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"Polizeiruf"-Check: Ein brutaler Neustart

Ein Junge wird in diesem "Polizeiruf 110" brutal totgeprügelt. Die Magdeburger Kommissare ermitteln in seiner Pflegefamilie. Daneben muss sich Kommissarin Brasch noch mit ihrem neuen Kollegen herumplagen.

Polizeiruf 110 aus Magdeburg

Kein Traumgespann: Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und ihr neuer Kollege, Hauptkommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke) ermitteln im Magdeburger "Polizeiruf 110"

Worum geht's in diesem Krimi?

Der Beginn ist grausam: Der Zuschauer sieht, wie ein Junge brutal verprügelt wird, kurz darauf bricht der Zwölfjährige tot zusammen. Er war das Pflegekind von Wäschereibesitzern, die neben ihrer leiblichen Tochter drei weitere Kinder bei sich beherbergen. Offenbar befand sich das Opfer auf dem Weg ins Präsidium, er trug Diebesgut bei sich. Wollte er eine Straftat anzeigen und wurde deshalb getötet? Die Ermittler ahnen schnell, dass die Lösung im familiären Umfeld zu suchen ist.

Warum lohnt sich der "Polizeiruf 110"?

Die Folge "Endstation" taucht ein in den Kosmos einer Patchwork-Familie, in der die Eltern das Gute wollen, am Ende aber vor den Problemen kapitulieren, bis es zu Katastrophe kommt. Ein beklemmender, vor allem ein berührender Film.

Was stört?

Der Fall kommt zunächst nicht richtig in Schwung. Man hätte die Geschichte viel packender erzählen können. Doch der Zuschauer tappt hier lange im Dunkeln. Fehlende Dramatik wird dadurch ersetzt, dass sich die Charaktere vielsagende Blicke zuwerfen. So kommt lange keine Spannung auf.  

Die Kommissare?

Der Abgang des von Sylvester Groth gespielten Jochen Drexler ist ein schwerer Verlust für diesen "Polizeiruf". Doch der Nachfolger ist schon gefunden: Als neuer Kollege stellt sich Dirk Köhler (Matthias Matschke) vor. Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) weiß schon nach wenigen Sekunden, dass sie diesen Mann hasst. Dabei macht er eigentlich nichts falsch, ist freundlich bemüht. Doch seine gutmeinende Art und sein Hang zum Klugscheißertum bringen sie immer wieder auf die Palme. Vor allem lässt der sich kaum aus der Reserve locken: Als sie ihn anschnauzt, er möge seine Klappe halten, erwidert der nur: "Ich find das gut, dass Sie mir das sagen. Denn nur so können wir lernen, miteinander umzugehen." Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass sich TV-Ermittler zu Beginn ihrer Tätigkeit nicht mögen. Doch hier wird die Abneigung bis zum Schluss konsequent durchgehalten. Das macht neugierig auf die weitere Entwicklung dieses Teams.

Ein- oder Ausschalten?

Der Neustart des Magdeburger "Polizeiruf 110" hat definitiv eine Chance verdient. Zum Ende hin wird der Fall richtig dramatisch.