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Superbowl-Halbzeitshow Das war Wahnsinn, The Weeknd - doch wo waren die Gefühle?

The Weeknd tritt beim Superbowl in einer spektakulären Kulisse auf
The Weeknd tritt beim Superbowl in einer spektakulären Kulisse auf
© Kevin C. Cox / Getty Images
Willkommen im Spiegelkabinett des Dr. Weeknd: Mit einer technisch und visuell beeindruckenden Kulisse überzeugte der Sänger bei der Superbowl-Halbzeitshow. Leider gingen im Bombast aus Effekten die Gefühle flöten.

Dieser Einstieg konnte mit den ganz Großen mithalten: Katy Perry ritt auf einem Tiger herein, Madonna ließ sich auf einer Sänfte tragen und Lady Gaga sprang vom Dach ins Stadion. The Weeknd wählte für seinen Start in die Halbzeitshow des 55. Superbowl-Finales ein Spiel mit den Elementen. Er war auf der riesigen Anzeigentafel des Raymond-James-Stadions in Tampa zu sehen, stieg dann aber physisch aus einem Fahrzeug, so als wäre er gerade angefahren gekommen. Der kanadische Sänger setzte sich hoch oben an die Kante des Displays und schien das ganze Geschehen zu beobachten. Nur um in der nächsten Minute auf einer sich öffnenden Tribüne aus einem Lichtstrahl hinabzusteigen. Ein grandioser Moment.

20.000 Zuschauer – coronabedingt war nur knapp ein Drittel der Plätze belegt worden – jubelten The Weeknd, der mit bürgerlichem Namen Abel Makkonen Tesfaye heißt und in Toronto geboren ist, in der Arena zu. Rund sieben Millionen Dollar (5,3 Millionen Euro) soll er zusätzlich in die Halbzeitshow aus eigener Tasche gesteckt haben, um das Spektakel perfekt zu machen. Eine Kulisse wie Las Vegas in den 50er Jahren mit bunten Neonleuchtreklamen, einem riesigen Chor und viel Feuerwerk bildeten den glanzvollen Rahmen. Erstmals fand eine Halbzeitshow überwiegend am Rand auf der Tribüne statt und nicht mitten auf dem Spielfeld. Das nutzte The Weeknd für viele technische Spielereien.

Die extra für den Auftritt errichtete Tribüne konnte auf und zugeschoben werden. Im Inneren befand sich eine Art goldenes Spiegelkabinett, in das sich The Weeknd im roten Glitzerjackett zu verirren schien. Im Selfiemodus einer Kamera wurde er beobachtet, eher er von Gestalten mit weißen Gesichtsmasken heimgesucht wurde. Willkommen im Spiegelkabinett des Dr. The Weeknd. Ja, auch die Halbzeitshow war coronakonform. Abstand und Masken waren für Chor und Tänzer Pflicht. The Weeknd schaffte es wieder nach draußen und Tribüne, und das Display der Anzeigentafel schienen zu einer einzigen Kulisse zu verschmelzen. Abwechselnd war ein Blick ins Stadion und die Totale zu sehen. Beeindruckend und originell.

The Weeknd sang beim Superbowl seine größten Hits

Der 30-Jährige gab in der 13-minütigen Show seine größten Hits zum Besten. Angefangen mit "Starboy" über "Can't Feel My Face" zu "Earned It" und natürlich als Highlight seinen weltweiten Nummer-eins-Hit "Blinding Lights". Für den spazierte The Weeknd mit hunderten Tänzern doch noch über den heiligen Rasen und zeigte, wie eindrucksvoll eine ausgeklügelte Choreografie wirken kann. Marschierend, tanzend und mit Scheinwerfern bestückt bewegte sich seine rote Armee im Takt. Das große Finale bildete ein riesiges Feuerwerk. Während seine Tänzer am Boden lagen, schritt The Weeknd nach getaner Arbeit in einem Lichtkegel vom Spielfeld.

Vergleiche zum Auftritt von Michael Jackson 1993 wurden im Internet laut. Der hatte damals bei seinem Auftritt in Pasadena neue Maßstäbe für eine Halbzeitshow gesetzt. Eine Ehre für The Weeknd, der sich allerdings auch die Kritik gefallen lassen muss, dass der Ton zumindest am Anfang der Show alles andere als perfekt war. Eher nuschelnd als singend war der 30-Jährige zu hören. Das besserte sich zum Glück schnell.

Zu viel Perfektionismus, zu wenig Gefühl

Optik und technische Spielereien waren beim Halbzeitauftritt von The Weeknd das herausragende Element. Leider ging sein Perfektionismus zu Lasten seiner Präsenz. Ihm war anzumerken, wie fordernd die Choreografie aus ständigen Bühnenwechseln war. Zu oft musste er seinen Einsatzort wechseln, plötzlich wieder an anderer Stelle auftauchen. Der häufige Szenenwechsel forderte die ganze Konzentration des Künstlers. Genießen, so hatte man als Zuschauer den Eindruck, konnte er seine 13 Minuten jedenfalls nicht. Erst am Schluss huschte ein entspanntes Lächeln über sein Gesicht. Endlich geschafft. The Weeknd war nicht über-, aber gefordert, konnte dadurch nur in wenigen Momenten Gefühl zeigen. In Erinnerung wird sein Auftritt trotzdem bleiben. Als ablenkendes Spektakel in schwierigen Zeiten. Danke.


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