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Neue US-Serie: Wie ich eure Mutter nicht traf

Seit dem Ende der Kultserie "Friends" wurde das stinknormale Leben von ein paar jungen New Yorkern nicht mehr so lustig dargestellt. Endlich kommt die grandiose US-Sitcom "How I met your mother" auch ins deutsche Fernsehen.

Von Carolin Neumann

Im Jahr 2030 bittet Ted Mosby seine beiden Kinder zu sich aufs Sofa, um ihnen in allen Details zu erzählen, wie er einst ihre Mutter traf. "Sollen wir für irgendwas bestraft werden?", fragt der Sohn. Und die Tochter nörgelt: "Dauert das vielleicht länger, Dad?". Das könnte man so sagen: Mittlerweile dauert die Geschichte schon drei Jahre und 65 Folgen. Jetzt kommt "How I met your mother", eine der besten Comedyserien der letzten zehn Jahre, endlich nach Deutschland. ProSieben unterschätzt die Emmy-prämierte Sitcom leider gnadenlos. Anstatt sie zu bester Zeit im Abendprogramm zu zeigen, wird sie am Zuschauer-armen Samstagmittag verpulvert.

Stinknormal, aber gnadenlos lustig

Teds (Josh Radnor) Erzählung beginnt im Jahr 2005, als der junge Architekt mit seinem besten Freund Marshall (Jason Segel) in New York lebt. Als sich Marshall mit seiner langjährigen Freundin Lily (Alyson Hannigan) verlobt, erkennt Ted, dass er die Nase voll hat vom Single-Dasein. So sehr es ihm sein Freund Barney auch auszureden versucht, Ted will die Frau fürs Leben finden. Und wie es das Schicksal - und die Serienlogik - so will, lernt er an diesem Tag die Fernsehmoderatorin Robin (Cobie Smulders) kennen. Für Ted ist es Liebe auf den ersten Blick, nur ist Robin leider an einer festen Beziehung nicht interessiert. Natürlich ist sie nicht die Mutter seiner Kinder. Wer tatsächlich Teds Zukünftige ist, wird wohl solange ein Geheimnis bleiben, bis die Serie irgendwann endet. Einer herrlichen On-Off-Beziehung von Ted und Robin in der Zukunft steht das dennoch nicht im Wege. "So traf ich eure Tante Robin", erzählt er 2030 seinen Kids und in der Tat treffen sich in Ted, Marshall, Lily, Robin und Barney fortan täglich in ihrer Lieblingsbar "McLaren's".

Fünf Freunde in New York, die sich ihr Liebesleid beichten und Banalitäten aus ihrem Leben erzählen: Auf Anhieb klingt die Story wie ein reiner Abklatsch der 90er-Jahre-Sitcom "Friends", ist sie aber nicht. Die Kultserie, die Jennifer Aniston zum Star machte, hat mit "How I met your mother" einen mehr als ebenbürtigen Nachfolger gefunden, der allein durch seine ungewöhnliche Erzählperspektive "Friends" in so mancher Hinsicht übertrifft. Die Charaktere sind unheimlich lebensnah geschrieben. Craig Thomas und Carter Bays, beide Gag-Schreiber für den US-Talkmaster David Letterman, haben sich dafür an sich selbst und Leuten, die sie kennen, orientiert. Charaktere wie Ted - ein Durchschnittstyp, sympathisch, aber hoffnungslos romantisch und erfolglos in der Liebe - könnte man auch in der heimischen Bar treffen. Vier frische Fernsehgesichter und die Comedy-erprobte Alyson Hannigan ("American Pie") machen die Figuren noch um ein vielfaches authentischer. Kein Overacting, keine übertriebene Slapstick-Komik: "How I met your mother" strotzt nur so vor Normalität, die - mit allerlei Popkultur-Referenzen und Wortwitz versetzt - selten so lustig war.

"Wir sehen uns in der Bar…im Anzug!"

Der nicht so heimliche Star von "How I met your mother" ist Barney Stinson, ein Womanizer, der zu jeder Gelegenheit gestriegelt und im Anzug erscheint. Ständig versucht er seine Freunde zu überreden, auch im Anzug zu kommen. Barney lebt nach seinen ganz eigenen Regeln: Ein Blinddate läuft nicht gut? Dafür hat er ja das "Lemon Law" des Dating erfunden. In Amerika regeln "Lemon Laws" die Rechte von Autokäufern, wenn ein Fahrzeug die Leistungen und Qualitätsstandards nicht erfüllt. Beim Rendezvous heißt das: Barney hat fünf Minuten Zeit, sich umzuentscheiden und abzuhauen, wenn ihm sein Gegenüber nicht gefällt. Und Barney hat hohe Ansprüche an die Frauen, die er ohnehin nie wieder anruft. Barney findet vieles in seinem Leben - aber am meisten sich selbst - "awesome", einfach toll. Leider verlieren viele von Barneys Charaktersätzen durch die Synchronisation ihre Kraft und den Wiedererkennungswert. Dennoch kann man sich seinem Charme nicht entziehen. Von Fans wird er längst als einer der stärksten TV-Charaktere aller Zeiten gehandelt. Kein Wunder, dass Barney-Darsteller Neil Patrick Harris bereits zum zweiten Mal für einen Emmy nominiert ist.

Selbst Joss Whedon, Erfinder von Serien wie "Buffy" und "Firefly", outete sich unlängst als Fan der Sitcom. Im amerikanischen Seriengeschäft kommt das einem Ritterschlag gleich. Craig Thomas und Carter Bays bedienen sich im Gegenzug fleißig an Darstellern aus Whedons Ensemble. Nicht nur Kindergärtnerin Lily, sondern auch zahlreiche Gastrollen wurden mit Schauspielern aus Serien wie "Buffy" besetzt. Außerdem traten schon Stars wie Mandy Moore, Enrique Iglesias und - von Kritikern gefeiert - Britney Spears auf. Der gebeutelte Popstar läutete im Frühjahr mit dem Sitcom-Debüt sein Comeback ein. Für "How I met your mother" bedeutete ihr Gastspiel die besten Quoten in der Seriengeschichte.

In wenigen Tagen startet in den USA bereits die vierte Staffel. Zwar erfährt der Zuschauer mit der Zeit, dass sich Ted und seine zukünftige Frau schon öfter über den Weg gelaufen sind und am gleichen Ort aufgehalten haben, doch die Identität der "mother" ist nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Autoren selbst noch nicht wissen, mit wem Ted am Ende glücklich wird.

"How I met your mother" läuft ab dem 13. September immer samstags um 14 Uhr in Doppelfolgen auf ProSieben