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"Tagesthemen" "Politische Dimension" - deshalb berichtet das Erste nun doch über Freiburg

Ingo Zamperoni in den "Tagesthemen"
Ingo Zamperoni moderierte am Montagabend in den "Tagesthemen" einen Beitrag zur Festnahme in Freiburg an.
© Screenshot "Tagesschau.de"
Nachdem die ARD-Hauptnachrichtensendungen bislang Berichte über die Festnahme eines Tatverdächtigen in Freiburg ignoriert hatten, berichteten die "Tagesthemen" am Montagabend nun doch. Die Begründung dafür macht das Versäumnis offenbar.

Zwei Tage lang hatte das Erste in seinen Nachrichtensendungen zu den Vorfällen in Freiburg geschwiegen. Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling war wegen des Tatverdachts in Untersuchungshaft genommen worden, eine 19-jährige Studentin vergewaltigt und ermordet zu haben. Der Nachrichtensender N24 berichtete am Samstag live von der Pressekonferenz, die Deutsche Presse-Agentur schickte eine Eilmeldung raus, Tageszeitungen wie Online-Portale berichteten über den Fall - und auch das ZDF. In der ARD dauerte es bis zum späten Montagabend, ehe man dort die Brisanz des Falles erkannte.

Moderator Ingo Zamperoni griff die Kritik an der ARD-Redaktion auf und erklärte die Gründe, weshalb "Tagesschau" und "Tagesthemen" das Thema bislang vermieden hätten. Verbrechen wie der Mord in Freiburg seien üblicherweise kein Thema für diese Sendung. Deshalb habe man bislang gar nicht berichtet - weder als der Mord geschah, noch als ein Tatverdächtiger verhaftet wurde.

Zamperoni weiter: "Dass wir jetzt darüber berichten, liegt daran, dass der Fall nun eine politische Dimension bekommen hat." Das Opfer werde ebenso von einigen Seiten instrumentalisiert wie der mutmaßliche Täter. Der anschließend gesendete Beitrag spiegelte die Stimmung in der Stadt im Breisgau wieder und fing Reaktionen von Politikern ein.

"Tagesthemen" wachen erst spät auf

Die Begründung, weshalb man in der ARD zwei Tage die Füße still hielt, ist zunächst einmal nachvollziehbar: In der Tat berichten "Tagesschau" und "Tagesthemen" nur selten über Kriminalfälle. Das ist verständlich, zumal die meisten Verbrechen in der Tat keine überregionale Bedeutung haben.

Dass die Festnahme in Freiburg eine solche Bedeutung erlangen würde, dürfte aber jedem Nachrichtenprofi bereits am Samstagnachmittag klar gewesen sein. Unmittelbar nach der Pressekonferenz war im Netz zu beobachten, wie das Thema kommentiert wurde, wie vor allem rechte Gruppen versuchten, die Festnahme zu instrumentalisieren. 

Möglicherweise bekommt man von solchen Diskussionen in den Redaktionsstuben der "Tagesschau" nicht viel mit. Wie sonst ist es erklärbar, dass die Nachrichtensendung erst mit zweitägiger Verspätung über den Fall berichtet?


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