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"Germany's next Topmodel": Barbies auf Eis

Treffpunkt Gefrierhalle zum Eisprinzessinnen-Shooting: 15 Mädchen aus dem Düsseldorfer Casting messen sich mit 15 aus dem Münchner. Wie Rennpferdchen traben sie über den Laufsteg. Am Ende bleiben 16 übrig - ist Großmaul Tessa auch dabei?

Von Mark Stöhr

"Vollgas geben!" - "Mach Power!" - "Bring was, Maus!": So redet man normalerweise mit Rennpferden, wenn sie in die Zielgerade einbiegen. Scheinbar aber auch mit jungen Mädchen, die über den Laufsteg traben. Die Worte, die in "Germany's next Topmodel" gesagt werden, sind näher an Körpergeräuschen als an Sprache. Die Mode-Fredis könnten ihre Dämlichkeiten genauso gut grunzen oder rülpsen.

Heikel wird es, wenn sie sich an ganzen Sätzen versuchen. Gefahrenquelle Grammatik. Da spricht Heidi Klum ein Kinderdeutsch, das sie wahrscheinlich gerade ihrem Mann beibringt ("Du machst hier Oma"), und Rolf Scheider verrennt sich zwischen seiner rheinländischen Herkunft und Pariser Wahlheimat ("Als wärst du Yoga grad am Machen"). Hoffentlich schauen keine Ausländer zu. Die Sprachschulen könnten schließen.

Der Tussi-Tross ist in der dritten Folge in Berlin gelandet. Die 15 Nachwuchsmodels aus München trafen auf die 15 aus Düsseldorf. Großes Hallo, und ab in die Gefrierhalle zum Eisprinzessinnen-Shooting. Die Prüfung: Arschkalt und nix an und "sofort super sein" (Klum). Also Vollgas geben, Power machen, cool posen. Die bibbernden Barbies verzogen ihre Münder zu Schnütchen, wie sie es aus den Modezeitschriften kennen, verrenkten ihre langen Beine und verschleierten ihren Blick. Irgendwie sexy halt.

Marie überzeugte die Jury

Das misslang gründlich. In den meisten Fällen hätte man auch eine gefrorene Schweinehälfte auf die Eisblöcke legen können. Einzig Marie überzeugte die Jury vollends. "Perfekt, professionell, ein absolutes Topmodel", schwärmte Scheider. Die 19-Jährige mit der Schneewittchenhaut ist in der Tat ganz zauberhaft. Eine der Favoritinnen für die Casting-Krone.

Dafür hält sich auch Tessa. Das Großmaul mit Überlänge inszeniert sich als böses Mädchen und haut eine Biestigkeit nach der anderen raus. Aufmerksamkeit ist alles und sei sie auch noch so kalkuliert und abgeguckt. Die anderen seien "ausdruckslos und langweilig", posaunte sie in den Äther, und hätten "keinen Plan von nichts". Außerdem: "Ich bin einfach geil und hab Power". So viel Power, dass sie sich bei der Fashionshow eines Modellabels den Fuß prellte. Wie ein wild gewordener Haflinger trampelte sie über den Catwalk und blieb auf den letzten Metern hängen.

Tessa mit Klumpfuß

Der geschwollene Klumpfuß musste gar im Krankenhaus behandelt werden, das Mitleid der Konkurrentinnen hielt sich in Grenzen. Doch weil Tessa immer noch Restpower hatte und wegen eines Striptease-Videos und einiger halbgarer Sexgeständnisse so powermäßig populär ist, wurde sie für eine RTL2-Reportage gebucht und rutschte nach dem Dreh in einer Güllepfütze aus. Jetzt ist der Arm auch noch hin. So ein Pech.

Tessa ist trotzdem beim anstehenden Trip nach Los Angeles dabei, obwohl sie kaum gehen kann und halbseitig eingegipst ist. Die Show, die bislang arm ist an spektakulären Spitzen, braucht eine polarisierende Tröte wie die 19-Jährige, so falsch sie auch spielt. Lauftalent und Schönheit allein haben bei "Germany‘s next Topmodel" noch nie zum Weiterkommen gereicht. Immerhin hat es auch die schöne Marie geschafft und etwas überraschend die angehende Deutschlehrerin Johanna. Die musste sich nach dem "Live-Walk" von Peniskopf Peymann den sagenhaft unverschämten Satz anhören: "Du kommst ja vom Land, und das sah gerade so aus, als würdest du auf‘m Acker laufen."

Wenigstens stimmte die Syntax. Seine Chefin braucht für Sätze dieser Länge einen Ghostwriter. Gepriesen sei der Autor, der ihr folgende, geradezu philosophische Erkenntnis in den Mund legte: "Wir würden nie zu einer Gewinnerin kommen, wenn es nicht auch Verlierer gäbe." Darauf muss man erst mal kommen. Die 14 Verliererinnen, die ihre Beauty-Cases jetzt wieder auspacken können, weinten sich trotzdem die Augen aus. Die anderen klatschten und schmatzten sich in bekannter Weise ab und können es kaum erwarten, sich in Übersee die Füße wund zu laufen. "Ich bin mal überrascht, was kommt", sagte eine. Nur neugierig, wäre auch ein bisschen wenig gewesen.