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Letzte "Harald Schmidt Show" bei Sat.1: Spiel nicht mehr mit den Schmuddelkindern

Ausgeteilt hat er in den letzten Tagen genug: Harald Schmidts Abschiedsshow vom "Kindergarten" Sat.1 war lediglich von sanfter Häme geprägt. Schließlich wartet auf ihn bereits der Himmel auf Erden.

Von Katharina Miklis

In bester "Traumschiff"-Uniform steht Harald Schmidt auf dem Studiodach in Köln-Mülheim. Sein Blick schweift in die Ferne. Die Trompete ertönt, eine Sat.1-Fahne flackert lustlos im Wind. So nimmt Late-Night-Kapitän Harald Schmidt Abschied von seinem Sender - "bevor der Unterhaltungsdampfer mal wieder woanders andockt". Knapp acht Monate nach seinem Comeback bei Sat.1 nimmt Harald Schmidt Kurs auf den Bezahlsender Sky. Vermutlich nicht sein letzter TV-Hafen. Sein Abschied ist kaum gehässig, fast anständig. "Wir gehen in die Sommerpause. Schon im Mai. Das ist der böse Klimawandel." Eine schöne und erfolgreiche Zeit sei es bei Sat.1, dem "verträumten Kuschelsender" gewesen. "Das sag ich ganz ehrlich und unverschlüsselt".

Drei Tage die Woche wird Schmidt in Zukunft im Pay-TV-Sender Sky zu sehen sein. Dienstags bis donnerstags, schon um 22.15 Uhr. Nicht nur "Akte"-Moderator Ulrich Mayer, Schmidts letzter Studiogast am Donnerstagabend, fragt sich: "Welches Abo muss ich jetzt kaufen, um Sie zu sehen?". Doch der umtriebige Talker will zunächst gar nicht über seinen neuen Arbeitgeber reden: "Wir sind bei Sat.1 noch sehr glücklich," spottet er.

Gehässig-liebevolle Abrechnung

Schon im Herbst wird Harald Schmidt seine Late-Night-Show bei Sky fortführen. Es ist nichts weniger als ein biblischer Fluch, der auf ihm lastet. Der ewige Entertainer, er kann einfach nicht aufhören. So beschrieb es Herbert Feuerstein diese Woche in einem Interview mit dem "Spiegel", das man für eine Abrechnung halten konnte jedoch derart voll von liebevoller und ehrfürchtiger Gehässigkeit war, dass es eher einer Würdigung entsprach. Dass Schmidt diese - laut Feuerstein vielleicht nicht als Mensch - aber in jedem Fall als Entertainer verdient hat, bewies er am Donnerstagabend ein letztes Mal bei Sat.1.

Etwa als er zwei seiner "treuesten Zuschauer" in Köln persönlich mit dem Auto abholt und ins Studio fährt. Fernsehschaffende sprächen schließlich oft davon, "Zuschauer abzuholen", erklärt er. Er wollte es in seiner letzten Sendung wörtlich nehmen. Allein die Autofahrt mit dem pensionierten Ehepaar hätte die komplette Sendezeit füllen können. Man spricht über Winterreifen, Ruhestand und drohende Verblödung. Schmidt erzählt von seiner Frau, seiner Heimat Köln und berühmten Nachbarn wie Frank Plasberg. Für seine Zuschauer ändere sich jetzt gar nichts, erklärt er den Fahrgästen seinen Arbeitgeber-Wechsel. "Wir bleiben auch im gleichen Studio. Sie müssen jetzt nur ein Sky-Abo abschließen."

"Weiter, immer weiter!"

Beim Bezahlsender wartet auf Schmidt nun nach eigener Aussage der "Himmel auf Erden". Überall sonst im deutschen Fernsehen hat er in den letzten Jahren verbrannte Erde hinterlassen. Beim "Unterschichtenfernsehen" von Sat.1, bei den Öffentlich-Rechtlichen, wo er mit Oliver Pocher scheiterte, der nun bei Sky auf den ehemaligen Kollegen wartet. Ulrich Meyer dagegen ist seit 20 Jahren bei Sat.1. Das Erfolgsgeheimnis will Schmidt von seinem Studiogast erfahren. Dieser hält es mit Olli Kahn: "Weiter, immer weiter!"

Und dann ist die Sommerpause da. In Gestalt von Kollege Olli Dittrich. Als Sonne verkleidet nimmt er Harald Schmidt an die Hand und führt ihn aus dem Studio - aus dem Kindergarten Sat.1. "Wie war dein Tag heute? Hast du dich wieder gestritten?", fragt Dittrich. Nein, schön war's. "Wir haben gespielt". Schmidt steht vor einer Kindergarderobe und nimmt eine Jacke aus dem Fach, auf dem "Harald" steht. Und ein bunter Sat.1-Ball geht mit. Am 11. September, ruft er, während er auf einem Bollerwagen aus dem Gebäude gezogen wird, sei er wieder da. Seine Spielkameraden ändern sich. Aber er bleibt der alte.