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#ibes - lasst mich wieder rein: Große Gefühle im Pipikaka-Land

Körpersäfte flossen en masse in dieser Show, in der Michael Wendler, Melanie Müller und Gabby Rinne ein ausgesprochen unterhaltsames Trio sexternale abgaben. Doch dann setzte ein Unfall dem lustigen Treiben ein jähes Ende.

Von Jens Wiesner

Große Gefühle im Pipikaka-Land mit (v.l.) Gabriella 'Gabby' de Almeida Rinne, Michael Wendler, Melanie Müller 

Große Gefühle im Pipikaka-Land mit (v.l.) Gabriella 'Gabby' de Almeida Rinne, Michael Wendler, Melanie Müller 

Das Verursacherprinzip treibt manchmal irre Blüten: "Ich bin ein Star, lasst mich wieder rein!" hatte der Wendler nur wenige Stunden nach seinem unrühmlichen Abbruch der achten Dschungelcamp-Staffel gebrüllt - und RTL damit erst auf die unsägliche Idee gebracht, die abgehalfterten Kandidaten von einst eine weitere Runde über die Resteverwertungsrampe zu jagen. Nun ist der Schlagerbarde seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen - und sah doch alles andere als happy aus.

Dass diese IBES-Ausgabe anders verlaufen würde als die bisherigen, war schon im Vorfeld klar. Schließlich hatte sich der Wendler bei den Dreharbeiten im Juli verletzt - und auf diese sensationsträchtigen Aufnahmen wollte der Kölner Sender nicht verzichten. ("Und jetzt kommen die Bilder, die wir am liebsten nicht gesehen hätten.")  In diesem Fall muss man allerdings sagen: Gut so. Denn obwohl mit dem Videomaterial freilich auch Quotengeilheit und Sensationslust befeuert wurden, machte es doch klar, wie knapp die Dschungelcamp-Macher an ihrem ganz persönlichen Samuel-Koch-Moment vorbeigeschrammt sind - und nahm damit den Lästerern den Wind aus den Segeln, die gegen den vermeintlichen PR-Stunt geätzt hatten. Beim Abseilen von einer Hauswand aus 50 Metern Höhe raste der Schlagermann viel zu schnell zurück auf den Boden und zertrümmerte sich beim Aufprall seine rechte Hand.

Michael, was ist bei dir kaputt?

Tatsächlich hatten jener Wendler, der sich am Abend aus seiner Wohnung in Dinslaken zuschalten ließ, und die fleischgewordene große Klappe, die Anfang des Jahres den australischen Dschungel heimsuchte, nur wenig miteinander gemein. Mit verstörender Zurückhaltung, zusammengebissenen Zähnen und sichtbar forciertem Humor berichtete der 43-Jährige von seiner Handverletzung, so dass es selbst Sonja "Der Schwächste fliegt" Zietlow aus dem Konzept brachte. Ihr Versuch, sich ohne Zettelchen in Beckmann'scher Einfühlerei zu üben ("Michael, was ist denn bei dir alles so kaputt?"), erntete unfreiwillige, aber immerhin ehrlich verdiente Lacher.

Apropos Lacher: Die waren in diesem sonst so spaßbefreiten Sommercampaufguß überraschend breit gesät, auch wenn sie durchgehend auf Körpersäfte und -kräfte unterhalb der Gürtellinie zielten. Dabei hatten die Vorzeichen denkbar schlecht gestanden: Weder Larissa Marolt, ihres Zeichens Hotelerbin und Wahnsinns fette Beute i. A., noch Glatzenpeters Winfried, diese Kreuzung aus Wischmop und Saruman, leiden derzeit unter größeren Geld- oder Image-Sorgen, die eine Teilnahme erforderlich machten. Ganz anders sieht es im Leben von Gabby Rinne aus, die mit 26 so viele Exe vor ihren Berufsbezeichnungen gesammelt hat, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt längst als unvermittelbar gilt. Warum die Ernte-23-Stimme für ihr Outfit allerdings den Raben Siebenstein schlachten und sich an die Brust pinnen musste, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Eine Herausforderung für die Zuschaueraugen bot dann auch der Dschungeldress der einstigen Königin Melanie Müller, bei dem man nicht wusste, ob sie sich jetzt für die nächste Chiquita-Reklame bewerben wollte, oder doch um den Wiedereinzug.

Ein Hauch von Dschungel-Spirit

Sei's drum - dem ungleichen Trio gelang, was nur wenige Wiedereinzugskandidaten zuvor schafften: Sie holten einen Hauch von Dschungel-Spirit zurück nach Kölle. Überraschende Allianzen, Gespräche über Samenraub, Fäkaliengröße und  eingenässte Hosenbeine - kein Thema, das sich mit Körperfunktionen unterhalb der Gürtellinie beschäftigte, wurde in dieser Nacht ausgelassen. Und für potentielle Dschungelcamp-2016-Kandidaten setzte es noch eine Info, die sich im nächsten Jahr als überlebenswichtig erweisen könnte: Wer will, dass der Wendler einfach mal die Klappe hält, muss einfach nur mit ihm schlafen. Denn Reden beim Sex, so steckte der Schlagerschrulli seinen verdutzt dreinblickenden Kolleginnen, komme für ihn so gar nicht in die (Lümmel-)Tüte. 

Angesichts dieses sexuellen knowledge gaps überrascht es dann doch, dass ausgerechnet der prüde Prolet und die Sennerin von Oschatz die Nacht kuschelnd miteinander verbrachten. Aber manchmal braucht es halt nur die richtigen Reize, um aufeinander anzuspringen. Und im Falle von Wendler und Müller waren immerhin die menschlichen Ausscheidungen einer ganzen deutschen Großstadt vonnöten, um sich gegenseitig in Wallung zu bringen. Mit der Kanalisation hatte RTL nach zahlreichen Fails dann auch endlich eine Location gefunden, die dem Überlebenskampf im Großstadtdschungel würdig erschien. Ein stinkendes, brechreizendes Loch, leider ohne mutierte Schildkröten und Pizza, dafür malerisch an einem Fluss aus Fäkalien gelegen. Wahrscheinlich waren die location scouts einfach dem Niveau hinterhergejagt und hatten inmitten des Grenouille'schen Alptraums ein kleines Schlafcamp errichtet. Der Wendler fühlte sich jedenfalls gleich zuhause, genoss die Aussicht ("Wer macht denn solche Würste? Da platzt doch der Hintern!"), gab unverhofft den Medienkritiker ("Das is' wie Fernsehen, guck doch!") und reckte sich weit über die stinkende Kloake, als es galt, Quietscheentchen aus der braunen Soße zu angeln.

Ja, der Wendler hat sich seinen Einzug ins Finale wirklich verdient - jenseits allen Mitleids für seinen Unfall. Ob seine Fans ihm mit dieser Wahl einen Gefallen getan haben, steht freilich auf einem anderen Blatt. Mit einem verkniffenen Lächeln auf den Lippen bedankte sich der Schlagerist zwar artig bei den Anrufern. Doch seine Augen verrieten, dass er wohl lieber einen Schlussstrich unter die Sache Dschungelcamp gezogen hätte. Man kann es ihm nicht verdenken.