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Interview

GZSZ-Producer Damian Lott: Darum wird es GZSZ auch in 25 Jahren noch geben

Damian Lott ist Producer der beliebten RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Mit dem stern sprach der 36-Jährige über seinen Arbeitsalltag, was ihm an seinem Job am besten gefällt und warum noch lange kein Ende der Serie in Sicht ist.

GZSZ-Producer Damian Lott ist selbst großer Serienfan

GZSZ-Producer Damian Lott ist selbst großer Serienfan

Am 17. Mai zeigt RTL (ab 19.40 Uhr) die Jubiläumsfolge von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Unfassbare 25 Jahre flimmert die erfolgreiche Soap schon über die Mattscheibe. Producer Damian Lott ist selbst ein Fan der ersten Stunde. Im Interview verrät er, welches seine Lieblingsgeschichten sind, wie sein Arbeitsalltag aussieht und warum es die Serie auch noch in 25 Jahren geben wird.

Herr Lott, da nicht jeder weiß, was ein Producer macht: Was genau sind Ihre Aufgaben?
Ich habe großes Glück, weil ich die Inhalte der Serie lenken und mitgestalten kann. Vom ersten Wort bis hin zu dem, was der Zuschauer hinterher zu sehen bekommt. Ich bespreche mich mit allen kreativen Gewerken wie Autoren, Maske, Coaching, Regie, etc. und bin bei jedem Abnahmeschritt dabei. Aber ich habe auch ein großartiges Team, was mir die Arbeit sehr erleichtert und ohne das eine solche Produktion nie zu schaffen wäre.

Das Bild zum Trailer der Jubiläumsfolge zu 25 Jahre GZSZ

Die Jubiläumsfolge zu 25 Jahre GZSZ verspricht Spannung, Liebe und Dramatik

Wie sieht Ihr Tag bei GZSZ aus?
Unterschiedlich. Wir haben feste Wochentermine. Jeden Freitag zum Beispiel steht die Bildabnahme mit der Redaktion an. Da schauen wir uns einen kompletten Block, also fünf Folgen, an. Wir besprechen dann, welche Idee der Regisseur bei der Umsetzung hatte, ob die Geschichte funktioniert oder wir im Schnitt eventuell Sachen deutlicher machen müssen und ob die Musik zum Thema passt. Es geht in meinem Job hauptsächlich um Kommunikation. Ich spreche mit den Schauspielern, den Regisseuren, dem Kostüm, der Ausstattung oder der Maske. In unserem Department laufen sämtliche Fäden zusammen. Ich habe zwei großartige Juniorproducer, die mir den Rücken freihalten, sodass ich mich mit dem großen Ganzen befassen kann über die kommenden Wochen und Monate.

Wie lange sind sie schon bei GZSZ?
Seit September 2013 bin ich bei Ufa Serial Drama für GZSZ tätig.


Wie sind Sie zu der Serie gekommen?
Ich bin ein sehr großer Serienfan und ich liebe das Arbeiten mit den Charakteren. Gerade bei einer Serie, bei der einige Figuren schon seit Jahrzenten dabei sind, wie beispielsweise Wolfgang Bahro in seiner Rolle als Jo Gerner, wird man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, die Entwicklung interessant und glaubhaft zu erzählen. Insofern war es ein Traum von mir, dort als Producer zu arbeiten. Zum Glück wurde ich gefragt und ich habe ohne zu zögern Ja gesagt.

Kannten Sie die Serie schon vorher?
Klar. Ich habe auch die allerersten Folgen gesehen. Damals war ich elf Jahre alt und habe sie mit meiner Mutter zusammen geschaut. Zwischenzeitlich hatte ich die Serie etwas aus den Augen verloren, aber während meiner Studienzeit habe ich wieder den Einstieg gefunden.

Haben Sie eine Lieblingsgeschichte bei GZSZ?
Ich denke, man mag als Zuschauer jeden auf seine Weise. Entweder, weil der Charakter besonders gut, kompliziert oder eben böse ist. Ich persönlich habe keine Lieblingsfigur, aber ich fand die Inzeststory um Jasmin (Janine Uhse) und ihren Vater sehr spannend. Bei dieser Geschichte fühlte sich alles so homogen an, weil sich innerhalb der Story ein Stein auf den anderen setzen ließ ohne Reibungsverluste. Auch die Liebesgeschichte von Katrin und Bommel (Ulrike Frank und Merlin Leonhardt) gefiel mir, die durch Bommels Tod zwar tieftraurig war, aber es eben auch vorher schöne Liebesmomente gab. Genauso interessant ist aber auch die Freundschaft zwischen den Mädels von Tussie Attack oder die Romanze zwischen Emily und Paul (Anne Menden und Niklas Osterloh). Es ist die Mischung aus Drama und Alltag, die das GZSZ-Versprechen ausmacht.

Inwiefern können Sie in die Serie eingreifen?

Jede Woche besprechen wir die Storylines, also fünf Folgen, mit der Redaktion von RTL und überprüfen, ob die Emotionen und Idee gut umgesetzt sind. Außerdem diskutieren wir die Dialogbücher und damit die Sprache der Figuren. Auch über die Regisseure haben wir immer noch mal die Möglichkeit, eine Geschichte fein zu justieren. Zudem treffen wir uns alle sechs Monate in einer Gruppe von rund 20 Autoren. Wir nennen es die "Future-Woche". Da entwickeln wir die großen Geschichtsbögen und den Leitfaden, an dem sich die Storyliner für ihre tägliche Arbeit orientieren. Nach der Bildabnahme geben wir auch immer noch mal ein Feedback an die Autoren und sagen zum Beispiel, wenn ein Charakter aktiver werden soll. Die Produzentin Petra Kolle und ich wollen nur sehr ungern im Nachhinein etwas verändern. Damit verschlimmbessert man meist nur.

Gehen Sie privat auch mal mit den Schauspielern ein Bier trinken?
Man trifft sich in einer laufenden Produktion ab und an zum Essen, aber bleibt dort eher beruflich. Es ist schon so, dass ich aus früheren Produktionen mit Schauspielern befreundet bin, die aber nichts mit GZSZ zu tun haben, und klar, mit denen treffe ich mich auch privat. Wir feiern aber natürlich gelegentlich mit dem gesamten Team zusammen. Zum Beispiel haben wir uns nach der Abnahme des großen Jubiläums-Specials zum Angrillen getroffen.

Inwiefern können Sie bei den Kulissen der Serie mitreden?

Zu meinem Glück sehr viel. Jede Kulisse spiegelt ja auch eine Figur wider. Wenn jemand Neues kommt, muss man überlegen, wo derjenige arbeitet, wie er wohnt oder auch, wie er sich kleidet. Das gehört genauso zur Figurenetablierung und -entwicklung wie die Story. Hier findet man mit den Kolleginnen und Kollegen der Ausstattung, Maske und des Kostüms dann einen individuellen Look für jeden Charakter. Ich bespreche mit den Abteilungen die Figur und daraufhin werden Moodboards und Skizzen für den Dekobau oder eben das Styling entwickelt.

Was lieben Sie am meisten an ihrem Job?
Die Abwechslung. Klar wurde in 25 Jahren so ziemlich jeder Konflikt und jede Konstellation erzählt, wir versuchen aber trotzdem immer wieder, einen neuen Ansatz zu finden. Zum Beispiel, wenn wie jetzt zwei Männer um eine Frau kämpfen, dann überlegen wir jedes Mal neu, wie sie das machen, welche Schritte sie gehen und was damit die Geschichte besonders und emotional macht. Wir versuchen eben immer, dem Zuschauer Abwechslung zu bieten. Und das Tolle ist, dass man dabei immer wieder Freiraum hat für kreative Ideen. Es macht einfach Spaß, Geschichten zu erzählen.


25 Jahre GZSZ: Was erwartet die Zuschauer in der Jubiläumsfolge?
Ganz kurz gesagt: Drama, Humor, Liebe und große Emotionen. Wir transportieren, wofür die Serie steht. All diese Gefühle wird der Zuschauer hoffentlich erleben. An manchen Stellen werden sie lachen, vor Spannung mitfiebern und auch die ein oder andere Träne verdrücken.

Wird es GZSZ auch in 25 Jahren noch geben und wenn ja, wie sieht es dann aus?
Davon bin ich überzeugt. Man sieht ja an den steigenden Quoten, dass uns eine Trendwende gelungen ist. Wir erreichen Zuschauer jeden Alters und diese wachsen nach, wenn sie zum Beispiel über ihre Eltern an die Serie herangeführt werden. Was die Inhalte betrifft, wird es auch weiterhin um gesellschaftsnahe und -kritische Themen gehen.

Was ist das Erfolgsrezept von GZSZ?
Ich denke, dass die Zuschauer immer gut unterhalten werden. Und das eben durch Themen, die sie selbst mitunter auch privat beschäftigen. GZSZ erzählt ja keine extrem abgehobenen, realitätsfernen Geschichten. Sicherlich ist manches "larger than life", aber vieles sind eben Themen aus dem wahren Leben, das sich um Liebe, Familie oder Freundschaft dreht. Viele der Charaktere aus der Serie findet man auch im eigenen Freundeskreis. Wir liefern das ganze Menü: Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise. Ein Art "Zuhause-Gefühl". Die Zuschauer fühlen sich mit den Charakteren verbunden. Das macht für mich den Erfolg der Serie aus.