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Streit um Schmähgedicht: Böhmermann akzeptiert einstweilige Verfügung nicht

Der Streit um Jan Böhmermanns Schmähgedicht geht in die nächste Runde: Nachdem das Landgericht Hamburg untersagt hat, große Teile des Werkes zu rezitieren, legt der Comedian nun Berufung ein. Notfalls will er bis vors Bundesverfassungsgericht gehen.

Jan Böhmermann

Jan Böhmermann gibt im Rechtsstreit um sein Erdogan-Schmähgedicht nicht auf. Die vom Landgericht Hamburg gegen ihn erlassene einstweilige Verfügung will er nicht akzeptieren.

Der Satiriker und ZDF-Moderator Jan Böhmermann will die einstweilige Verfügung gegen sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht hinnehmen. Dem Hamburger Landgericht seien bei seiner Entscheidung schwere handwerkliche Fehler unterlaufen, sagte Böhmermanns Anwalt Christian Schertz am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Berlin.

Schertz will Erdogan nun über das Gericht eine Frist von vier Wochen setzen lassen. Innerhalb dieser Zeit müsse der türkische Präsident dann eine sogenannte Hauptsacheklage erheben. Sollte er das nicht tun, verfalle die Verfügung. Notfalls wolle er auch bis zum Bundesverfassungsgericht gehen, kündigte Schertz an.

"Man kann auch kein Gemälde auseinanderschneiden"

Der Anwalt nannte die Verfügung "eklatant falsch". Das Gericht habe zwar festgestellt, dass das Gedicht ein Kunstwerk sei, es dann aber zerlegt, um Teile davon isoliert zu verbieten. "Man kann auch kein Gemälde auseinander schneiden und dann nur teilweise freigeben", sagte Schertz.

Außerdem habe das Gericht den Zusammenhang völlig außer acht gelassen. Dies sei aber entscheidend, um die Zulässigkeit der Gesamtdarstellung zu erkennen. Der Satiriker habe in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" am 31. März zeigen wollen, was erlaubt sei und was nicht und wo die Grenzen zur Schmähkritik liegen. Das habe Böhmermann zuvor deutlich angekündigt.

amt / DPA