E-Mail von Till Komasaufen und Phrasendrescher


In der Diskussion über ein Alkoholverbot für Jugendliche regiert billiger Populismus. Es wäre doch sinnvoller, die Jugend über den vernünftigen Umgang mit Alkohol aufzuklären. Und was ist eigentlich mit den Promis, die Werbung für Bier machen?
Von Till Hoheneder

Leute, mal ganz ehrlich! Unsere Politiker sind doch demagogische Phrasendrescher. Da trinken ein paar Jugendliche mal einen über den Durst, fallen angeblich ins Koma und schon schreien Politiker aus der dritten Reihe mit ADS-Syndrom nach einem Alkoholverbot für Jugendliche. Billiger Populismus, der wichtige Steuereinnahmen gefährdet. Sinnvoller wäre doch die Aufklärung über vernünftigen Umgang mit Alkohol!

Äußerungen wie einst die von Joschka Fischer, der den deutschen Bundestag eine "unglaubliche Alkoholikerversammlung" nannte, sind doch Wasser auf den Mühlen militanter Alkoholgegner! Wenn Michel Friedmann sich zum Relaxen im Interconti gerne mal Schampus, Koks und 'ne Tüte Nutten bestellt, warum lässt er da den Alkohol nicht einfach weg? So wird nur ein leckeres Getränk illegalisiert, in die Schmuddelecke gestellt und am Ende stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Nee, also mit Politikern ist in Sachen Vernunft und Alkohol kein Staat zu machen.

Ganz wichtig sind Promis, die der Jugend einen normalen, gesunden Umgang mit Alkohol vorleben. Toll, dass Sportler und Lichtgestalten wie Franz Beckenbauer und Boris Becker Werbung für Bier machen, denn Bier ist ja eh kein Alkohol, sondern flüssiges Brot! Super, dass die Alkohollobbyisten in diesem Land noch vernünftig aufklären. So bleiben uns hysterische, überflüssige Panikmacher-Banderolen auf Bier- und Weinflaschen à la "Alkohol kann Gehirnzellen zerstören! Alkoholiker sterben besoffener!" erspart. Da ist es umso erfreulicher, dass prominente TV-Stars wie Alfred Biolek schon nachmittags beim Kochen mit Genuss trinken!

Warum regt man sich also auf über ein paar Jugendliche, die sich mal mit "Binge-Drinking" ein bisschen vom anstrengenden Alltag erholen wollen? Binge-Drinking, was soll denn überhaupt so ein albernes Modewort? In Westfalen heißt das "Schützenfest", der Kölner nennt es "Karneval", und der Bayer sagt einfach "Trinken".

Die richtige Frage muss doch lauten: Wie kriegen wir unsere Jugend wieder ein bisschen trinkfester? Natürlich sind solche Frühabstiller wie Robbie Williams oder Britney Spears da ganz schlechte Vorbilder. Jugendliche müssen lernen, dass Otto Normalverbraucher keine Zeit und Geld für so'n Firlefanz wie Entzug und Reha hat. Deswegen sollten die Erzieher schon im Kindergarten unsere Kinder spielerisch auf einen lockeren, stressfreien Umgang mit Alkohol vorbereiten. Lieder wie "wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen" sind da eine wertvolle psychologische Stütze.

Das wichtigste zum Schluss: Die Grundausbildung bei der Bundeswehr muss wieder auf fünfzehn Monate hoch gesetzt werden. Gerade beim Bund haben sich viele junge Menschen wertvolle Saufgrundlagen angeeignet, die der heutigen Jugend bitter fehlen. Den Kriegsdienst verweigert haben doch sowieso nur die Spackos, die das Saufen nicht vertragen haben. Also, Herr Verteidigungsminister, besprechen sie das doch mal bitte bei ein paar gepflegten Bierchen mit den Kollegen.

Bis die Tage!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker