HOME

Mordfall Maria L.: Warum die "Tagesschau" nicht berichtet hat - das sagt der Chefredakteur

Der Vorwurf wiegt schwer: Hat die "Tagesschau" nicht über den Tatverdächtigen im Mordfall Maria L. berichtet, weil er ein Flüchtling ist? Die Diskussion kochte so hoch, dass sich der Chefredakteur den Fragen der Nutzer stellte.

Stand via "Facebook Live" Rede und Antwort: Kai Gniffke, Chefredakteur "ARD aktuell"

Stand via "Facebook Live" Rede und Antwort: Kai Gniffke, Chefredakteur "ARD aktuell"

Dass die ARD-"Tagesschau" als Deutschlands meistgesehene Nachrichtensendung darauf verzichtet hat, über die Festnahme im Fall der getöteten Freiburger Studentin zu berichten, schlägt weiter Wellen.

In einem Blog-Eintrag am späten Sonntagabend erläuterte ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke erneut das Vorgehen seiner Redaktion: Die "Tagesschau" berichte nur "sehr selten über einzelne Kriminalfälle", sondern stattdessen über "gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse". Der Freiburger Fall hebe sich von anderen Mordfällen nach diesen Kriterien nicht ab. Deshalb habe man bei der Verhaftung des Tatverdächtigen den Maßstab beibehalten.

Herkunft des Täters nicht entscheidend

"Die Herkunft des mutmaßlichen Täters hat also mit dieser Entscheidung nichts zu tun", betonte Gniffke. "Im Gegenteil: Dass wir kein Problem damit haben, gegebenenfalls auch die Herkunft von Tatverdächtigen zu nennen, konnte man bei unserer Kölner Silvester-Berichterstattung sehen, bei der wir von Anfang an die Herkunft der mutmaßlichen Täter genannt haben."

Bei Freiburg als einem einzelnen Mordfall reiche der Gesprächswert allein nicht als Kriterium aus, erläuterte am Montagnachmittag auch in einem Facebook-Live-Videostream, bei dem ihm Fragen gestellt werden konnten. Angesichts der andauernden Diskussion habe sich seine Redaktion aber entschlossen, das Thema im Magazinformat "Tagesthemen" am Montagabend aufzugreifen.

Gesellschaftliches Phänomen oder nicht?

Auf den Einwand der Nutzer, dass die "Tagesschau" darüber berichte, wenn in den USA Polizisten schwarze Bürger erschießen, ob das nicht auch Einzelfälle seien, sagte Gniffke: Dies sei etwas anderes, weil es das gesellschaftliche Phänomen der Rassendiskriminierung berühre und auch in den USA breit diskutiert werde. Und beim Fall Tuğçe Albayrak? Damals sei es um das wichtige Phänomen der Einmischung und Zivilcourage gegangen.

Gniffke widersprach Einwänden, dass seine Redaktion bei einem deutschen Täter sehr wohl berichtet hätte: "Wenn ein Deutscher ein Flüchtlingsmädchen umgebracht hätte, hätte das unseren Relevanzkriterien auch nicht entsprochen."

"Kein Anruf aus dem Bundeskanzleramt"

Warum über Anschläge auf Flüchtlingsheime berichtet werde? "Weil sich dahinter ein gesellschaftlich breites Phänomen verbirgt, nämlich dass es Fremdenfeindlichkeit in diesem Land gibt." Er versicherte Kritikern, dass wenn es eines Tages verlässliche Erkenntnisse geben sollte, dass "Flüchtlinge überproportional an Gewaltdelikten" beteiligt seien, dass die darüber berichten werde.

Auch auf den allgemeinen Vorwurf, die "Tagesschau" sei Propagandamedium und zensiere, antwortete Gniffke: "Ich versichere Ihnen, dass ich nicht jeden Tag aus dem oder Nato-Hauptquartier einen Anruf bekomme."

ZDF berichtet über Fall Maria L.

Auch ZDF-Moderator Claus Kleber wehrte sich online gegen Kritik, das "heute-journal" habe die verschwiegen. Am Samstag habe die Sendung "vollumfänglich" dazu berichtet, schrieb Kleber auf Twitter. Am Sonntag sei es aber keine Neuigkeit mehr gewesen: "Daher HEUTE-journal, got it?"

Bereits am Sonntag hatte die "Tagesschau" auf Facebook erklärt, warum die Nachricht in der 20-Uhr-Ausgabe vom Samstag nicht vorkam ("regionale Bedeutung", "der besondere Schutz von Jugendlichen"). Auf diesen Eintrag reagierten zahlreiche Nutzer mit Kritik und die Diskussion kochte hoch. Auf Facebook und Twitter hatte die "Tagesschau"-Redaktion über den Fall berichtet.

Unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling verdächtig

Der 17 Jahre alte Verdächtige war am Freitag festgenommen worden. Es handelt sich um einen unbegleiteten Flüchtling, der 2015 aus Afghanistan eingereist war und bei einer Familie in Freiburg lebte.

Die 19-jährige Studentin war Mitte Oktober vergewaltigt worden, ihre Leiche wurde im Fluss Dreisam gefunden. Sie ertrank. Die Medizinstudentin war mit ihrem Fahrrad auf dem Heimweg von einer Uni-Party gewesen, als sie Opfer des Verbrechens wurde.


Update: Am Montagabend griffen "Tagesschau" und "Tagesthemen" das Thema doch noch auf. Die Begründung: Das Thema habe nun die Schwelle zur gesellschaftlichen Diskussion überschritten, daher sei es nun auch für die "Tagesschau" ein Thema.

tkr/dho/DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo