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TV-Kritik

"Prinz Hollywood - Frederic von Anhalt": Stolzer Prinz und arme Wurst

Selbstdarsteller, erschlichener Prinz und Krankenpfleger: Die ARD-Dokumentation "Prinz Hollywood - Frederic von Anhalt" zeigt das widersprüchliche Leben des Ehemanns von Zsa Zsa Gabor. 

Frederic von Anhalt

Frédéric Prinz von Anhalt wurde Opfer eines Überfalls.

DPA

Beschiss. So kam Prinz Frederic von Anhalt zu seinem Adelstitel. "Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich habe über 400 Adoptionen gemacht. Das war die entsetzlichste", erinnert sich Titelhändler Consul Weyer an den Tag im August 1979. Mit einem Trainingsanzug aus Plastik habe ein gewisser Hans-Robert Lichtenberg vor der Tür seiner Münchner Villa gestanden und Sturm geklingelt. "Ich war vorbereitet", sagt der heutige Prinz Frederic von Anhalt, der einen Bündel Geldscheine im Wert von 100.000 D-Mark dabei hatte. Dass er nur 3000 anbezahlte, die eigentlich fälligen 180.000 als Wechsel unterschrieb, sie platzen ließ und mit einem Adelstitel nach Amerika flog, war sein erstes Meisterstück: frech, gerissen, skrupellos.

Es ist diese Mischung aus Chuzpe und absoluter Unverfrorenheit, weswegen Frederic von Anhalt viele Menschen fasziniert und zugleich anekelt. Filmemacherin Nicola Graef hat den erschlichenen Prinzen in seiner Villa in Bel Air besucht und über mehrere Wochen begleitet. In ihrem Dokumentarfilm "Prinz Hollywood - Frederic von Anhalt" versucht sie hinter die Fassade eines Mannes zu blicken, der immer von einem Leben in Saus und Braus träumte. Doch das gelingt ihr nur teilweise. Wann ist von Anhalt ehrlich und wann zieht er seine Show ab? Für den Zuschauer ist das oft schwer zu durchschauen.

Frederic von Anhalt liebt die Selbstinszenierung

Wenn er zu Thanksgiving Truthähne an Bedürftige verteilt oder verschwitzt im Garten selbst Hand anlegt, wirkt das wie eine dieser gestellten Doku-Soaps am Nachmittag auf RTL. Da war wohl mehr der Meister der kalkulierten Inszenierung am Werk als der ehrliche Frederic von Anhalt. Ein falscher Prinz als Gutmensch. Zu schön, um wahr zu sein.

Schwieriger wird es da schon, wenn es um Zsa Zsa Gabor, seine Ehefrau, geht. "Ich wollte mir einen echten Hollywoodstar angeln", gibt der inzwischen 73-Jährige unumwunden zu. Auch, dass es am Anfang keine Liebe gewesen sei, sondern die Zweckverbindung zweier Menschen, die den gleichen Lebensstil teilten, klingt nachvollziehbar. Champagner, Partys, Hollywood-Größen - das war die Welt von Zsa Zsa und ihrem Prinzen aus Germany.

Prinz Frederic von Anhalt

Prinz Frederic von Anhalt als Gärtner

Schlachtet von Anhalt Gabor aus? 

Als sie sich in den 80er Jahren in einem Prozess wegen Trunkenheit am Steuer verantworten muss, schlachtet von Anhalt dies als öffentlichkeitswirksame Schau aus. Bilder von Zsa Zsa Gabor aus dem Gefängnis verkauft er für 50.000 Dollar an eine Zeitung. Frei nach dem Motto: bad news are good news. "Das machen heute Britney Spears und Paris Hilton, aber ich hab's erfunden", sagt von Anhalt über seine Masche.

Ganz klar, für eine Million würde er auch seine Großmutter verkaufen, denkt sich der Zuschauer. Doch dieses Bild von Frederic von Anhalt gerät ins Wanken, wenn es um die inzwischen bettlägerige und schwer kranke Zsa Zsa Gabor geht. Die 99-Jährige ist kaum noch ansprechbar, braucht rund um die Uhr Pflege. Doch von Anhalt hat seine 26 Jahre ältere Frau nicht in ein Pflegeheim abgeschoben, sondern kümmert sich um sie in ihrer Villa in Bel Air.

Von Anhalt pflegt seine kranke Frau

Angeblich habe er seit Jahren keine Nacht mehr durch geschlafen, weil Gabor alle zwei Stunden gedreht werden müssen. Nachts übernehme er das selbst, behauptet von Anhalt. Die Kamera darf bis in Gabors Schlafzimmer, gefilmt werden darf sie aber nicht. Es ist ein überbordender Raum voller Devotionalien. An der Wand ein riesiges Porträt von Zsa Zsa und von Anhalt aus den guten Tagen.

"Ich bin schon fast wie ein Krankenpfleger", sagt von Anhalt. Er wisse, was seine Frau benötige. "Sweetheart", ruft er sie oder "Hey Baby". Als er Gabor mit einem Löffel füttert, wirkt das rührend. "That's good, I love that", sagt er zu ihr. Kann das wirklich Show sein? Das wäre nicht nur obszön, sondern abgrundtief abscheulich.

Auch nach Graefs Film wird es weiterhin zwei Lager geben: Die einen werden ihn für einen widerlichen Blender halten, die anderen für eine gewiefte Selfmade-Ikone. Doch spätestens, wenn von Anhalt auf der mit einem roten Teppich ausgekleideten Terrasse der Gabor-Villa Zigarre raucht und über sein Leben sinniert, dürfte dem ein oder anderen klar werden: Dort sitzt ein einsamer Mann, der fast jeden Star in Hollywood kennt, aber keine echten Freunde hat. Die Traumfabrik, die er so verehrt. Beschiss. 


Die Dokumentation "Prinz Hollywood - Frederic von Anhalt" läuft am Mittwochabend um 22.45 Uhr in der ARD