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TV-Kritik

"Let’s Dance": Lili und Massimo schnappen sich die Tanzkrone

Die einen machen "Kackfehler", die anderen tanzen "supersauber", zwischen durch werden Bananen grade und wieder krumm, es jubelt sogar Joachim Llambi, fließen Tränen und Ailton darf auch nochmal ran. Gewinnen jedoch konnte nur eine, und das ebenso knapp wie verdient.

Von Ingo Scheel

Lili und Massimo gewinnen "Let´s Dance" 2020

So sehr hat man sich an den leeren Saal im "Let’s Dance"-Studio gewöhnt, dass die zumindest luftig gefüllten Zuschauerränge fast etwas unwirklich aussehen. Aber es ist Finale-Time – und da dürften nicht nur die Ehemaligen noch einmal auflaufen, sogar die Verwandschaft ist in homöopatischer Dosis vertreten. Moritz’ Bruder Philip ist da und schätzt die Siegeschancen seines Bruders überaus realistisch ein, Mutter Hänni ist ebenso angerührt wie Vater Roncalli. Dem Zirkusmann steht die Aufregung ins starre Gesicht geschrieben, dabei hat der doch in den Manegen der Welt schon fast alles gesehen.

Aber so ein Endspiel hat seine eigenen Gesetze, das müssen letztlich auch die Finalisten feststellen. Schon beim Entrée wird gezündelt und geknallt und illuminiert, als würde morgen der Strom abgestellt, Europe spült der "Final Countdown" ein paar Gema-Groschen in die Kasse und nachdem die Kamera kurz auf die mürrisch dreinblickende Ilka Bessin schwenkt – Knie kaputt, kein letzter Tanz mehr möglich - geht die Sause auch schon los. Drei mal drei Tänze sind angesagt, jedes Finalpaar muss sich durch jeweils einen Jurytanz, einen Lieblingstanz und einen Freestyle schwofen – dann sollen die Entscheidungen fallen.

Die Vorgabe der Jury: Keine Hebefiguren und mindestens 30 Sekunden Grundschritte sind angesagt. Überhaupt die Jury – Motsi Mabuse hat sich in ein goldbraunes Etwas mit Perlenstickereien geschwungen, Joachim Llambis Wahl fiel diesmal auf Bordeauxrot und Jorge González’ Frisur sieht aus wie eine Mischung aus Trauerrand und Bilderrahmen ohne Bild, eine Art 60er-Jahre-Fernsehantenne aus Haaren.

Favoritenstatus in Gefahr

Dass Luca Hänni und Christina Luft ihren in den letzten Wochen angehäuften Favoritenstatus womöglich auf der Zielgerade verlieren könnten, zeigt sich gleich in der Auftaktrunde. Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató legen einen Cha-Cha-Cha erster Kajüte hin, Moritz Hans und Renata Lusin bringen eine Rumba über die Rampe, der Lohn für beide Paare: die optimale Punktzahl. Jorge schwenkt bereits mit Bananen, dabei ist der erste Werbeblock noch nicht einmal vorbei, Motsi gibt den Daumen hoch und Joachim Llambi entfährt schon jetzt eine Hymne, als wären wir bereits beim Schlussmonolog. Mit 27 Punkten immerhin auch noch ansehnlich entlohnt, liegen Hänni/Luft hier nun schon drei Punkte zurück. Und so sollte es weitergehen.

Zwischendurch dürfen aber noch einmal die Kandidaten der ersten Runden auf den Dancefloor,

Steffi Jones ist dabei, Sabrina Setlur ebenfalls, dazu Ailton in Werder-Bremen-Farben. "Bist du noch verlobt?", flachst Daniel Hartwich Richtung Laura Müller. "Ja", antwortet diese. "Das wird auch so bleiben." Sollte der Wendler nach dem Kurzen-Kippen mit Olli Pocher wieder nüchtern sein, müsste er sich diesen Dialog nochmal ganz in Ruhe vorlesen lassen.

"Kackfehler" im Programm

In der zweiten Runde dann Kerngeschäft, Lieblingstänze, Choreo auf Nummer sicher. Aber auch hier, beim selbstgewählten Quickstep, geht Luca Hänni und Christina Luft ein wenig die Puste aus. Den Llambi reißt es da fast aus dem Sitz, aber nicht vor Begeisterung: "Das sind Kackfehler von dir, was ist nur los?", entfährt es ihm völlig entsetzt. Motsi und Jorge formulieren etwas dezenter und obwohl das insgesamt auch wieder 27 Punkte gibt, fühlt es sich fast schon wie eine kleine Vorentscheidung an, denn an anderer Stelle wird "supersauber" getanzt, sieht nicht nur die Jury ganze Klassenunterschiede. Moritz und Renata jedenfalls geben sich ebenso wenig eine Blöße wie Lili und Massimo – jeweils 30 Punkte sind der Lohn. Jorges Kommentar Richtung "Chili-Lili": "Rrrrrrrrrrrrrrrrrrr". Man kann sich ungefähr vorstellen, was das bedeutet. Irgendwas mit Bananen wahrscheinlich.

Vor der letzten Runde dann ein weiterer Showblock: Pietro Lombardi singt eine schwermütige Ballade, deren Refrain sich anhört, als würde er "Camperherz" singen, dazu schiebt Motsi nach sechs Jahren Pause mal wieder ihren Gatten über den Tanzboden, Teile der alten Garde dürfen noch ein paar emotionale Kurzbotschaften loswerden.

Let's Dance: Jede Woche begeistern die Promis ihre Fans auf dem Tanzparkett.  

Zum Abschluss dann die Freestyle-Challenge, bei der in punkto Punkte nach oben nichts mehr geht, da sich nun auch Luca und Christina zu alter Form aufschwingen. Zu den Melodien aus dem Musical "Sing" feuert das Paar eine letzte Salve, die dann auch die Jury vollends überzeugt. Motsi feiert die "Power", Joachim lobt, dass kein "Chi-Chi" dabei ist und Jorge resümiert "Chico Is Back". Wohl ein wenig zu spät, denn die beiden Konkurrenzpaare liefern auch im Freistil mit so eisenharter Konzentration, als hätten sie das Nervenkostüm in der Garderobe gelassen. Ein bisschen dicke kommt es dann bei der finalen Hatten-wir-nicht-eine-Superzeit-Sause, in der sich die gesamte Belegschaft in einen fast rauschartigen Dusel redet. Aber sei es drum, es sind komische Zeiten, jene Best-of-2020-Ausschnitte mit Publikum auf den Rängen wirken da mittlerweile wie aus einer vergangenen Epoche.

Mega Mega 

Und dann, endlich, fällt genau die Entscheidung, die sich so langsam abzeichnete. Der "beste dritte Platz" geht an Luca Hänni und Christina Luft, den Titel der "Dancing Stars 2020" holen sich Lili Paul-Roncalli und – in seinem mittlerweile sechsten Finale – Massimo Sinató. Jubel, Trubel, Flitterregen. Dass Moritz und Renata als immerhin Zweitplatzierte, mit perfekter Punktzahl im Finale, fast ins Abseits geraten, ist schade, aber im Überschwang der Gefühle kaum zu vermeiden. Wie hatte es Ailton so unnachahmlich ausgedrückt: "Eine große Finale. Mega. Mega. Mega." Dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Am kommenden Freitag zur gewohnten Zeit gibt es eine Live-Zugabe mit der Profi-Challenge. Und im nächsten Jahr das Ganze dann hoffentlich wieder vor voller Hütte. Let’s hope.