VG-Wort Pixel

Verbotene Liebe Miriam Lahnstein spielte die böse Intrigantin in der ARD-Soap. Was macht sie heute?

Miriam Lahnstein, 48, zu Hause in Düsseldorf
Miriam Lahnstein, 48, zu Hause in Düsseldorf
© Henning Ross
20 Jahre lang machte Miriam Lahnstein als "Tanja von Lahnstein" vielen Figuren in der ARD-Soap "Verbotene Liebe" das Leben schwer. Dafür kassierte sie sogar schonmal eine Ohrfeige.
Anne Hansen

Eigentlich war Ihre Rolle nur für drei Monate angelegt. Sie sollten mal eben das große Liebespaar Jan und Julia auseinanderbringen und dann wieder von der Bildfläche verschwinden. Es wurden 20 Jahre.
Den Autoren gefiel mein Spiel, und ich wurde gefragt, ob ich bleibe. Natürlich wollte ich! Sie haben sich dann richtig ausgetobt, und die Tanja wurde ein Biest, das im deutschen Fernsehen wohl einmalig war. Wahrscheinlich würden sie so eine Rolle heute gar nicht mehr schreiben, die Stoffe sind leider wesentlich zahmer geworden.

Sie haben nichts ausgelassen. Elf Morde und zwölf Mordversuche gehen auf Ihr Konto. Von Lappalien wie Erpressungen und Entführungen ganz zu schweigen. Chapeau!
Jetzt sagen Sie auch schon Sie, aber das war doch Tanja! Viele Zuschauer hatten Probleme, Fiktion und Realität auseinanderzuhalten. Bei einer Autogrammstunde bekam ich von einer Frau glatt eine Ohrfeige.

Wolfram Grandezka (als Ansgar von Lahnstein) und Miriam Lahnstein (als Tanja von Lahnstein) in "Verbotene Liebe"
Wolfram Grandezka (als Ansgar von Lahnstein) und Miriam Lahnstein (als Tanja von Lahnstein) in "Verbotene Liebe"
© dpa

Konnten Sie die Rolle zu Hause ablegen, oder wollten Sie auch mal privat jemanden vergiften? Jetzt können Sie es verraten …
Es kann keinen größeren Unterschied zu meiner Person geben als die Rolle Tanja von Lahnstein. Aber genau das war natürlich eine wunderbare schauspielerische Herausforderung. Ich hatte während der ganzen Zeit übrigens selten schlechte Laune im Privaten. Das konnte ich alles über Tanja rauslassen.

Miriam Lahnstein: "Ich bin weich gefallen"

Nach 20 Jahren kam 2015 das Aus der Serie. Wie war das für Sie?
Ich war traurig, weil wir Schauspieler uns alle und das Format so sehr mochten. Aber ich bin weich gefallen. Ich hatte zwei kleine Kinder zu Hause und einen engen Freundeskreis. Wahrscheinlich bin ich die klassische rheinische Frohnatur. Ich lasse mich wenig von Angst leiten und habe ein tiefes Grundgefühl in mir, dass es positiv weitergeht.

Sie hatten sich während Ihrer Arbeit bei "Verbotene Liebe" ein zweites Standbein aufgebaut. Parallel haben Sie Psychologie in Düsseldorf studiert.
Ich wollte mich über meine Arbeit als Schauspielerin hinaus entwickeln und weiter meinen Kopf füttern.

Seit zwei Jahren arbeiten Sie als Kinder-und Jugendpsychotherapeutin in einer Düsseldorfer Klinik. Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?
Während der Lockdowns kamen viele Jugendliche mit Ess- und Zwangsstörungen, Angst und Depressionen zu uns. Den leidtragenden Part von Kindern und Jugendlichen haben viele nicht genügend gesehen. Zum Teil warten sie ein Jahr auf einen ambulanten Therapieplatz. Es müsste viel mehr Angebote geben. Die psychischen Folgen sind enorm!

Sie drehen nebenbei auch noch. Was gefällt Ihnen besser, das Filmset oder die Klinik?
Ich bin froh, dass ich beides habe. Es ist tief bewegend zu sehen, wenn Patienten nach der Therapie gesünder und glücklicher hinausgehen. Genauso liebe ich es, am Set zu stehen und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Ich werde übrigens immer noch oft auf Tanja angesprochen. Meine Patienten kennen mich nicht, aber ihre Eltern sind zum Teil mit mir erwachsen geworden. Auch auf dem Spielplatz heißt es oft: "Waren wir nicht in einer Krabbelgruppe?" Meistens kommt raus, dass sie mich 20 Jahre lang jeden Abend auf ihrer Mattscheibe hatten. Tanjas Sünden sind eher kultig inzwischen. Ohrfeigen fürchte ich heute nicht mehr. 

Erschienen in stern 38/2022

Mehr zum Thema

Newsticker