HOME

Stern Logo Dschungelcamp

TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 3: Fernsehen für Freunde von optischen Experimenten

Was oben reinkommt, muss unten wieder raus: Diese einfache Formel schmeckt nicht jedem im Camp. Vor allem Kader Loth sperrt sich gegen das Thema – und verkackt prompt die nächste Prüfung.

Von Mark Stöhr

Dschungelcamp-Sprüche, Tag 3: Kader Loth: "Ich sitze schon auf meinen Arschknochen"

Es gibt schöne Stühle. Weich und in einem zarten Mittelbraun. Es gibt aber auch ausgesprochen hässliche Stühle. Das zeigt sich schon an ihrem Namen: Blutstuhl, Gärungsstuhl oder Fäulnisstuhl. Der so genannte Reiswasserstuhl verspricht eine gewisse Anmut im Titel. Das Bild einer asiatischen Landschaft mit Wasserfall schiebt sich vor das innere Auge. Die Realität sieht allerdings anders aus. Die medizinische Literatur vergleicht den Reiswasserstuhl in Form und Farbe mit Mehlsuppe. Über den Geruch wollen wir gar nicht reden.

Fräulein Menke begann ihre Karriere bekanntlich als Interpretin von Liedern. Jetzt ist sie Interpretin von Stühlen. Man muss nur genügend Scheiße in seinem Leben erlebt haben, dann wird man das automatisch. Nicht jeder im Camp ist scharf auf die Expertise der 56-Jährigen. Doch das ist ihr Wurst. Und so begann sie in der gestrigen Folge ungefragt, über das weite Feld des schwarzen Kots – in Fachkreisen auch "Teerstuhl" genannt – zu referieren, den man lesen könne wie den Pschyrembel. "Hast du schwarzen Kot", klärte sie ihre Mitcamper auf, die gerade auf ihr Frühstück warteten, "hast du vielleicht innere Blutungen."

Dschungelcamp, Tag 3: Honey, Honey - so geht's richtig
Dschungelcamp 2017

An Tag 3 im Dschungel müssen Honey und Gina-Lisa aus Team Blau gegen Kader und Hanka aus Team Gelb antreten. Ihre Prüfung trägt den Namen "Getier für Vier" und bringt dem Gewinner sechs Sterne ein.

Dschungelcamp, Tag 3: Shit-Boy Florian Wess

Ein stummes Würgen ging durch die Reihen der Outdoor-Fans. Nur Florian Wess behielt die Fassung, seines Zeichens Shit-Boy. Er gestand, dass er einen "Kot-Kalender" führe, was Kader Kot, Verzeihung, Loth, dann doch ein bisschen zu viel wurde. Das könnte unter anderem daran liegen, dass sie die ersten Tage im Dschungelcamp auf ganzer Linie verkackt hat.

Und es wurde nicht besser. Die Ur-Angst, halb fertig beim Friseur zu sitzen, und ein Feuer bricht aus, wird bei ihr von dem Horror getoppt, das Gleiche könnte einem beim Schönheitschirurgen passieren. Mit ihrer durch den Hunger und die Hitze langsam aus dem Leim geratenden Party-Visage stampfte sie zur Dschungelprüfung. Die Laune: bockig bis bocklos. Die Krebse und Ratten, die ihr über den Körper gekippt wurden, ertrug sie noch mit botoxartiger Reglosigkeit. Doch als es an Mehlwürmer, Grillen und Kakerlaken ging, kam plötzlich Bewegung in die Plastikwelt. Mit einer Mischung aus Fluchen und Flehen rief sie nach Erlösung – und brach die Prüfung ab.

Nun ist ja keiner perfekt. Florian, nicht nur ein Kenner von Exkrementen, sondern – genau wie Loth – ein Freund von optischen Experimenten, versuchte, die Gebeutelte aufzubauen. "Was", philosophierte er freihändig, "bringt es, Dschungelkönig zu sein, wenn man eine menschliche Niete ist?" Mit dieser rhetorischen Faustformel holte er wahrscheinlich schon seinen Ex-Lover Helmut Berger aus dem Koma. Kader konterte mit der völlig irren Frage: "Bist du Professor?" Danach machte sie es sich auf ihren Lippen bequem und träumte von Schokolade und einem eigenen Dixi-Klo, das ihr RTL im Vorfeld verweigert hatte.

Dschungelcamp-Sprüche, Tag 3: Kader Loth: "Ich sitze schon auf meinen Arschknochen"


Früher Raubtier, jetzt Sodbrennen

Aber es ist nicht alles Scheiße bei den Pritschen-Promis. Markus Majowski, der, nennen wir ihn mal: Schauspieler, entdeckt gerade eine neue Seite an sich. Früher aufbrausend, jetzt liebevoll. Wie Yogi-Tee charmiert er um seine Camp-Kollegen herum und deeskaliert, wo es keinen Konflikt gibt. In der Vergangenheit, als noch das Raubtier in ihm steckte, habe er oft den "eisigen Geschmack von Blut" im Mund gespürt. Heute ist da nichts mehr – außer Sodbrennen. Auch irgendwie deprimierend.

Ebenfalls eine positive Transformation erlebt Jens Büchner. Mit so einem Namen wurde man in der DDR, wenn's gut lief, Skispringer, er ging zur Stasi. Heute ist er Schlagersänger in der Schinkenstraße. Sein aktueller Song heißt "Hau ab, du bist kein Alkohol". Jens jedenfalls findet, dass seine Wangen bereits deutlich schmaler geworden sind. Er findet das exklusiv. Ansonsten zieht er als TV-erprobter Auswanderer, der sein Scheitern gewissermaßen zum Beruf gemacht hat, ein durchaus realistisches Zwischenfazit: "Das hier ist wirklich krasse Kacke."

Dschungelcamp: Warum Nicole Mieth & Co. vor dem Camp-Einzug nackt posieren