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"Tatort"-Folge gestoppt Schweizer Krimi zu schlecht fürs deutsche Fernsehen


Neun Jahre lang gab es keinen Schweizer "Tatort" und nun gibt es gleich Ärger mit dem Comeback: Die für April geplante Premiere des neuen eidgenössischen Krimis muss überarbeitet werden, weil sie den Standards nicht entspricht.

Ärger um den neue Schweizer "Tatort": Die für April geplante Premiere des eidgenössischen Krimis muss überarbeitet werden, weil sie den Standards nicht entspricht. Die "Tatort"-Folge "Wunschdenken" wurde von der Kulturchefin des Schweizer Fernsehens, Nathalie Wappler, kritisiert und in mehreren Punkten als mangelhaft bezeichnet. Sowohl Regisseur Markus Imboden als auch Hauptdarsteller Stefan Gubser, der den Kommissar Reto Flückiger spielt, äußerten Unverständnis über die Absetzung des Premiere-Krimis am 17. April.

"Da im Schweizer Fernsehen im Januar eine neue Geschäftsleitung angefangen hat, gibt es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen über den Film", sagte Schauspieler Gubser der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir müssen das Ganze analysieren und dann werden wir darauf reagieren."

"Ich bin grundsätzlich offen für Kritik", zitierte die "Berner Zeitung" den Schweizer Regisseur Imboden, der bereits etliche Krimis für ARD und ZDF inszeniert hat. "Es kann gut sein, dass meine Arbeit in gewissen Punkten mangelhaft war." Wütend mache ihn höchstens die Tatsache, dass er nur dank der Presse von dem Debakel erfahren habe. Die Entscheidung habe ihn aus heiterem Himmel getroffen. "Wunschdenken" soll nun nachgebessert und zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt werden.

Kritik an Schauspielerin Sofia Milos

Die Geschichte, die in Luzern spielt, sei kompliziert erzählt, enthalte Klischees und lasse lokale Atmosphäre vermissen, hatte Kulturchefin Wappler der Schweizer Nachrichtenagentur SDA gesagt. Die aus der US-Serie "CSI: Miami" bekannte Schauspielerin Sofia Milos hält Wappler außerdem neben Gubser für ungeeignet. Der Krimi wird jetzt überarbeitet, gegebenenfalls gibt es auch Nachdrehs. Regisseur Markus Imboden soll weiterhin für die Folge verantwortlich zeichnen.

In einem Punkt stimmt Imboden der Kulturchefin zu: Hauptdarstellerin Milos, bekannt aus der US-Serie "CSI: Miami", habe sich als Fehlbesetzung entpuppt. "Niemand konnte ahnen, dass sie ein völlig anderes Verständnis von Krimi hat", sagte Imboden. "Doch der "Tatort" ist nun mal nicht CSI." Der US-Schauspielerin mit Schweizer Wurzeln sei es am Set in erster Linie darum gegangen, gut auszusehen. "Das ist ja an sich nicht schlimm", sagt Imboden. "Alles in allem hat sie aber einen Stil mitgebracht, der nicht in diese Sendung passt."

Anstelle des Schweizer Beitrags soll Mitte April eine deutsche Produktion gezeigt werden. Ein ARD-Sprecher sagte, die ARD werde erst Anfang März entscheiden, welche deutsche "Tatort"-Folge den Schweizer Krimi ersetzen werde.

2002 hatte sich das Schweizer Fernsehen aus der "Tatort"-Produktion verabschiedet; im Frühjahr 2010 wurde dann der "Tatort: Wunschdenken" gedreht. Stefan Gubser spielt im Schweizer "Tatort" den Kommissar Reto Flückiger, der vom Bodensee nach Luzern versetzt wurde. Er war zuvor bereits als Gast in einigen Bodensee-"Tatort"-Folgen an der Seite der Konstanzer Ermittlerin Klara Blum (Eva Mattes) zu sehen.

che/DPA DPA

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