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Doku "Pandemie der Unbehandelten" Hirschhausen beklagt fehlende Unterstützung für Long-Covid-Patienten: "Das darf nicht sein"

Eckart von Hirschhausen und Karl Lauterbach
Eckart von Hirschhausen trifft in seiner Doku "Die Pandemie der Unbehandelten" auch auf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
© WDR/Bilderfest
Mediziner und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen gibt in seinem neuen Film "Die Pandemie der Unbehandelten" Einblicke in das Leiden von Long-Covid-Betroffenen. Im Talk von Sandra Maischberger übte er deswegen auch scharfe Kritik am Paul-Ehrlich-Institut.
Von Arian Yazdani Kohneschahry

Über die Pandemie wird derzeit kaum noch gesprochen. Auch bei "Maischberger. Die Woche" war das Coronavirus am Mittwoch nicht mehr als ein Randthema. Doch diesmal ging es nicht um die mögliche nächste Corona-Welle oder den Konflikt von Bund und Ländern um strengere Maßnahmen im Herbst. Moderator und Arzt Eckart von Hirschhausen lag es besonders am Herzen über das Schicksal jener Personen zu sprechen, die seit Beginn der Pandemie zu kurz gekommen sind: Long-Covid-Patienten.

Eckart von Hirschhausen bei "Maischberger. Die Woche"

"Es gibt Menschen, die nach einer Infektion einfach nicht mehr gesund werden", sagte Hirschhausen dort. Typische Symptome seien eine "unfassbare Erschöpfung, die es so in der Art kaum gibt" und Störungen des Nervensystems, die dazu führen, dass Betroffene nicht mal mehr gerade stehen könnten, ohne dass das Herz-Kreislauf-System verrückt spiele. Bei diesen Menschen führt die Infektion dazu, dass das eigene Immunsystem den Körper bekämpft, erklärte der Mediziner.

Eckart von Hirschhausen hatte bereits einen ersten Film gedreht, der Einblicke in das Leiden dieser Menschen gibt. "Der erste Film hatte so unfassbar viele Reaktionen hervorgerufen – gerade aus den Familien der Betroffenen, dass dieser zweite Film notwendig wurde." Auch für seinen zweiten Film "Die Pandemie der Unbehandelten" traf er Betroffene. "Diese Menschen haben mir ihre Tür und ihr Herz geöffnet, um zu sagen 'Warum seht ihr uns nicht? Warum findet die Pandemie nicht mehr statt?'", berichtete Hirschhausen.

Unklare Datenlage und experimentelle Behandlungsmöglichkeiten

Wie viele Menschen von Long Covid betroffen sind, sei schwierig zu sagen. Das würde auch daran liegen, dass die Erhebung schwierig sei, da die Symptome sehr unterschiedlich sein können. Eckart von Hirschhausen schätzt die Zahl der Patienten in Deutschland auf mehrere Hunderttausend. Es gebe jedoch eine Gruppe unter ihnen, die ihn besonders besorgt. Es geht um diejenigen, bei denen Long Covid nach der Corona-Impfung ausgebrochen ist.

Ein kurzer Ausschnitt aus dem Film, der bei "Maischberger" gezeigt wurde, zeigte die schwere Krankheit von Louis, einem jungen Mann, der Long Covid nach der zweiten Impfung bekam. Seitdem ist er fast nur noch zu Hause und leidet an einer Herzmuskelentzündung und Herzrasen. "Es tut unglaublich weh. Man sitzt ruhig da, schaut Fernsehen oder schläft sogar – und von jetzt auf gleich rastet das Herz komplett aus", sagte der Patient. Ein Handyvideo zeigte, wie er sich schwer atmend und mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust fasste. Es fühle sich an, als würde man ihm ein Messer in die Brust stechen.

Patienten wie Louis werden in der Gesellschaft kaum gesehen. "Wir setzen das Thema im Prinzip aus – inklusive des Paul-Ehrlich-Instituts, die davon nichts wissen wollen", beklagt Eckart von Hirschhausen. Es gebe schlichtweg keine Anlaufstellen für Betroffene. Wer Hilfe braucht, müsse sich diese aus eigenem Antrieb suchen – und dies auch selbst finanzieren. Es gebe zwar Behandlungsmethoden, diese seien jedoch experimentell und werden nicht gefördert. Für Eckart von Hirschhausen ist das ein Unding. "Das darf in unserem solidarischen Gesundheitssystem nicht sein."

"Ich bin für maximale Transparenz"

Das Thema Long Covid, insbesondere in Zusammenhang mit der Corona-Impfung, sollte nach Ansicht des Mediziners nicht undifferenziert in den Medien ausgeschlachtet werden, sondern gehöre in einen "wissenschaftlich-journalistischen Rahmen". "Wir müssen offen darüber sprechen, dass alles, was wirkt, auch Nebenwirkungen haben kann." Sonst befürchte er, dass auch die Impfbereitschaft in Zukunft darunter leiden würde. Auch wenn es sich bei den Long-Covid-Patienten um eine vergleichsweise kleine Gruppe handle, dürfe man diese nicht alleine lassen. Dafür will Eckart von Hirschhausen weiter kämpfen.

"Hirschhausen und Long-Covid - die Pandemie der Unbehandelten" ist in der ARD-Mediathek abrufbar


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