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Ex-Sat1-Stars über den Sender: "Tiefer geht's nimmer"

Drei Prominente, die den Sender mit groß gemacht haben, erinnern sich an bessere Zeiten bei Sat.1 - und richten deutliche Worte an die neuen Besitzer.

Von Alexander Kühn

Margarethe Schreinemakers, 48, moderierte von 1992 bis 1996 "Schreinemakers live":

Wir haben bei "Schreinemakers live" das ganze Leben abgebildet: Schicksale, ausgeflippte Zeitgenossen, Prominente. Und wir haben gezeigt, dass man auch mit politischen Themen Quote machen kann. "Die Rente ist sicher", hat Norbert Blüm damals gesagt. Er kam dann zu uns ins Studio, das war 1994, und ein Wirtschaftswissenschaftler hat ihm vorgerechnet, dass 2010 in der Rentenkasse ziemlich Ebbe sein wird. Und wir hatten das erste Interview mit Nelson Mandela, als er Präsident geworden war. Anfangs dauerte meine Sendung eine Stunde. Als die Marktanteile stiegen und mit ihnen die Werbepreise, wurde auf zwei Stunden verlängert und dann auf drei. Der Umsatz war auch damals schon wichtig; wir haben dem Sender zu Bestzeiten 150 Millionen Mark beschert. Aber wir profitierten davon: je mehr wir verdienten, desto besser wurden wir ausgestattet. Man kann einen Sender auch durch Investitionen voranbringen - indem man langsam seine Zugpferde heranzieht. Das geht aber nicht, wenn einem wie jetzt bei Sat.1 Gesellschafter im Nacken sitzen, für die nur die schnelle Rendite zählt.

Erich Böhme, 77, war Chefredakteur des "Spiegels" und der "Berliner Zeitung" und moderierte von 1990 bis 1998 "Talk im Turm"

Früher waren die Privatsender die Hechte im Karpfenteich der Öffentlich-Rechtlichen. Ohne meinen "Talk im Turm" auf Sat.1 hätte es "Sabine Christiansen" nie gegeben; erst durch uns ist ARD-Programmdirektor Struve aus seinem Mittagsschläfchen erwacht mit der Idee, sonntagabends eine politische Talkshow zu veranstalten. Umso trauriger ist es, dass Sat.1 jetzt in die Hände von Heuschrecken gefallen ist. Die haben alle Blätter gefressen und nicht gedüngt.

Sie wollen den schnellen Euro machen, das geht in die Hose. Das Programm wird entpolitisiert - und verflacht womöglich noch mehr. Fernsehen funktioniert wie Zeitung machen: Ein guter Verleger gibt ein ordentliches Blatt heraus und verdient damit Geld; aber er macht die Zeitung nicht vorrangig, um damit Geld zu verdienen. Nachdem sich ARD und ZDF in der vergangenen Woche zu Recht von der Epo-verseuchten Tour de France abgewandt hatten, langte Sat.1 zu. Tiefer geht's nimmer.

Nico Hofmann, 47, Produzent und Regisseur, Chef der Produktionsfirma teamWorx:

Sat.1 war für mich der Durchbruch. Wir haben 2001 den "Tunnel" gemacht mit Heino Ferch, das war mein erster Event-Zweiteiler, und im Jahr darauf "Der Tanz mit dem Teufel", den Film über die Oetker-Entführung. Damals war eine Aufbruchsstimmung bei Sat.1, die hatten Mut - es wusste ja keiner, ob die Leute sich zeitgeschichtliche Stoffe anschauen wollen. Ich glaube, ein Grund für den Zuschauerschwund ist, dass der Sender sich zu lange auf Bestehendem ausgeruht hat. Noch eine Romantic Comedy und noch eine und noch eine. Und dann ist man plötzlich in eine komplett andere Ecke geschossen, mit der kühlen Friseur-Serie "Bis in die Spitzen" und dem Vierteiler "Blackout", der im Drogen-Milieu spielt. Beides war sensationell gemacht, wurden von der Kritik in den Himmel gelobt, aber die Zuschauer waren irritiert - und die Quoten verheerend. Jetzt hat Sat.1 seine Stunde null. Ich hoffe, dass der Sender genügend Zeit bekommt, sich neu auszurichten. Sat.1-Chef Matthias Alberti hat die Energie dafür.