ließ sie sich von Rolfe herzen und drücken. Dazu rief sie in ihrem Ghetto-Singsang Unfassbarkeiten wie: "Es soll Bacon regnen!" Oder: "Wenn ich fettig esse, geht das immer voll hier rein!" Also in Bacon One und Bacon Two. Wahnsinn.

Gegen den Bacon von Tanja und die Bravheit und Borniertheit der anderen hatte Walter "Braveheart" Freiwald letzten Endes keine Chance. Er stürzte über seine Unbeherrschheit, die er für Unterhaltung hielt. Aber das Leben geht weiter, auch seins. Für seine Bewerbungsschreiben sollte er sich auf jeden Fall einen Satz von Larissa Marolt borgen, mit dem sie in ihrer Post-Dschungel-Ära eigentlich ganz gut gefahren ist: "Ich bin normalerweise nicht so. Bei seriösen Projekten könnt's mich echt noch buchen."

Themen in diesem Artikel