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Nach dem Wechsel von der ARD zu Sat1: Herr Schmidt zieht vom Leder

"Die wussten nicht, wohin mit mir": Die ARD und Harald Schmidt, sie konnten offenbar nicht richtig warm miteinander werden. Im Interview mit der "Zeit" redet der Moderator über seine Gründe, nach sieben Jahren wieder zu Sat1 zurückzukehren. Und darüber, wie schwer sich die ARD-Oberen im Umgang mit ihm taten.

Wenn ein Harald Schmidt geht, dann kann sich sein ehemaliger Arbeitgeber auf bissige Sprüche gefasst machen. Im Gespräch mit der "Zeit" lässt er kein gutes Haar an den Verantwortlichen im Ersten, dem er nun den Rücken kehrt.

Schmidt hatte genug von der Debatte um das neue Schema für das neue ARD-Abendprogramm, in dem für die "Harald Schmidt Show" offenbar kein attraktiver Platz zu finden war: "Die wussten nicht, wohin mit mir. Jetzt hinterlasse ich 26 Sendeplätze und 'ne Menge Kohle. Mein Etat reicht für 500 Ina-Müller-Sendungen." Doch das war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte - Schmidt fühlte sich von den ARD-Oberen vernachlässigt. Nur drei Mal in den ganzen sechs Jahren hätten sie direkt Kontakt zu ihm aufgenommen: ein Essen mit Ex-Intendant Fritz Pleitgen, ein Treffen mit ARD-Hauptstadtstudio-Leiter Ulrich Deppendorf und eine Begegnung mit Programmchef Volker Herres. "Die Weihnachtsgrüße sind von Jahr zu Jahr formeller geworden...", beklagt er im Interview mit der Wochenzeitung.

Offenbar wussten die Herren nicht, was sie mit einem wie Schmidt anfangen sollen - dafür spricht das Gerangel um den passenden Sendeplatz. Und offenbar auch fehlende Perspektiven. Dazu passt Schmidts Antwort auf die Frage, welche Pläne die ARD mit ihm gehabt habe: "Weiß ich nicht." Es habe auch keine Gespräche über die Zukunft gegeben, sagt Schmidt, "ich bin davon überzeugt, dass, wenn ich jetzt nicht gegangen wäre, unsere Zusammenarbeit aufgrund der möglichen neuen Angebote sowieso aufgehört hätte." Der Moderator hat mit dem Wechsel zu Sat1 die Konsequenzen gezogen: "Als ehemaliger Marxist und Zivildienstleistender kann ich viel mit dem Satz anfangen 'Völker, hört die Signale'. Ich habe die Signale verstanden."

"Die klare Frage: Bist du dein Geld wert?"

Eine Überraschung war es schon, dass Schmidt nun ausgerechnet zu dem Sender zurückkehrt, für den er vor sieben Jahren auf keinen Fall weiterarbeiten wollte. Warum ist er 2003 von dort geflüchtet? Seine Erklärung im Interview mit der "Zeit": "Ich konnte nicht mehr, hatte mich zu sehr verausgabt. Ich brauchte damals unbedingt eine Pause." Jetzt reizt es ihn, wieder bei Sat1 zu sein. "Gut finde ich, dass ich in Zeiten der großen Finanzkrisen in einem börsennotierten Unternehmen wieder anfange. Nicht mehr die undurchsichtige Welt der ARD, sondern die klare Frage: Bist du dein Geld wert?"

Die "Harald Schmidt Show" hatte zuletzt viele Fans verloren. Der Meister war nicht mehr bissig, die Gags zündeten nicht, die Quote war schlecht. Auch nach der Trennung von Comedian Oliver Pocher als Sidekick fand er im Herbst 2009 nicht zu seiner gewohnten Form zurück. Die Hoffnung: Dass der Wechsel nun ein Befreiungsschlag ist. Schmidt selbst sieht es als Neuanfang und beschreibt, was ihm vorschwebt: "Die Sendung von David Letterman, als er dem Publikum sagte, dass er fremdgegangen ist und deswegen erpresst wurde. Sensationell, wie er das gemacht hat. Ein Mann verschmilzt mit der eigenen Show." Auf dem Weg sei er damals bei Sat1 gewesen. Und genau da wolle er wieder hin, es müsse alles extrem werden. Die Schmidt-Fans wird das freuen. Oliver Pocher auch, er hat Schmidt bereits eine SMS geschrieben: "Welcome back".

ukl