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Mario Adorf ist "Der letzte Patriarch": Der große Bellheim nascht gerne Marzipan

Immer, wenn im deutschen Fernsehen, ein gestandenes Mannsbild, ein Unternehmer alter Schule, gebraucht wird, richten sich alle Augen auf Mario Adorf: Kein Wunder also, dass die ARD für ihren Zweiteiler auch diesmal wieder das altbekannte TV-Urgestein verpflichtet hat. Diesmal geht es um Marzipan - und um böse, Ideen klauende Chinesen.

Schauspieler Mario Adorf macht sich nicht viel aus Schokolade. Aber Marzipan nascht er recht gern: "Ich mag diesen Mandelgeschmack." So hatte er denn auch keine Schwierigkeiten, sich in die Titelrolle seines Films "Der letzte Patriarch" einzufühlen, die die ARD ihm als Geburtstagspräsent zu seinem 80. Geburtstag, den er am 8. September feierte, anbot. An diesem Freitag (20.15 Uhr) ist "Der letzte Patriarch" zu sehen, gleich drei Stunden lang. Denn im Vertrauen auf die Attraktivität von Stoff und Hauptdarsteller riskiert die ARD die Sendung beider Teile an einem Abend.

Adorf spielt hier den allgewaltigen Herrn einer Lübecker Marzipan- Firma, die nur ein wenig an das altrenommierte Traditionsunternehmen Niederegger erinnert, das seinerseits großzügig seine Herstellungsräume für Aufnahmen zur Verfügung stellte. Der alte Mann, mit junger Frau (Ursula Karven) und voll Hunger nach etwas Sonne und Leben in seinen letzten Jahren, will nicht mehr so recht. Wie King Lear tritt er seine Macht an die nächstfolgende Generation ab. Aber, wie der Shakespeare-König, zu früh! Denn in seiner Sippe brodelt es.

Sohn Sven (Kai Scheve) fühlt sich zurückgesetzt. Sohn Lars (Max Urlacher) drängt ins große China-Geschäft und fällt damit schlimm auf den Bauch, da die Chinesen flott den Markenartikel kopieren. Privat erlebt er gleich auch noch seine Katastrophe, da ihn seine von ihm ständig (und nicht zuletzt mit der eigenen Stiefmutter) betrogene Frau endlich verlassen will. Dann aber gibt es noch im fernen China einen dritten Sohn, Ergebnis eines Seitensprungs des alten Herrn mit einer Chinesin - der ferne Nachwuchs sinnt auf Rache am treulosen Erzeuger.

Und auch sonst lässt das Drehbuch von Brigitte Blobel kaum ein Klischee aus. Regisseur Michael Steinke setzt das alles in üppige Bildfolgen um, voll schwelgerischer Schwenks mal über Holsteiner, dann wieder chinesische Panoramen. Keine billige Angelegenheit: "Dieser Film kostete ungefähr das Dreifache einer normalen Produktion", sagt Produzent Norbert Sauer. Eine "normale" Produktion, also ein etwa 90 Minuten langer TV-Film, schlägt mit 1,2 bis 1,5 Millionen Euro zu Buch.

Und am Anfang stand noch eine schlimme Überraschung: Schanghai, wo weite Teile des Films spielen, hatte sich im Zeichen der nahenden Expo in eine einzige riesige Baustelle verwandelt. So musste denn nach Singapur ausgewichen werden, während die Landschaftsaufnahmen in Vietnam entstanden. Ein Trost: Die Produzenten kamen nun in den Genuss großzügig bemessener Gelder der Singapurer Filmförderung. Die Zusammenarbeit mit den Chinesen verlief allerdings so erfreulich und professionell, dass sie Norbert Sauer gern fortsetzen möchte. Schon sind zwei Koproduktionen in Planung. Einmal ein Actionfilm mit dem Arbeitstitel "Die Totenmaske des Kaisers" und dann eine große Lovestory nach dem Roman "Chinesisch für Anfänger" der deutsch- chinesischen Autorin Petra Häring-Kuan.

DPA / DPA