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Erdogan-Schmähgedicht: Proteste und Eierwürfe gegen ZDF-Studio in Istanbul

Bereits am Samstag hatte es Eierwürfe gegen das ZDF-Studio in Istanbul gegeben, doch die türkischen Proteste gegen Jan Böhmermanns Erdogan-Gedicht reißen nicht ab: Am Mittwoch waren es bereits 200 Demonstranten.

Jan Böhmermann, ZDF-Studio in Istanbul

Jan Böhmermann: Wegen seines Schmähgedichts gab es Proteste vor dem ZDF-Studio in Istanbul.

Jan Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Erdogan zieht immer weitere Kreise. Am Samstag hatten rund 20 Menschen vor dem ZDF-Auslandsstudio in Istanbul gegen den Sender protestiert und faule Eier geworfen. Die Menge forderte einem Bericht des "Tagesspiegels" zufolge vom ZDF eine Entschuldigung für die im "Neo Magazin Royale" gesendeten Beleidigungen des Staatsoberhauptes. Ein Video zeigt die anschließenden Aufräumarbeiten. Am Mittwoch kam es zu einer noch größeren Versammlung - von rund 200 Teilnehmern ist die Rede.

Das ZDF hat den Vorfall inzwischen bestätigt: "Es gab eine Demonstration vor dem ZDF-Studio in Istanbul - laut türkischer Polizei mit rund 200 Demonstranten", sagte eine Sendersprecherin auf Anfrage des stern. "Da die Demonstranten von der türkischen Polizei zuvor als potenziell gewaltbereit eingeschätzt wurden, gab es eine weiträumige Absperrung rund um das Gebäude, in dem sich auch das ZDF-Studio befindet. Die Demonstration ist ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen."

Strafanzeigen gegen Jan Böhmermann

Bereits am Freitag hatte das ZDF den Beitrag aus der ZDF-Mediathek gelöscht, am Sonntag hatte Kanzlerin Angela Merkel die Verse in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu als "bewusst verletzend" kritisiert. Die Satire hat auch ein juristisches Nachspiel: Gegen den Moderator des "Neo Magazin Royale" ermittelt nun die Mainzer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten. Rund 20 Strafanzeigen von Privatpersonen sind zuvor gegen Böhmermann eingegangen.

Möglicherweise müssen sich auch Mitarbeiter des ZDF für das Gedicht verantworten. Auch gegen Senderverantwortliche sind nach Angaben der Mainzer Staatsanwaltschaft Anzeigen eingegangen. Ob tatsächlich Anklage erhoben wird, ist indes noch nicht entschieden.