HOME

Neue Folgen von "Die Brücke": Öko-Terror an der Öresundbrücke

Eine Blondine mit autistischen Zügen, ein chaotischer Fremdgänger: Die skandinavische Krimiserie "Die Brücke" verspricht Ermittler jenseits des "Tatort"-Allerleis. Im ZDF läuft die zweite Staffel an.

Mit skandinavischen TV-Serien ist es wie mit den berühmten Wünschen an eine Märchenfee. Man freut sich drei Mal - und dann ist plötzlich Schluss. Die Dänen produzieren von ihren besten Formaten in der Regel nämlich nur drei Staffeln. Am Ende des dritten Durchgangs begeht der Held dann zum Beispiel einen tragischen, unverzeihlichen Fehler ("Kommissarin Lund") oder räumt in seinem Leben auf ("Borgen - Gefährliche Seilschaften"). Da ist es doch Grund zur Freude, dass von "Die Brücke" - einer der besten skandinavischen Krimis der vergangenen Jahre - an diesem Sonntag erst die zweite Staffel anläuft. Start der fünf neuen Folgen ist um 22.00 Uhr im ZDF.

Zuschauer brauchen eigentlich wenig Vorkenntnisse, um in die zweite Staffel der Serie einzusteigen. Aber hier noch einmal die wichtigsten Spleens, Probleme und Neurosen der beiden Hauptfiguren: Der dänische Kriminalkommissar Martin Rohde (Kim Bodnia) ist ein gutmütiges Schmunzelmonster, aber auch ein enormer Chaot. Ihm passieren häufig Pannen und er ist in der Ehe nicht sehr treu. Außerdem liegt ein gewaltsamer Tod in seiner Familie wie ein Schatten über dem Mann aus Kopenhagen. Rohde ist mittlerweile bei Frau und Kindern ausgezogen.

Lungenpest und Giftanschlag

Seine hübsche, schwedische Kollegin Saga Norén (Sofia Helin) dagegen ist eine zielstrebige Ermittlerin, sie eckt aber häufig bei ihren Mitmenschen an. Egal wie brutal die Tat ist: Die Frage, ob man nach internationalen Standards auf einem Schiff oder einem Boot steht, hat Gewicht. Denn die Blondine aus Malmö hat das Asperger-Syndrom, eine abgeschwächte Form von Autismus. Wenn sie in ihrer Beziehung nicht mehr weiß, worüber sie reden kann, hat sie einfach Sex. Lächeln muss sie mühsam üben. Wieder ist es ein abartiges Verbrechen an der Brücke zwischen Dänemark und Schweden, welches das Duo zusammenführt.

Ging es in der ersten Staffel noch um eine Leiche aus zwei verschiedenen Hälften, haben dieses Mal Unbekannte ein halbes Dutzend Teenager mit Hilfe von K.O.-Tropfen überwältigt, entführt und mit der Lungenpest infiziert. Die Jugendlichen werden auf einem großen Schiff angekettet, das ohne Steuermann die Öresundbrücke rammt. Es bleibt nicht der letzte Anschlag auf die Bevölkerung der Grenzregion. Schon bald sterben arglose Verbraucher an vergiftetem Obst. Offenbar stecken Öko-Terroristen hinter diesen feigen Taten. Doch wer hängt alles mit drin? Viele Handlungsfäden gilt es zu verbinden. Und die Drehbuchautoren nehmen sich Zeit. Schließlich sind fünf Doppelfolgen zu füllen. Die Kunst des langen Atems trägt zum Charme der "Brücke" bei.

Remakes in den USA und Großbritannien geplant

Ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal besitzt diese ZDF-Koproduktion aber vor allem dadurch, dass die namensgebende Öresundbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen der stille Star der Handlung ist. Immer wieder ist zu leiser Musik vor allem sie im Bild. Tag und Nacht. Mit Kamerafahrten von atemberaubender Schönheit und als Kulisse für teuflische Taten und Dialoge von abgründigem Witz. Die Brücke nützt den Mördern genauso wie den Helden. Der Erfolg der Serie hat international übrigens gleich zwei Nachahmerprojekte auf den Plan gerufen. Die Amerikaner wollen eine US-Polizistin und einen mexikanischen Ermittler auf Verbrecherjagd gehen lassen. Und ein britisch-französischer Produktionsverbund will sein grenzüberschreitendes Duo sogar unter die Erde schicken: in den Tunnel unter dem Ärmelkanal.

Christof Bock, DPA / DPA
Themen in diesem Artikel