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Maischberger zum Flugzeugabsturz "Nichts ist schlimmer als die permanenten Fantasien"


Nichts Genaues weiß man nicht: Sandra Maischberger versuchte mit ihren Gästen, neue Erkenntnisse zum Absturz des Airbus 320 zu gewinnen. Immerhin wurden Erfahrungswerte für Angehörige weitergegeben.
Von Carsten Heidböhmer

Wir wissen es noch nicht": Das war wohl der am häufigsten gefallene Satz in der Sendung "Menschen bei Maischberger". Ursprünglich wollte die Moderatorin über die Euro-Krise und die Blockupy-Proteste sprechen. Doch aus aktuellem Anlass hatte die Redaktion das Programm geändert und auf die Schnelle eine Runde zum Airbus-Absturz auf die Beine gestellt.

Das war nur zu verständlich: Nach einem derartigen Unglück herrscht bei vielen Menschen das Bedürfnis vor, irgendwie zu begreifen, was da passiert ist. Und Sandra Maischberger versuchte mit ihren Gästen, Licht ins Dunkel zu bringen und die Ursachen des Absturzes zu beleuchten. Was allerdings zu diesem Zeitpunkt am späten Dienstagabend kaum möglich war. Denn bislang existieren kaum belastbare Hinweise und Informationen

Gab es einen letzten Funkspruch? "Wir wissen es noch nicht." War es vielleicht ein Terroranschlag? "Man kann im Moment nichts ausschließen." Nachfrage: Können wir einen Anschlag ausschließen? "Wie Herr Lauda sagt: Man kann im Moment nichts ausschließen." Überhaupt: Solange der Flugschreiber nicht ausgewertet sei, könne man nichts Genaues sagen.

Niki Laudas schlimmste Zeit

Derart ratlos äußerten sich die Gäste zu Beginn der Sendung zum Absturz. Darunter der frühere Formel-1-Fahrer und Pilot Niki Lauda, der selbst eine Fluglinie besaß. 1991 war eine Boeing 767 seiner Fluggesellschaft Lauda Air in Thailand abgestürzt - es gab 223 Todesopfer. Für Lauda war die Zeit nach dem Absturz die schwierigste seines Lebens, weil er acht Monate nicht wusste, was die Unfallursache war. Seine wichtigste Erkenntnis aus dem damaligen Unglück: Man könne das Leid der Hinterbliebenen nur mindern, wenn man so schnell wie möglich Informationen weitergebe.

Darin bestätigte ihn Sybille Jatzko, die ehrenamtlich Opfer und Hinterbliebene von Katastrophen betreut. "Nichts ist schlimmer als die permanenten Fantasien. Wenn man nicht weiß, was an Bord passiert ist", sagte die Gesprächstherapeutin. Bernd Gans kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Seine Tochter kam 2009 beim Air-France-Absturz über dem Atlantik ums Leben. Er war jahrelang im Unklaren über die Gründe für das Unglück.

Europäische Standards sind die höchsten

Lufthansa-Kapitän Jörg Handwerg, Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, trug einiges Erhellendes über die Ursachen vergangener Abstürze bei und berichtete, dass Flugzeugbauer schnell Konsequenzen aus diesen Unglücken gezogen haben und die Flugzeuge sicherer gemacht hätten.

Am Ende warf Maischberger noch die Frage auf, ob vielleicht unsere Billig-Mentalität Schuld am Absturz sei. Doch da konnte Lauda beruhigen: Der hiesige Standard ist der höchste, den man einhalten kann. Das gelte auch dann, wenn der Mallorca-Flug nur 29 Euro kostet. "In Europa kann man garantieren, dass die Flugzeuge richtig gewartet sind und die Piloten sie richtig fliegen können."

Und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, verkündete Lauda, im Anschluss der Sendung ins Cockpit seiner eigenen Maschine zu steigen und nach Hause fliegen zu wollen.


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