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Jahresrückblick 2013: Die denkwürdigsten TV-Momente des Jahres

Katja Riemann lässt einen NDR-Moderator auflaufen, Waldi Hartmann hat keine Ahnung von Fußball - und Boris Becker macht sich vor Millionen zum Affen. Das waren die Hingucker des TV-Jahrs 2013.

Von Carsten Heidböhmer

1. Hinnerk Baumgarten vs. Katja Riemann
Ach, Katja Riemann wieder, die alte Zicke, mag der ein oder andere zunächst gedacht haben, als das Gespräch zwischen dem Moderator Hinnerk Baumgarten und der Schauspielerin in der NDR-Sendung "Das!" nicht recht in Gang kommen wollte. Dabei ist hier offenkundig, wer die Gesprächskarambolage verursacht hat. Schon bei der Eingangsmoderation war klar, dass Baumgarten nicht den Ton trifft: "Sie erkennen sie sofort an ihren tollen blonden Locken", versuchte er die Schauspielerin einzuseifen. Dann war er ganz baff, dass Riemann in ihrem aktuellen Film braune Haare hatte - und wollte wissen, wie sowas möglich sei. "Das ist eine Perücke", erklärte Riemann dem staunenden Moderator. Es wurde nicht besser. Irgendwann schien Riemann resigniert zu haben, sie verlegte sich auf Verzweiflungssätze: "Wir sind wahnsinnig grell ausgeleuchtet." "Haben Sie diese Frage jetzt ganz im Ernst gestellt?" "Lieber Hinnerk, das ist mir jetzt echt zu anstrengend." Ganz am Ende, da war sie schon von Baumgartens fröhlich-hirnlosem Dauergeplapper ermattet, stellte sie die große Sinnfrage des deutsche Fernsehens: "Welches Programm sind wir noch mal?"

2. Limbo-Dance auf Mallorca
Billig verreisen, günstig Essen, jedes Angebot ausnutzen. Ja, es stimmt: Wir Deutschen sind ein Volk von Sparfüchsen und Schnäppchenjägern. Deswegen sind wir im Sommer so gerne auf Mallorca. Und essen dort Schnitzel, trinken deutsches Bier und gucken "Wetten, dass ..?". Es geht uns wirklich gut. Nur gönnen können wir nicht. Wehe, ein anderer bekommt etwas geschenkt, was ihm nicht zusteht. Dann bekommt er unseren Zorn zu spüren. Das musste eine Kandidatin beim "Wetten, dass ..?"-Sommerspecial feststellen, als sie sich beim Limbo nicht ganz an die Regeln halten wollte. Moderator Markus Lanz schaltete schnell und arrangierte als Ersatz einen Kugelstoß-Wettbewerb, bei dem Howard Carpendale für die junge Dame einsprang - und für sie gewann. Doch das Publikum verzieh ihr nicht. Die Siegerin wurde gnadenlos ausgebuht. Der hässliche Deutsche zeigte mal wieder sein Haupt, auch im schönen Spanien.

3. Helene Fischer im falschen Film
Das Publikum war zufrieden, alle klatschten. Nach Stunden des Rumsitzens konnte die Aftershow-Party mit lecker Schnittchen und Champagner endlich beginnen. Ein Satz, ein letzter Satz, und Moderatorin Helene Fischer hätte es mit Bravour überstanden. "Das war der Echo 2013", ruft sie dem Publikum entgegen. Alles richtig gemacht. Leider war es die Bambi-Verleihung. Ein kleiner Aussetzer, mit lang anhaltender Wirkung: Noch Tage später beömmelten sich die Leute im Netz.

4. Sigmar Gabriel vs. Marietta Slomka
Ohne Zweifel gehört "heute journal"-Moderatorin zu den besten TV-Journalistinnen dieses Landes. Doch das Gespräch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel entglitt ihr völlig. Sie verrante sich in der irrwitzigen These, es sei verfassungswidrig, wenn die SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen. Dass bei CDU und CSU dagegen ein deutlich kleinerer Kreis darüber entscheidet, daran schien sich die Moderatorin nicht zu stören. Gabriel antwortete zunehmend ungehaltener auf ihre immer neuen Variationen ihres unplausiblen Gedankens. Bis Gabriel der Kragen platzte: "Lassen Sie uns den Quatsch beenden." Ein Satz, der im deutschen Fernsehen viel zu selten fällt.

5. Harrison Ford in der Lanz-Mangel
"Dagmar ist nackt da": Mit diesem Satz brachte Harrison Ford bei "Wetten, dass ..?" ein Millionenpublikum zum Lachen. Der Hollywood-Star sollte den Anrufbeantworter einer Zuschauerin besprechen, betreffende Dagmar sollte natürlich "nicht da" sein. Aber Deutsch ist eben keine einfache Sprache, da kann man sich schon mal verhaspeln. In der ZDF-Show ist das schon ein Spitzenwitz, am lautesten lacht Moderator Markus Lanz über den Versprecher. Der Mann, der schon Tom Hanks genötigt hat, eine Katzenmütze aufzusetzen. Viel lächerlicher als der Versprecher waren jedoch Lanz' sinnlose Frage, was denn auf Fords Anrufbeantworter zu hören sei. Der Schauspieler guckte entgeistert, gab aber eine vernünftige Antwort: "Ich hab mich nie selber angerufen." Vielleicht der einzig sinvolle Satz in einer knapp dreistündigen Sendung voller Albernheiten. Man hätte ihn einfach so stehen lassen können. Aber Lanz prustete gleich wieder los: "Das ist gut, das ist gut!"

6. Waldi Hartmann und der Fußball
Wer den selbsternannten Sportexperten Waldemar Hartmann über die Jahre beobachtet hat, den wird es nicht sonderlich wundern, dass dieser ausgerechnet bei einer Fußball-Frage patzte. Denn schon immer interessierte den fränkischen Schnauzbartträger an dem Ballsport vor allem der gemütliche Plausch und die Kumpelei mit Spielern und Trainern, die er allesamt duzt. Das Spiel an sich schien ihn jenseits von verwertbaren Zoten und Schenkelklopfern komplett egal zu sein. Dass er als Telefonjoker bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär?"-Promispecial nicht wusste, dass Deutschland im eigenen Land Weltmeister wurde - das verbuchen wir als Black-Out. Und nicht als Kenntnislücke. Denn 1974 müsste selbst ein Fußball-Muffel mitbekommen haben, dass die deutsche Nationalelf Weltmeister geworden ist.

Dass Hartmann aber wenige Tage später bei "Markus Lanz" erneut eine - für Experten leicht zu lösende - Fußballfrage nicht beantworten konnte, bestätigt das Bild: Waldi und Fußball, das sind einfach zwei Welten, die schlecht zusammenpassen.

7. Boris Becker vs. Oliver Pocher
Dieses Foto zeigt den Tiefpunkt des Fernsehjahres. Es ist unendlich traurig, der seit Jahren andauernden Selbstdemontage des einstigen Tennisidols Boris Becker beizuwohnen. Bei Twitter plaudert er sich um Kopf und Kragen. Gratuliert schon mal der Kanzlerin zum Friedensnobelpreis. Ist in Interviews stolz, "Deutscher zu bin". Die Krönung war aber sein Auftritt in Oliver Pochers Sendung "Alle auf den Kleinen". Der einstige Tennis-König war endgültig zum Hofnarr geworden. Anstelle einer Krone trug er ein albernes Mützchen mit zwei Fliegenklatschen. Besser kann man Beckers Niedergang nicht in ein Bild fassen.