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Kutcher spielt Walden Schmidt: Er kam, sah und zog sich aus

Charlie Harper ist tot, es lebe Walden Schmidt: In den USA ist die neue Staffel von "Two and a Half Men" gestartet. Ashton Kutcher feierte seinen Einstieg als Charlie-Sheen-Ersatz. Und bekommt gnädige Kritiken.

Von Frank Siering, Los Angeles

Endlich ist es raus!­ Nach unzähligen Spekulationen wissen die amerikanischen Fernsehzuschauer seit Montagabend, wie es bei "Two and a Half Men" weitergeht. Gestern flimmerte vor einem Millionenpublikum die mit Spannung erwartete Staffelpremiere mit Ashton Kutcher als Ersatz für Charlie Sheen in die US-Wohnzimmer. Schon die erste Szene bestätigte, was trotz höchster Geheimhaltung im Vorfeld an die Öffentlichkeit gedrungen war: Charlie Harper ist tot.

Um den Zuschauern den Wechsel von Sheen zu Kutcher zu erklären, muss der notorische Frauenheld bei einem Sturz von einer Zugplattform in Paris sterben. Freunde, Familie und Ex-Geliebte haben sich zur Beerdigung versammelt. Groß getrauert wird allerdings nicht. Die Ex-Freundinnen sprechen noch während der Beerdigung offen über die Geschlechtskrankheiten, die sie sich von Harper eingefangen haben. Die eigene Mutter beeilt sich nach dem Ableben, das Haus des toten Sohnes auf den Immobilienmarkt zu werfen. Und Charlies Bruder Alan (gespielt von John Cryer) findet bei der Verlesung des Testaments heraus, dass sein Bruder hoch verschuldet war und er diese Schulden jetzt übernehmen muss.

Von Totenehre keine Spur, im Gegenteil. Produzent Chuck Lorre lässt nichts unversucht, um Charlie Harper auch nach dessen Tod als Hallodri dastehen zu lassen. Fast wäre man versucht zu glauben, dass Lorre sich rächen wollte. Immerhin hat Sheen ihn und das Studio Warner Brothers nach seinem Rausschmiss auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Wie der Internetdienst "TMZ" meldet, sollen sich Sheen und Warner auf Zahlungen in Höhe von 100 Millionen Dollar geeinigt haben. Um den arbeitslosen Sheen müssen sich die Zuschauer also keine Sorgen machen.

Zeit für einen neuen Helden

So schnell Harper stirbt, so schnell ist auch sein Ersatz zur Stelle. Wer auf eine sensationelle Idee gehofft hatte, wie die Drehbuchschreiber Ashton Kutcher in die Serie einführen würden, wurde enttäuscht. Er spielt den Internet-Milliardär Walden Schmidt, der sich in Selbstmordabsicht in den Ozean geworfen hat, nachdem er von seiner Frau verlassen wurde. Doch das Wasser war ihm einfach zu kalt. Stattdessen entscheidet er sich, lieber die Malibu-Villa von Harper zu kaufen - natürlich mit Alan und dessen Sohn Jake (gespielt von Angus Jones) als Anhang. Und somit steht neuen Abenteuern im Männerhaushalt nichts mehr im Weg.

Schon wenige Minuten nach der Ausstrahlung der ersten Show waren im Internet die ersten Kritiken zu lesen. Und die waren für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich gnädig. Die Zeitung "The Washington Post" schreibt, dass die Show mit neuer Personalausstattung "keinen Nettoverlust" aufzuweisen hat und dass die Leichtigkeit der Show zeige, dass "jeder empfindungsfähige Darsteller" in die Figur Charlie Harpers hätte schlüpfen können.

Das Branchenblatt "Entertainment Weekly" meint: Die "Performance von Kutcher war gut, fast so abgezockt, wie Sheen gewesen ist." Die "Chicago Tribune" freut sich über die "neue Sanftheit, die Kutcher mitbringt". Nur die "New York Daily News" ist der Meinung, dass "Kutcher versagte, als es darum ging, komisch zu sein."

"Einen Penis wie ein Elefant"

Wenn schon nicht lustig, dann immerhin sexy und sehr freizügig. Wie schon in der Werbekampagne für die neue Staffel angekündigt, erfährt das Publikum relativ schnell, dass Herr Schmidt gerne splitterfasernackt durch seine neue Behausung läuft. Obwohl er bereits tot ist, bleibt Charlie Sheens Harper für die ersten 15 Minuten der neuen Show Inhalt diverser Witze. Erst als sein tollpatschiger Bruder die Urne mit der aus Europa eingeflogenen Asche fallenlässt, verschwindet Harper so langsam vom Bildschirm. In diesem Moment übernimmt ein klitschnasser Kutcher die Szene und die Show.

Noch ist es zu früh, ein abschließendes Urteil über die neue Ausrichtung von "Two and a Half Men" zu fällen. Fest steht nur eines: Ashton Kutcher hat die Chance seines Lebens bekommen, sich als Nachfolger von Charlie Sheen beweisen zu können. Und wenn er dafür täglich nackt über das Set laufen muss. Aber als ein Mann, der - wie Alan sagt - "einen Penis wie ein Elefant hat", dürfte das nun wirklich kein Problem sein.