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Serienclub: "The Trip": Unsinn reden, essen und wunderbaren Unsinn reden

Der Serien-Geheimtipp fürs Wochenende: Vor fünf Jahren brachen die britischen Komiker Steve Coogan und Rob Brydon zu einer kulinarischen Reise auf. Eigentlich testen sie nur sündhaft teure Restaurants. Doch "The Trip" ist vor allem eines: ganz große Comedy.    

Von Bernd Teichmann

"The Trip"

In der urkomischen BBC-Serie "The Trip" unternehmen die britischen Komiker Steve Coogan und Rob Brydon kulinarische Reisen durch die englische Provinz, in der zweiten Staffel durch Italien.

Bevor's losgeht, müssen wir die beiden Herren wohl erstmal vorstellen. Da haben wir zunächst Steve Coogan, in England eine Comedy-Legende, bei uns höchstens bekannt durch zahlreiche Nebenrollen in Hollywood-Produktionen wie "In 80 Tagen um die Welt", "Nachts im Museum" oder "Tropic Thunder". Arthouse-Kinofreunde werden ihn womöglich noch aus dem berührenden Drama "Philomena" (2013) in Erinnerung haben. Darin spielte er den Journalisten Martin Sixsmith, der die Titelheldin (Judi Dench) auf ihrer Reise in ihre tragische Vergangenheit begleitet und dabei von seinem Zynismus kuriert wird. Coogan hatte auch das oscarnominierte Drehbuch geschrieben.

Seine berühmteste Figur ist der fiktive TV-Showmaster Alan Partridge, bei dem maßlose Selbstüberschätzung und ausgeprägte Talentfreiheit ziemlich wirkungsvoll aufeinandertreffen. Über mehrere Fernsehserien und in einem Kinofilm zelebrierte Partridge seinen Dilletantismus, am denkwürdigsten in "Knowing Me, Knowing You With Alan Partridge" (1994/95), wo er als Talkmaster mit Schlagersängerfrisur und in gruseligen Samtanzügen seine Gäste und das Publikum mit seinen Peinlichkeiten traktierte.

Dann haben wir auf der anderen Seite den walisischen Komiker Rob Brydon, auf der Insel ungefähr genauso berühmt und beliebt wie Coogan. Brydon wurde mit seinen zahlreichen Shows und Moderationen, viele davon für die BBC, populär. Seit einigen Jahren tritt er auch als Stand-Up-Comedian auf und gilt außerdem als famoser Stimmen-Imitator- und Jongleur.

2005 spielten die beiden in Michael Winterbottoms Film-im-Film-Komödie "A Cock and Bull Story" fiktionalisierte Versionen von sich selbst, zwei rivalisierende Schauspieler, die sich bei den Dreharbeiten zu einem Historiendrama einen Sport daraus machen, sich wichtiger zu nehmen als der andere. Aus diesem Prinzip entwickelten die drei 2010 den Sechsteiler "The Trip". 

 Darin fahren Coogan und Brydon für den "Observer", die Sonntagsausgabe des" Guardian", durch die nordenglische Provinz (1. Staffel) und von Ligurien nach Capri (2. Staffel, gedreht 2014), um sündhaft teure Restaurants zu testen. Das Duo fährt durch malerische Landschaften, redet dabei wunderbaren Unsinn, kehrt ein, redet wunderbaren Unsinn, isst und redet wunderbaren Unsinn. Das ganze Geschehen ist geprägt von der unterschwelligen Rivalität der beiden, die sich permanent teasen, in ihrer Originalität und Sponaneität zu übertumpfen versuchen. Viele der Dialogpassagen sind improvisiert, viele umwerfend lustig, viele gleichzeitig auch zum Fremdschämen. Hier schon mal zwei ganz große Würfe, als kleine Appetizer auf Youtube zu besichtigen: Coogans und Brydons Verbalschlacht als Schauspieler-Imitatoren. 

Beide Staffeln von "The Trip" gibt es bei amazon.co.uk in einer Box für ca. 14 Euro. Originalfassung mit englischen Untertiteln.

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