E-Mail von Till Schimmi, "Du Arrrrrrrrsch"!


Götz George wird 70. Grund genug für Till Hoheneder, endlich einmal über seine ganz persönliche Beziehung zu dessen bekanntester Rolle Kommissar Schimanski zu sprechen. Sowie über die Fehler der restlichen "Tatort"-Folgen.

Leute, mal ganz ehrlich! Die 80er Jahre waren für mich ein Grauen! Überall hörte man nur Plastikmusik mit Synthies von erbärmlichen, geschminkten Kreaturen wie Adam & The Ants oder Visage. Popperscheitel, Karottenjeans, Lederkrawatte und Aktenköfferchen: So kamen 98 Prozent meiner männlichen Mitschüler zum Unterricht in die Oberstufe. Die restlichen zwei Prozent habe ich in meiner Jahrgangsstufe ganz alleine gestemmt: lange, aber jeden Tag frisch gewaschene Haare, selbst gemachtes Rolling-Stones-Shirt, geflickte Röhrenjeans, völlig verlatschte Cowboystiefel und als Krönung - eine sensationell scharfe Schimanski-Jacke!

Götz George als Horst Schimanski: Das war einfach der Hammer! Rebellion! Wer es nicht glaubt, verdrängt hat oder damals noch nicht geboren war, dem rufe ich noch mal Georges ersten TV-Auftritt als Schimmi ins Gedächtnis: Am heiligen Sonntagabend macht Familie Spießer die Glotze an und statt der betulichen Kommissare à la Haferkamp und Bienzle säuft, prügelt und flucht sich ein Bulle namens Horst Schimanski durch Duisburg. Einer, der rohe Eier trinkt, Currywurst mampft und permanent "Scheiße" brüllt.

Wir Jugendlichen fanden es nur cool, viele Eltern, Großeltern, Lehrer und natürlich die "Bild"-Zeitung waren nur entsetzt: "Prügel-Kommissar" mit primitiver Fäkal- und Umgangssprache, schlechtes Vorbild und "asoziales Vulgär-TV" waren noch die harmloseren Vorwürfe. Es konnte ja keiner ahnen, dass es nur zehn Jahre später dank Privatfernsehen und Nachmittagstalkshows noch viel schlimmer kommen sollte.

Und seien wir mal ehrlich - auch die "Tatort"-Kommissare sind seit Schimmis Abgang nicht besser geworden! Simone Thomalla als Leipzig-Ermittlerin mit billigen Frenchnails karikiert vielleicht in ihrer Aufmachung eine ostdeutsche Kommissarin beziehungsweise das, was sie sich darunter vorstellt. Aber in Wahrheit passt sie so zurechtgemacht eher in Schalke "anne Bude" (an einen Kiosk), um für ihren Lachnummer-Macho Rudi Assauer das Bier zu holen!

Natürlich war auch bei Schimmi nicht immer alles toll: Vieles ersoff auch später - und besonders in den Kinofilmen - in Ruhrpott-Klischees und scheiterte manchmal grandios an der Selbstverliebtheit Georges.

Und eines hat mich schon von Anfang an immer ganz gewaltig gestört: Wenn Schimmi laut "Du Arrrrrrsch" brüllte. Mit ordentlich gesprochenem "Theater-R". Das war natürlich total daneben, denn jeder, der aus dem Revier kommt, weiß, dass das "R" in "Arsch" auf keinen Fall ausgesprochen wird. Also, Herr George alias Horst Schimanski: Vielen Dank für die Jacke und die Rebellion... und alles Gute zum 70. Geburtstag, "Du Aaasch"!

Bis die Tage!


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