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Polit-Talksendung im Ersten: ARD holt Günther Jauch

Da ist der ARD ein Coup gelungen: Günther Jauch wird von 2011 an am Sonntagabend eine Polit-Talkshow im Ersten moderieren. RTL und "Wer wird Millionär" bleibt Jauch aber treu.

Günther Jauch, einer der bekanntesten deutschen Fernsehmoderatoren, soll jetzt doch die ARD verstärken: Vom Herbst 2011 an werde der 53-Jährige auf Anne Wills bisherigem Sendeplatz am Sonntagabend um 21.45 Uhr einen Polittalk moderieren, teilte die ARD am Donnerstag mit. Sein Vertrag, geschlossen mit NDR und WDR, laufe über drei Jahre. Die Gremien müssen allerdings noch zustimmen.

"Schön, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat", zitierte die ARD den Moderator. "Jetzt freue ich mich auf meine Sendung am Sonntagabend im Ersten." Vor rund dreieinhalb Jahren war der Wechsel Jauchs zur ARD gescheitert, weil ihm aus seiner Sicht zu viel Widerstand aus Reihen der ARD-Gremien entgegengebracht wurde. Jauch wollte sich nicht näher zur Sendung äußern, bis "alles endgültig fix" sei. Außerdem stecke er gerade für RTL in den Vorbereitungen für die Fußball WM. Offen ist auch, ob er den ARD-Talk selbst produziert.

ARD-Chef freut sich "über perfekten Coup"

Jauchs Verpflichtung geht bei der ARD einher mit einem neuen Programmkonzept. Jauch moderiert am Sonntag um 21.45 Uhr seinen Polittalk, von montags bis donnerstags legt die ARD einheitlich den Ausstrahlungsbeginn der "Tagesthemen" auf 22.15 Uhr fest. Am Montag gibt es wie bisher um 22.45 Uhr "Beckmann", am Dienstag zur selben Zeit "Maischberger" und am Mittwoch "Hart aber fair" mit Frank Plasberg (bislang um 21.45 Uhr).

Ganz neu: Auch am Donnerstag soll es eine Gesprächssendung geben. Offen lässt die ARD, ob der Sendeplatz um 22.45 Uhr für Anne Will bestimmt ist, denn sie soll ihre Sendung künftig behalten. Sie würde am Donnerstag unmittelbar mit ZDF-Talkerin Maybrit Illner konkurrieren, die bereits um 22.15 Uhr startet. Ein ARD-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Mit Blick auf Jauch sagte der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust: "Wir bieten dem Großmeister der journalistischen Unterhaltung ein Programmumfeld, das seinen Fähigkeiten entspricht. Und den Gebührenzahler kostet seine Verpflichtung keinen Cent mehr. Dazu die Vereinheitlichung der "Tagesthemen"-Anfangszeiten: ein perfekter Coup." ARD-Programmdirektor Volker Herres erklärte, mit Jauch werde das Erste sein Informationsprofil weiter stärken und das Angebot "noch klarer und verlässlicher strukturieren".

Jauch bleibt RTL und "WWM" treu

RTL und Jauch wollen ihre "erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich Show und Unterhaltung" fortsetzen, hieß es unterdessen vom Kölner Privatsender. "Wer wird Millionär?", seit 1999 im Programm, gebe es weiter. "Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeite ich gut und vertrauensvoll mit RTL zusammen", zitierte RTL Jauch. "Diese erfolgreiche Kooperation werden wir fortsetzen. 'Wer wird Millionär?' geht weiter, so lange der Sender und ich Freude daran haben und die Zuschauer es sehen wollen. Darüber hinaus arbeiten wir, wie in der Vergangenheit auch, an neuen Showkonzepten." Geplant ist eine Fortsetzung der Show "5 gegen Jauch" und eine völlig neue Sendung, die RTL im Juli präsentieren möchte.

Die Sendung stern TV gibt Jauch nach mehr als 20 Jahren hingegen auf. Wer ab 2011 das von Jauch mit seiner Firma I&U Information und Unterhaltung produzierte Magazin moderieren wird, ist offen. "Wir sind natürlich nicht glücklich über seine Entscheidung in Sachen stern TV, freuen uns jedoch sehr auf die Fortsetzung unserer bewährten Zusammenarbeit im Showbereich", sagte RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt.

Rückkehr zu seinen Wurzeln

Für Jauch ist der Vertrag mit der ARD auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Seinen ersten Job bekam er beim Bayerischen Rundfunk, zunächst in der Sportredaktion, später als Zeitfunk-Redakteur und Korrespondent. Ab Juli 1985 moderierte er zusammen mit Thomas Gottschalk die B3-Radioshow - das Sprungbrett zu einer großen Karriere. Mit 29 Jahren stieg Jauch beim Fernsehen ein und moderierte im ZDF "Das aktuelle Sportstudio", "Menschen" und die "Große Show der achtziger Jahre", bevor er 1990 zu RTL wechselte und stern TV übernahm.

P.S.: Günther Jauch als Polit-Talker - kann er das? Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit auf der Facebook-Seite von stern.de.

joe/DPA/AFP / DPA