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Serie "Black Sails" auf ProSieben: "Fluch der Karibik" für Erwachsene

Sex, Sand und Schwerter: Am Freitagabend startet auf ProSieben die Piratenserie "Black Sails". Erzählt wird die Vorgeschichte der "Schatzinsel". Auch Landratten sollten einschalten!

Von Christoph Fröhlich

Endlich eine Piraten-Serie, wird sich so mancher Fan denken. In "Black Sails" jagt der ruchlose Captain Flint (Toby Stephens, M.) den Silberschatz der spanischen Schatzgaleone "Urca de Lima".

Endlich eine Piraten-Serie, wird sich so mancher Fan denken. In "Black Sails" jagt der ruchlose Captain Flint (Toby Stephens, M.) den Silberschatz der spanischen Schatzgaleone "Urca de Lima".

Polizisten. Spione. Hexen. Vampire. Superhelden. Gefängnisinsassen. Drogenbosse. Cowboys. Vermutlich gab es in den vergangenen Jahren so ziemlich jeden Archetyp einer Figur in der Serienwelt zu sehen - außer Piraten. Kein Wunder: Seeschlachten sind nicht nur teuer zu inszenieren, Piraten gelten auch nicht gerade als smarte Prachtkerle. Sie sind gierig, verlogen und manchmal sogar nur einäugig. Welcher Schauspieler will sich so etwas über Jahre antun - sieht man einmal von Johnny Depp als tuntigen Captain Jack Sparrow ab? Der amerikanische Pay-TV-Sender Starz, der bereits mit der Gladiatorenmetzelei "Spartacus" für Aufsehen sorgte, wollte es wissen und zeigte im Januar in den USA die Piratenserie "Black Sails", die von niemand Geringerem als Michael Bay ("Transformers", "Armageddon") mitproduziert wird. Nun läuft die Serie in Deutschland auf ProSieben.

Sex, Sand und Schwerter

"Black Sails" beginnt im Jahr 1715, dem Goldenen Zeitalter der Karibik, erzählt wird die Vorgeschichte des Romans "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson. Gleich in den ersten Minuten bekommt man einen Eindruck vom rauen Leben auf hoher See, als die Crew eines Handelsschiffes verzweifelt versucht, dem Angriff einer Piratemeute stand zu halten. Da schießen Kanonen, klirren Schwerter, feuern Musketen. Doch so spannend die beklemmende Enge der eingesperrten Crew inszeniert ist, so billig wirken teilweise die Special Effects. Vor allem bei den Totalen auf hoher See sieht man der Serie an, dass sie nicht das Budget eines HBO-Dramas hatte. Auch die Kampfsequenzen sind nicht so packend inszeniert wie bei "Spartacus", dankenswerterweise verzichteten die Macher diesmal aber auf den Einsatz von literweise Kunstblut. Eines haben beide Serien gemeinsam: Es gibt viel nackte Haut zu sehen.

Hauptfigur der Serie ist Piratenkapitän Flint (Toby Stephens), der einen schweren Stand bei seiner Crew hat, da sein letzter großer Beutezug schon ein Weilchen her ist. Er ist ein freiheitsliebender, intelligenter Mann, der insgeheim eine Sehnsucht nach einem Leben fernab der Weltmeere hat. Er würde sich gerne zur Ruhe setzen und Frieden finden. Doch zugleich schlägt eine zweite, brutale Seele in seiner Brust: Seit Monaten jagt er der spanischen Schatzgaleone "Urca de Lima" hinterher, die eine Silberladung im Wert von fünf Millionen Dollar an Bord haben soll. Und er setzt alles daran, sie zu erobern, und geht dafür auch über Leichen.

Zu Flints Mannschaft gehört der junge John Silver (Luke Arnold), der zwanzig Jahre später als holzbeiniger Long John Silver Geschichte schreiben wird .Er heuert bei Flint als Koch an, verfolgt in Wahrheit aber seine eigenen Pläne, denn er hat die geheime Route der "Urca" in die Hände bekommen. Die weiblichen Hauptrollen sind die geheimnisvolle Prostituierte Max (Jessica Parker Kennedy) und Eleanor Guthrie (Hannah New), die Tochter eines Schwarzmarkthändlers und Besitzerin einer Taverne im Piratenort Nassau. Mit Charles Vane und Anne Bonny gibt es auch echte historische Persönlichkeiten, was Piraten-Fans das Herz höher schlagen lässt.

Weißer Sand und weiße Zähne

Das Figurenensemble ist anfangs unübersichtlich, als Zuschauer hat man das Gefühl, die Serienautoren hätten stets in Richtung "Game of Thrones" geschielt, ohne aber die Raffinesse und Komplexität des Fantasyepos zu erreichen. Die Figuren wirken mitunter wie mit der Machete geschnitzt und sind eher Abziehbilder klassischer Rollenmuster als vielschichtige Charaktere. Die Autoren glauben beispielsweise, es würde reichen, Eleanor ständig fluchen zu lassen, um sie wie eine taffe, charismatische Frau wirken zu lassen. Leider reicht das nicht.

Auch einige Logikpatzer sorgen immer wieder für Kopfschütteln - wieso haben beispielsweise alle Piraten, und wenn sie noch so verlumpt in einer Bar herumhocken, strahlend weiße und perfekt gepflegte Zähne?

Es dauert eine Weile, bis "Black Sails" Fahrt aufnimmt. Doch in der zweiten Hälfte der Staffel (acht Episoden) zieht die Spannung merklich an, wenn die Segel gesetzt sind und die Crew um Leben und Tod kämpft. Dann bekommt man alles zu sehen, was gute Piraten-Action ausmacht.

"Black Sails" läuft ab 25. Juli freitags um 20.15 Uhr auf Prosieben