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Echo-Verleihung: Lindenberg, Rammstein und Rosenstolz räumen ab

Ein Altmeister hängt den Nachwuchs ab. Ein Schockrocker freut sich über Rammstein. Und auf der Bühne züngelten die Moderatorinnen – die Echoverleihung in Berlin hatte so ihre Momente.

Altmeister Udo Lindenberg und die deutsche Metal-Band Rammstein sind bei der Echo-Verleihung mit gleich zwei Preisen ausgezeichnet worden. Lindenberg wurde am Donnerstagabend in Berlin sowohl als bester Künstler Rock/Pop National als auch für die DVD-Produktion "MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic" geehrt. "Der totale Hammer", lautete sein Kommentar. Danach musste sich Lindenberg beeilen, weil er in Berlin auch noch ein Konzert seiner "Ich mach' mein Ding-Tour" geben wollte.

Rammstein wurde zum erfolgreichsten nationalen Act im Ausland und als beste Alternative-Band gekürt. Die Trophäe gab es von Schockrocker Marilyn Manson, der sich als "Rrrrammstein"-Fan zeigte.

Beste nationale Rock/Pop-Gruppe wurde das Duo Rosenstolz, das nicht zur Show kam. Die Rapper Sido und Bushido, die in "So mache ich es" ihr Gangster-Image pflegen, durften sich den Echo für das beste Video abholen. Die Band Jupiter Jones erhielt den von Hörern gewählten Radio-Echo für den Hit "Still".

Hingucker: Katy Perry und Rammstein

Der Echo-Preis gilt als das Klassentreffen der Musikbranche. Lana Del Rey sang ihren Hit "Video Games", später rockten die Toten Hosen die Bühne. Katy Perry kam in einer Kreuzung aus Glitzer-Robe und Gymnastikanzug.

Schmusesänger Barry Manilow ehrte Schlagerstar Helene Fischer. Die Holländerin Caro Emerald ("A Night Like This") wurde beste Newcomerin international, wobei sie sich unter anderem gegen Del Rey durchsetzte.

Rapper Casper ("XOXO") war mit vier Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen. Mehrfach Chancen hatten auch Newcomer Tim Bendzko, die Band Frida Gold, Gotye und Herbert Grönemeyer. Mit dem Echo werden die erfolgreichsten nationalen und internationalen Künstler geehrt.

Ein Preisträger stand schon vorher fest: Auf BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (60) wartete die Trophäe für sein Lebenswerk. Für ihn war es der erste große öffentliche Auftritt nach seinem Schlaganfall Anfang November. Vorab zeigte sich Niedecken gut aufgelegt. Seine Devise: "Ich lass' mal das weg, wo ich kein' Bock drauf hab."

Küsschen, Küsschen

Eröffnet wurde die Show von einem krachenden Medley deutscher Hits. "Was für ein schöner Donnerstag", jubelte Moderatorin Barbara Schöneberger, eine Anspielung auf einen Satz des frisch gewählten Bundespräsidenten Joachim Gauck. Die Promi-Dichte war hoch. "Würden wir nicht moderieren, wir würden gucken", flötete Schöneberger mit ihrer Kollegin Ina Müller. Die NDR-Moderatorin bekam auch einen Echo, der aber in Schönebergers Handtasche festklemmte. Die beiden Fernseh-Frauen demonstrierten ihre gegenseitige Wertschätzung auf besondere Weise – in Form einen bühnenreifen Filmkusses.

Im vergangenen Jahr hatte die Show im Schnitt 3,51 Millionen TV-Zuschauer. Der Echo wird seit 1992 verliehen und versteht sich als deutsche Antwort auf die Grammys und die Brit Awards. Bei der Preisvergabe spielen die Verkaufszahlen eine zentrale Rolle, außerdem gibt es eine Jury.

Am Vorabend wurden bei einem Benefiz-Dinner bereits die erste Trophäen verliehen: Der Graf, Sänger der Band Unheilig, bekam einen Ehren-Echo für sein soziales Engagement. Den Kritikerpreis erhielt das Elektro-Duo Modeselektor mit seinem Album "Monkeytown".

kng/DPA / DPA